Ein Leben für die Natur

Die Bergschule in Kronstadt

Sonntag, 12. Februar 2017

Eine Tagesration im Rucksack, daneben auch ein wetterfester Poncho für den Regenfall, so geht es durch die Natur.

Das A und O des Abseilens: Lucian Paşca führt mit Schutzhelm und abgesichert vor, wie man richtig vorgeht.

Lagerromantik: weit in der Ferne die Stadtlichter

Was kann es Schöneres geben als schneebedeckte Berge an einem sonnigen Tag?
Fotos: Privatsammlung Lucian Paşca; www.scoalademunte.ro

Lucian Paşca (55), geboren in Mühlbach/Sebeş und Bergwanderer seit dem 15. Lebensjahr, hat eine Offizierskarriere als Ausbilder bei den Gebirgsjägern hinter sich, wo er als Skilehrer, Bergsteiger und Bergführer diente. Seit 2000 ist er Reservist, suchte nach einer Beschäftigung, welche ihm auch Freude machen sollte, und fing als Selbständiger mit einer Skischule in der Schulerau/Poiana Braşov an. Über seine Bergschule für Kinder, mit Aktivitäten im Winter wie auch im Sommer, unterhielt er sich mit ADZ-Redakteur Hans B u t m a l o i u.

Was war Ihr  Weg vom Skilehrer und Ausbilder für Urlauber und Reisegruppen zum Leiter dessen, was sich nun „Bergschule“ nennt?    

Angefangen hat es eigentlich mit einem Kind - einem Dreikäsehoch, der Skifahren lernte, und mit der Bitte der Eltern, ihn doch vom Kindergarten abzuholen und auf die Piste zu fahren, da ich sowieso in die Schulerau musste. Da blitzte es bei mir: He, wenn du schon ein Kind fährst, warum dann nicht gleich mehrere? Auf die Piste – zum Skifahren lernen! Das war es, kurz gesagt: ein Zufall, der mich 2002 auf die Idee brachte, eine Dienstleistung auf Kleinkinder anzupassen. Anfangs waren es zwei Serien täglich in der Wintersaison, vormittags und nachmittags, die ich in Gruppen zu je fünf Teilnehmern führte.   
                    
Das war eine Tätigkeit als Skilehrer - wie entstand aber die Verbindung zur Bergschule?

Weil es Schnee nur im Winter gibt. Also, ich war eh schon Mitglied des Nationalen Vereines der Bergführer und Bergretter. Die Zahl der Kinder war gewachsen: über die Woche waren es die aus dem Kindergarten, an den Wochenenden Schüler. Ab Frühling ist es aus mit dem Skifahren, und da ich Gefallen an der Sache gefunden hatte, mit Kids zu arbeiten, habe ich begonnen, Wanderungen zu organisieren. Mit meinen Schülern aus der Winterzeit - aber nicht ausschließlich. So ist die „Bergschule“ entstanden.

Fürs Skifahren Lernen und  für Wanderungen?

Na ja, nicht ganz, denn die Wanderungen im Frühling und Herbst waren und sind weit mehr als Spaziergänge in der Natur, es ist praktisch angewandte Naturkunde, Naturkundestunde im Freien, mit lebendigem Lehrmaterial. Angefangen von der Pflanzenwelt, den Besonderheiten dieser, dass Warum und Wieso – etwa weshalb Blumen und Gräser nur in bestimmten Gebieten wachsen, welches die Blütezeiten sind, wie sie sich entwickeln und anpassen, und das alles mit jeder Menge Lehrmaterial vor Augen.

So lernen eigentlich Kindergartenkinder Botanik…

Diese Aussage stimmt auch nur teilweise, denn eben diese Kindergartenkinder - egal ob Jungen oder Mädchen, das betone ich ausdrücklich - nehmen Kleintiere wie Echsen oder ungefährliche Insekten in die Hand und erfahren von mir alles Wissenswerte vor Ort. Mit dem Blatt, der Blume, dem Tannenzapfen oder dem Käfer vor Augen.  

Und wie reagieren die Kinder darauf?

Hervorragend, doch dazu habe ich einiges entdeckt: Das größte Interesse für diese Neuheiten zeigen die ganz kleinen Kinder, bis in die ersten Schulklassen. Dann sinkt ihr Interesse. Größere Schüler oder Jugendliche konnte ich wenig begeistern. Aber diese Kleinkinder haben ihre helle Freude, sie spielen, springen, laufen, alles was ihnen Spaß macht. Sie sind glücklich, wenn sie in solch einem Umfeld Verstecken spielen können und nicht vor dem Plattenbau.

