Ein korrupter Anzeigeerstatter

Der Ex-Chef der Krankenpfleger steht im Verdacht, selber der größte Korrupte gewesen zu sein

Samstag, 29. Juli 2017

Der Name Marian Sorca ist erstmals im Frühjahr 2015 gefallen, als er einen Grenzpolizisten aus der Donauklamm, Cristian Vijijoii, und einen Hochstapler, der sich konsequent als „Berater” des damaligen Kreisratsschefs Sorin Frunzăverde auszugeben pflegte, Horia Vădrariu, bei der Antikorruptionsbehörde DNA anzeigte: die beiden hätten versucht, ihn mit 500 Euro zu bestechen (faktisch sollten es 2400 Euro sein, aber der „Vermittler”, der Hochstapler Vădrariu, hatte den „Rest” selber eingesteckt), damit er, als Chef der Prüfungskommission, die Frau des Grenzpolizisten, Svetlana Vijijoii, aufgrund eines Besetzungswettbewerbs, den er, Sorca, organisierte, als Krankenschwester im Notfallkrankenhaus Reschitza anstellt.

Inzwischen wurden Vijijoii und Vădrariu in der Folge eines Korruptionsprozesses ins Gefängnis gesteckt (wo Vădrariu im Gefängnis Târgu Jiu gestorben ist), Svetlana Vijijoii auf Bewährung verurteilt. Wer aber in der Falle festsitzt, das ist der damalige Anzeigeerstatter, Marian Sorca. Der Krankenpfleger, der zwischen 2005 und Februar 2017 Direktor für Krankenpflege des Notfallkrankenhauses Reschitza war und als solcher sowohl im Direktionsrat des größten Krankenhauses des Banater Berglands saß, als auch im Ärztlichen Rat des Notfallspitals und dem Orden der Allgemeinmedizinischen Krankenpfleger, Hebammen und Krankenschwestern (OAMMR) als Präsidentenstellvertreter vorstand, ist am 17. Mai dem Kreisgericht Karasch-Severin in Reschitza übergeben worden. Wegen Korruption.

Die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA wirft Sorca, im Wiederholungsfall, Schmiergeldannahme und unlautere Einflussnahme, vor allem bei Zulassungsprüfungen zum Stand der Krankenpfleger, Krankenschwestern und Hebammen vor, die er in seinen Funktionen mindestens zehn Jahre lang organisiert hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen entwirrt, wie damals die 2400 Euro Schmiergeld weiterverteilt werden sollten, die der Hochstapler Vădrariu nur zum Teil weitergab, nachdem er sie vom Grenzpolizisten Vijijoii übernommen hatte. 20 Prozent war der Anteil für Sorca, der Rest sollte an einen Arzt der Prüfungskommission weitergegeben werden und an deren Vorsitzenden, zu gleichen Teilen. Das war wieder Sorca. Dass das nicht geschah, scheint der auslösende Faktor der anschließenden Untersuchungen der DNA-Staatsanwaltschaft gewesen zu sein, die sich erst den Pneumo-Phthysiologen aus Neumoldowa (Dr. Svetozar Miatovici) vorknöpfte, der in der Kommission saß. Der handelte rasch mit der DNA seine spätere Strafe (zwei Jahre auf Bewährung) aus, indem er im Gegenzug den Mechanismus der Schmiergeldgabe an und über Marian Sorca enthüllte.

Erst dann begann die DNA, die Vermögenserklärungen des Chefkrankenpflegers des Notfallkrankenhauses und seiner Familie zu checken, worauf rasch fehlende Übereinstimmungen herauskamen. 2015 hatten sie beispiels-weise ein offizielles Jahreseinkommen von 150.000 Lei deklariert, drei Jahre vorher waren es bloß 71.000 Lei. Dabei besitzen sie in Reschitza ein Appartement, in Temeswar eines, ein Grundstück und ein Wohnhaus in Kraschowa, ein weiteres Appartement in Temeswar, in Herkulesbad und in Reschitza, alle gekauft ab 2007. Mit den Autos ist man in der Familie Sorca bescheidener: sie besitzen nur einen Dacia Logan aus dem Jahr 2011.

Trotz aller Indizien: die Anklage der Antikorruptionsstaatsanwälte stützt sich bloß auf zwei Zeugen, den erwähnten Lungenarzt aus Neumoldowa, und einen der Krankenpfleger, die von Sorca zu dem gemacht wurden, was er heute ist, ein Angestellter des Notfallkrankenhauses Reschitza. Konkret kann die DNA-Staatsanwaltschaft nur auf die Schmiergeldgabe von 500 Euro hinweisen, die eigentlich Sorca selber 2015 angezeigt hatte. Das scheint eine Anklage, die auf wackligen Beinen steht. Zumal bisher an die Öffentlichkeit nicht gedrungen ist, inwieweit die beeindruckende Vermögenslage der Familie Sorca mit ihren offiziellen Einnahmen übereinstimmt und ob die Staatsanwaltschaft in Richtung Einzug des nicht gerechtfertigten Vermögens etwas unternommen hat.

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