Ein nennenswertes Beispiel

Polstermöbelfabrik PoliPol: Nicht nur das Geschäft, sondern auch die Gemeinschaft zählt

Samstag, 26. April 2014

Näherinnen an der Arbeit
Foto: László Ilyés

In der sathmarschwäbischen Gemeinde Fienen/Foieni, etwa 5 km von der Kleinstadt Großkarol/Carei entfernt, befindet sich die Polstermöbelfabrik PoliPol. Der größte Polstermöbelhersteller in Europa eröffnete noch im April 2005 eine kleine Halle in Großkarol auf einer Oberfläche von 1200 Quadratmeter. Anfang 2006 wurde bereits die erste eigene Halle in Fienen auf 2600 Quadratmeter erbaut. Ein Jahr darauf hat man die zweite Halle auf rund 10.000 Quadratmeter errichtet. Die dritte Halle mit Etagen wurde auf einer Fläche von 4000 Quadratmeter dazugebaut. Mit den beiden Geschäftsführern der Firma, Dan Brumboiu und  Csaba Knecht, führte Gabriela Rist am Standort in Fienen ein Gespräch.

„Wir produzieren Polstermöbel für die großen Möbelhäuser in Europa. 85 Prozent der Bestellungen kommen aus Deutschland“, sagt Dan Brumboiu, einer der beiden Geschäftsführer der Firma PoliPol in Fienen, wo sich der einzige Standort der PoliPol Gruppe in Rumänien befindet. In Polen gibt es weitere sechs Standorte und einen in Deutschland in Torgelow an der Grenze zu Polen.
„Pro Monat produziert unsere Möbelfabrik in Fienen 4000 Polstergarnituren. Die Firma hat bereits 650 Mitarbeiter. Die Mehrheit der Arbeiter kommt aus Großkarol und Fienen und der Rest aus anderen Ortschaften in der Umgebung. Die Mitarbeiter, die pendeln, werden von der Firma mit einem Transportzuschlag unterstützt“, erklärt Csaba Knecht, der andere Geschäftsführer der Firma.
Der Durchlauf von der Bestellung bis zur Lieferung dauert bei der PoliPol sechs Wochen. „In einer Woche wird das Material beschaffen, die Herstellung des Möbelstücks dauert  auch eine Woche und es wird geliefert genau auf die Uhr“, sagt Csaba Knecht. Lieferanten hat die Firma in Rumänien und in Ungarn. Es gibt aber auch in der Umgebung Lieferanten, die mit PoliPol gewachsen sind. So möchte man die Region unterstützen.

„Wir produzieren keine Luxusmöbel, sondern Möbel für die Mittelklasse. Unsere Zielkunden sind vor allem die Familien und Menschen zwischen 30 und 50 Jahren“, sagt Dan Brumboiu und zeigt schon den Bestellkatalog der Firma. Dabei erklärt er, dass die Kunden die Konfiguration, die für sie die Günstigste sei, aus rund 60 Bausteinen auswählen können. Auch für den Stoff der Möbel gibt es 30 verschiedene Sorten und 8 bis 12 Farben. „Bald wird es eine App auch auf dem iPad geben“, fügt Brumboiu hinzu.
Mit der Anwerbung von Fachleuten gebe es bereits Schwierigkeiten, sagen die Geschäftsführer. „Näherinnen gibt es genug, Tischler immer weniger und Polsterer wurden seit 2006 keine neue angestellt“, bilanziert Knecht. Es wurden aber von der Firma bereits wichtige Schritte in diese Richtung getan. Im Technischen Lyzeum Simion Bărnuţiu in Großkarol wurden zwei Schulklassen im Dualen System gestartet: eine von 2012 bis 2014 und die zweite von 2013 bis 2015. In diesem Jahr wird die dritte Schulklasse eröffnet. Allerdings werden nach dem geänderten Gesetz die Schüler bereits drei Jahre lang das Lyzeum besuchen. „Die Schüler machen in der Firma Praktikum und nach zwei Jahren sind sie schon im Werk integriert“, sagt Brumboiu. „Wir haben eine große Hoffnung in diese Schulklassen gesetzt“, so Knecht. Die Schüler erhalten die Arbeitsmittel und die Werkzeuge von der Firma. Ihr Transport wird unterstützt und im zweiten Jahrgang bekommen sie ein Stipendium. PoliPol hat im Internat des Lyzeums zehn Zimmer renoviert. Damit die Schüler in guten Bedingungen wohnen können, hat auch das Bürgermeisteramt in Großkarol mitgeholfen sowie die Firma Steiger.

Ein wichtiges Anliegen der Firma, das auch andere Firmen betrifft sei, dass ihre Lkw über die Grenze bei Petea fahren müssen. Vor drei Jahren hat PoliPol eine Anfrage ans Ministerium geschickt. Es ging darum, dass die Lkw der Firmen, die ins Ausland fahren, die Grenze in Schinal/Urziceni passieren würden. Das würde bedeuten, dass sie sich einen Umweg von circa 120 Kilometer ersparen könnten. „Auch mit dem Vorsitzenden des Kreisrats in Sathmar haben wir diskutiert und im Budget dieses Jahres wurde die Renovierung der Straße zwischen Fienen und Großkarol miteinbezogen“, berichteten die Geschäftsführer. Die beiden Geschäftsführer der Firma sind auch im Deutsch-Rumänischen Wirtschaftsverein der Region Sathmar/Satu Mare aktiv. Als Vorsitzender des Vereins meint Dan Brumboiu, dass die Kontakte zu anderen Firmen, Institutionen, Wirtschaftsklubs und auch zu den Ministerien sehr wichtig seien. Man könne sich austauschen und über die gleichen Probleme sprechen. „Das Ziel ist nicht unbedingt etwas zu haben, sondern an verschiedenen Veranstaltungen und Messen teilzunehmen sowie Hilfsaktionen zu unterstützen“, so Knecht. In Fienen gibt es ein Altersheim, das von der Firma PoliPol von Anfang an unterstützt wird. Im Heim wohnen 50 alte Leute und es wird ständig etwas renoviert, damit die Senioren unter guten Bedingungen wohnen können. „Wir haben Solaranlagen am Dach des Heimes montiert, damit das warme Wasser billiger wird“, berichtet Knecht über die Investition, die von der Firma PoliPol durchgeführt wurde.

Im November 2013 nahmen sie an einer Pressekonferenz zusammen mit Mitgliedern des Wirtschaftsklubs aus Kronstadt in Bukarest teil. Das Thema waren die Berufsschulen im Dualen Schulsystem.  „Es sei wichtig, dass auch die anderen Klubs im Land erfahren, was wir in diese Richtung bereits getan haben“, sagt Brumboiu.
Für die nächsten fünf Jahre hat die Geschäftsführung der Firma PoliPol viele Pläne. Es soll eine vierte Halle als Verlängerung der dritten auf 10.000 Quadratmeter erbaut werden sowie neue Parkplätze für die Lkw und für die Mitarbeiter der Firma. Für besonders wichtig halten die Geschäftsführer die Teamarbeit bei der Firma. Es werden Soft Skills Trainings für die Führungskräfte der Firma gehalten. „Die Menschen sollen mit Herz für die Firma motiviert sein“, schlussfolgert Knecht.

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