Ein Klavier reist kreuz und quer durch Rumänien

Horia Mihail spielt diesmal beliebte Beethoven-Werke

Freitag, 12. April 2013

Horia Mihail und sein „reisendes Klavier“ Foto: Virgil Oprina

„Lieber Horia, an diesem Sonntagmorgen zittern meine Tasten vor Aufregung. Ich warte im Auto auf den Fahrer. Bald geht unsere Reise los. Wenn Du wüsstest, was ich gestern durchgemacht habe... Du kennst mich ja, ich bin ein eher kräftiger Typ und wiege beinah 500 Kilo. Nun, sechs starke Männer mussten anpacken, um mich zu tragen. Stell Dir das vor! Ach, sie haben sogar meine Beine herausgeschraubt! Ich hoffe, sie verlieren sie nicht irgendwo, sonst kann ich gar nicht auftreten!“ So lautet ein Auszug aus der „Korrespondenz“ des ersten „reisenden Klaviers“ und seines Pianisten aus dem Jahre 2011. Noch mehr „Briefe“ gibt es unter www.pianulcalator.ro, wo man auch erfährt, dass das erste reiselustige Klavier und seine beiden „Nachfolger“ der Rumänischen Rundfunkgesellschaft gehören und dass es sich bei dem Pianisten um den Kronstädter Horia Mihail handelt.

Zurzeit findet die dritte Auflage seiner Solotournee „Klavier auf Reisen“ („Pianul călător“) statt. Auch in den vergangenen zwei Jahren wurde die einzigartige musikalische Rumänien-Fahrt von Radio România Cultural und dem Kulturverein „Accendo“ organisiert. Letzterer wird von Mihail selbst geleitet und kann wichtige Konzertreihen vorweisen – regelrechte Publikumsmagneten wie die kammermusikalischen Gastspiele des „Romanian Piano Trio“ unter Mitwirkung des Violinisten Alexandru Tomescu und des Cellisten Răzvan Suma, die „Stradivarius-Reisen“, das „Geigenduell“ mit Liviu Prunaru und Gabriel Croitoru, die „Goldene Flöte“ mit Ion Bogdan Ştefănescu und „Die drei Divas“ mit den Sängerinnen Leontina Văduva, Ruxandra Donose, Teodora Gheorghiu und, bei der zweiten Ausgabe, Adina Niţescu.

Doch was ist für das „reisende Klavier“ kennzeichnend? Horia Mihail erklärt: „Unser ‘praktisches’ Ziel ist es, jährlich einen rumänischen Konzertsaal mit einem Flügel auszustatten. Der erste ist vor zwei Jahren nach Mediasch/Mediaş gelangt, der zweite nach Großsanktnikolaus/Sânnicolau Mare. Der dritte Konzertflügel wird Mitte April zuerst zusammen mit mir in zwei Bukarester Parks auftreten, anschließend reisen wir gemeinsam in die Moldau nach Roman, Tecuci, Bârlad, Chişinău. Schließlich wird das Instrument in Tulcea ‘spielen’ und dort im Theater ‘Jean Bart’ bleiben. Mit diesen Gastspielen nehmen wir uns aber gleichzeitig vor, in kleineren Ortschaften des Landes das Konzertleben zu beleben.“

Noch vor den Auftritten in der Hauptstadt und der Moldau hat Horia Mihail mehrere Soloabende und Klavierkonzerte gegeben, und zwar in Großsanktnikolaus (auf dem zweiten „reisenden Klavier“), Temeswar/Timişoara, Kronstadt/Braşov, Piteşti, Großwardein/Oradea, Klausenburg/Cluj-Napoca, Neumarkt/Târgu Mureş, Hermannstadt/Sibiu und Mediasch (wo er das erste verschenkte Instrument „besucht“ hat).

Der bekannte Pianist hat sich dabei ausschließlich für Beethoven-Musik entschlossen. Er spielt die „Mondscheinsonate“, die „Pathétique“ und die „Appassionata“ sowie das vierte Klavierkonzert in G-Dur. Die Werke sind sehr beliebt – „und trotzdem keine sogenannten ‘Schlagersonaten’“, wie Mihail hervorhebt. „Es ist unfassbar schöne und anspruchsvolle Musik, die es sowohl dem Pianisten, als auch dem Zuhörer erlaubt, wirklich jedes Mal – und ich übertreibe nicht – neue Facetten von Beethovens genialer Tonkunst zu entdecken.“

Der Musiker, der das rumänische Publikum bis Ende April auf seine Entdeckungsreise mitnehmen möchte, blickt auf einen beeindruckenden künstlerischen Werdegang zurück. Er hat bereits im Alter von zehn Jahren mit seinem Kronstädter Debüt für Aufsehen gesorgt – damals sprach man von einem „Wunderkind“. Allerdings absolvierte das Wunderkind nicht das Musikgymnasium, sondern das Mathematik- und Physik-Kollegium „Andrei Şaguna“, was aber für die Musikerkarriere kein Hindernis darstellte: Horia Mihail hat in allen Klavierwettbewerben, an denen er teilgenommen hat, den ersten Preis gewonnen. Nach seinem Studium in Bukarest, Illinois und Boston ist er 2002 nach Rumänien zurückgekehrt. Zurzeit ist er Solist des Kronstädter philharmonischen Orchesters und des Rundfunkorchesters in Bukarest und trägt klassische Musik vom Feinsten ins ganze Land.

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