Ein Kleinflugzeug und ein paar Hubschrauber

Schwierigkeiten mit dem Traum vom wiederbelebten Flughafen Karansebesch

Donnerstag, 21. November 2013

Karansebesch - Der Flughafen von Karansebesch erweist sich zunehmend als peinlicher Kleinbürgertraum einer Kleinstadt. Über 25 Jahre nach Einstellung des Flugverkehrs und nach den durch Übereignungen und Privatisierungen turbulenten 1990er Jahren sowie den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts scheint sich zu bestätigen, dass eine Wiedereröffnung illusorisch und viel zu kostenintensiv wäre, zumal der Konkurrenz der ganz in der Nähe befindlichen Flughäfen Temeswar, Arad und Szeged bzw. Budapest und Belgrad nie standgehalten werden kann. Sagen Fachleute.

Doch der ambitionierte Karansebescher Bürgermeister Ion Marcel Vela und eine Lobbystengruppe, bestehend vorwiegend aus ehemaligen Militärpiloten des längst aufgelösten motorisierten Infanterieregiments von Karansebesch, die in der Stadt als Rentner leben, schürt immer wieder Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme des Flugverkehrs – während die Betonpiste (die von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg angelegt wurde) und die Dienstleistungsgebäude und Hangars zunehmend verrotten.
Nachdem das Verteidigungsministerium den Flughafen und die Zusatzbauten an den Kreisrat Karasch-Severin transferiert hatte und letzterer ihn praktisch verpachtet und (verbunden mit gewissen Sanierungs- und Wiederinbetriebnahme-Auflagen) verkauft hat (erster Privatbesitzer war der zwielichtige PSD-Mann und Neureiche Iosif Armaş, der Schwiegersohn des Leibarztes von Ceauşescu), nachdem die Stadt Karansebesch einige Rückerstattungsfragen mit seinerzeit enteigneten Grundstückbesitzern schlecht und recht geklärt hat und nachdem das Verhältnis von Arma{ mit den Karasch-Severiner Kreisrat zeitweilig parodististische Züge annahm (Armaş hat u. a. dem Kreisrat, der auf die Einhaltung der Kaufverpflichtungen bestand, mehr oder weniger überzeugend nachgewiesen, dass er eigentlich berechtigt wäre, von der Kreisverwaltung wegen ihrerseits nicht eingehaltener Verpflichtungen Entschädigungen zu fordern, die bis zu einem halben jährlichen Bruttoinlandsprodukt Rumäniens gehen könnten), hatte die Stadt Karansebesch in den letzten Jahren auf eigene Lösungen gesetzt und selber begonnen, hier Investitionen zu tätigen. Ein Aeroclub wurde gegründet (nichts Besonderes im Flugwesen, aber ein Argument der Stadt), jährlich Flugshows veranstaltet, Verhandlungen mit der Militär- und Sonderfliegerei (etwa der Rettungsfliegerei) eingeleitet und immer wieder beharrlich versichert, dass der Flughafen wieder eröffnet wird. Sicher war das auch Teil der Marketingstrategie, mit der die Stadt dauernd und mit Erfolg Investoren angezogen hat.

Jüngst hatte Bürgermeister Vela – der in Karansebesch die Kommunikationshoheit mit den Medien und der Öffentlichkeit zu beanspruchen scheint – einen Unternehmer, einen gewissen Obrejan, aus dem unfernen Ferdinandsberg vorgestellt, der endlich den Flughafen wieder in Betrieb setzen wird. Inzwischen sind aber alle Kommunikationsleitungen des Flughafens wegen Nichtbezahlung der Gebühren gekappt worden und aus demselben Grund stand auch die Stromversorgung auf der Kippe. Schnell machte das Gerücht in Karansebesch die Runde, dass der „Großinvestor“ Obrejan aus dem kleinen Ferdinandsberg kein Geld hat, um seinen großartigen Investmentplan für den kleinen Flughafen Karansebesch umzusetzen. Übriggeblieben ist nur die Idee der Einsatzbasis für die Bergrettungs-Hubschrauber des Innenministeriums, die von Karansebesch aus einen Raum zwischen Hermannstadt und dem Eisernen Tor an der Donau abdecken sollen. Also die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Inneres und Verwaltung.

Das sollte bis Dezember geschehen, und die Stadt hatte sich verpflichtet, dazu die Bauten und Hangars zu sanieren. Nur: Die Stadt saniert schon seit ein paar Jahren einen der Hangars und ein Verwaltungsgebäude, ist aber damit immer noch nicht fertig. Bis Jahresende will sie es aber sein.

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