Ein Konzert voller Begeisterung

„de(r)Chor“ musizierte erstmals in Zeiden

Freitag, 28. Februar 2014

Die „Seligstädter Wiedehopfe“ und Dirigentin Christiane Neubert bei ihrem Auftritt in Zeiden.

Es gehört eine Menge Mut dazu, ein ganzes Konzert lang Motetten und Kanons, Volkslieder und Gospels, Musik des Barock oder der Gegenwart - alles mehrstimmig und ohne Instrumentalbegleitung zu singen. Wenn hinzu auch noch ein eigenes Ensemble-Logo kommt, ein pfiffiger Chor-Name, ein Plakat mit schlichter, ansprechender Grafik und, auf der Bühne, ein entsprechendes „corporate look“ oder einheitliches Image, dann ist das Aha-Erlebnis beim Publikum so gut wie garantiert.

Das alles und noch mehr hat ein siebenbürgischer Projektchor zu bieten, der am Sonntag erstmals in Zeiden aufgetreten ist. Es geht um das Ensemble „de(r)Chor. Seligstädter Wiedehopfe“, der 2006 auf Initiative der Fogarascher Organistin und Kantorin Christiane Neubert ins Leben gerufen wurde. Es darf jeder mitmachen, dem das Singen Spaß macht – und der mal ein Wochenende, mal eine ganze Ferienwoche in Seligstadt bei den gemeinsamen Singfreizeiten verbringen möchte. Mit dem Erfolgsrezept „Musik aus Freude“ ist es sogar gelungen, 2011 und 2012 das Weihnachtsoratorium von Bach aufzuführen und im vergangenen Jahr ein Gastkonzert in Würzburg zu geben.

In Zeiden eröffnete „de(r)Chor“ am Sonntag die Zeidner Konzertreihe 2014 im prallvollen Gemeinderaum der evangelischen Kirche. Der Kirchenmusiker Klaus Dieter Untch begrüßte die „Gäste von nah und fern und noch ferner“ - denn die 23 Chormitglieder des interethnischen, interkonfessionellen und multikulturellen Ensembles kommen aus Schäßburg, Reps, Fogarasch, Mediasch, Bukarest, Deutsch-Weißkirch und Kronstadt.

Bunt war auch die Repertoirewahl: Neben einer Motette des Dresdner Bach-Schülers Gottfried August Homilius – seit dessen Geburt 300 Jahre vergangen sind – erklangen auch Werke der siebenbürgischen Komponisten Johann Sartorius der Jüngere, der im 18. Jahrhundert in Thalheim und Keisd als Pfarrer tätig war, und Hans Peter Türk, der seine Kindheit und Jugend in Zeiden und Kronstadt verbracht hat, später Professor an der Musikhochschule Klausenburg wurde und für sein Wirken mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden ist. Ein Musikstück des norwegischen zeitgenössischen Komponisten Knut Nystedt, gesungen in englischer Sprache, rundete den geistlichen Teil des Konzerts ab. Der anschließende weltliche Teil stand unter dem Motto „Musik hält fit“ und steigerte nach und nach die Begeisterung des Publikums, das bei mehreren Kanons und den sächsischen Liedern „Af deser Ierd“ und „Die Gipfel der Karpaten“ sogar mitsingen durfte.

Für einen Chor, der nur alle paar Monate gemeinsam probt und dessen Mitglieder sonst über ganz Siebenbürgen verteilt leben, war die Kostprobe in Zeiden wohl ein Kraftakt, doch strahlten die Sängerinnen und Sänger nur ansteckende Freude und keine Spur von Anstrengung aus. Man freut sich schon auf die nächste Singfreizeit in Seligstadt (31. August - 7. September) und auf die kommenden Konzerte „de(s)Chor(s)“.

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