Die Bedingungen sind ja auch ganz andere…    

Klar! Sie bringen zwar noch gelegentlich eine Schnur mit, oder irgendeinen Bindfaden, doch wir bauen Unterstände, die wir mit dem, was die Natur bietet, erstellen: also Streifen aus Baumrinde, mit Laub abgedeckt, wenn sie wollen, wie kleine Indianer. Doch da ist etwas, was ich noch betonen möchte: Solche Gruppen, bei denen sich die Mitglieder kennenlernen, wie klein sie auch sind, entwickeln eine besonders intensive Verbundenheit und Kameradschaft.     

Auch über die Wanderungen hinaus?

Verallgemeinern will ich das nicht, aber seit 2001 und bis heute waren viele, sehr viele, zehn Jahre lang voll dabei - damit meine ich, im Winter beim Ski, im Frühling und Herbst bei den Wanderungen und im Sommer ein längeres Zeltlager.  

Könnten Sie etwas genauer erzählen, wie das abläuft?

Also, diese treu gewordenen Anhänger haben, zumindest einige von ihnen, mittlerweile auch die Hochschule hinter sich und haben zudem so manche Erfahrung aus den Bergen in den Alltag übernommen: Freundschaft und Kameradschaft sind nur einige, doch auch Durchhaltevermögen und Selbsteinschätzung lernt man, oder welche Grenzen man hat, wie viel man sich selbst zutrauen kann und darf.  Entdeckt habe nicht ich diese Grundsätze, das haben viele andere vor mir, ich kann nur sagen, dass sie sich immer wieder aufs Neue bestätigen. Heute suchen sie mich auf, um sich über Wanderwege zu erkundigen, über Änderungen oder den neuesten Stand an manchen Orten. Die Verbindung ist weiterhin aufrecht und was zu lernen war, das haben sie gelernt.  Ich habe die Genugtuung, etwas weitergegeben zu haben und kann mit Stolz sagen, etwas aus meiner Kindheit und Jugend weiterzuführen. Für mich war die Kindheit in Mühlbach, das Aufwachsen zwischen den zahlreichen sächsischen Kindern in der Nachbarschaft, eine Schule fürs Leben. Das versuche ich nun selbst weiterzugeben. So habe ich mir die Bergschule, diese Initiative, Kinder an Sport und Natur heranzubringen, vorgestellt und so führe ich sie weiter.   

Gehen wir also etwas genauer auf die Tätigkeiten innerhalb der Bergschule ein.   

Es kommen Eltern, die von uns erfahren haben und fragen, was wir bieten: Skilehre oder im Sommer Wandern, und melden dann ihre Kinder an. Neulinge bilden eine Gruppe, die  erst mal mit den Grundregeln bekannt gemacht wird, dazu gehört auch Disziplin, denn die Natur birgt auch Gefahren, nicht nur Schönheit. Dann folgen Ausflüge hier in die Umgebung, von einer Zeitdauer, welche Anfänger bewältigen können. Dann erst geht es an richtige Wanderungen und dabei wird dann gelernt, genauso wie es Kundschafter in anderem Maßstab lernen. Bei den größeren Kindern kommt Orientierung anhand von Kartenangaben hinzu, mit Kompass oder ohne, oder Wetterzeichen zu verstehen.  Endziele sind eine gestärkte Gesundheit, die Ausbildung der Persönlichkeit und aller positiven Charakterzüge, von Selbstbeherrschung bis zu Entschlossenheit und Beharrlichkeit, Kameradschaft - Züge und Eigenschaften, welche im Leben nützlich sind.   
 
Wie verlaufen die sommerlichen Zeltlager?

Ursprünglich war ich etwas zu vorsichtig und wir verbrachten bis zu zehn Tage in einer Pension, irgendwo in der näheren Umgebung von Kronstadt, sei es nun Törzburg oder die Bussauer Berge. Dann rüsteten wir mit guten Zelten nach und ab geht es in die Ost- oder Westkarpaten, nach Bistritz oder anderswo, nicht mehr in Pensionen, sondern auf ein angemietetes Plätzchen, wo wir fließendes Wasser und Strom haben. Von dort aus folgen dann Tageswanderungen, dort wird gefrühstückt und zu Abend gegessen, gekocht und geschlafen. Für die Kleinen sind diese Tage ein Mordsspaß, das Übernachten im Freien, manchmal auch ein Gewitter, welches das Zeltinnere erleuchtet, das alles fassen sie als ein Abenteuer auf und haben ihren Spaß daran.

Wir danken Ihnen für die Ausführungen.

Kommentare zu diesem Artikel

Joachim, 14.02 2017, 01:18
Von solchen Schulen bräuchten wir mehr.

Die einfachsten, aber wichtigsten Dinge des Lebens, die man braucht, werden den Kindern nicht mehr vermittelt. Wenn irgend wann einmal der Strom ausfällt, können sich unsere Kinder nicht mehr helfen. Dann geht kein Smartphone mehr. Sie können weder ein Feuer machen, noch ein Ei kochen, erst Recht kein Huhn schlachten. Sie werden orientierungslos und Verhungern.......

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