Ein neuer Jagdwald für die Begastadt

Im Plan: ein Wäldchen im Norden der Stadt

Dienstag, 17. März 2015

Die grüne Zukunft der Begastadt ist noch etwas unklar: Hier ein Schutzwäldchen an der Arader Straße Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar - Es ist immer wieder ein heißes aber auch schwieriges lokales Diskussionsthema in der Begastadt: Zurzeit werden im Temeswarer Stadtrat wiedermal schöne Pläne zur Erweiterung der städtischen Grünzone geschmiedet. Die „grüne Lunge“ der Stadt, die traditionsgemäß jahrzehntelang als Stadt der Parks gepriesen wurde, kann nach den EU-Vorschriften derzeit gar nicht mehr als nachahmenswertes Beispiel betrachtet werden: Die Stadt, seit der Wende unter verstärktem Druck durch die Infrastrukturpläne und Immobilienentwickler, verfügt nämlich heute durchschnittlich über zirka 17 Quadratmeter per Einwohner, völlig ungenügend, da 26 Quadratmeter pro Kopf den grünen Normalstand ausmachen würden.

Unter den zahlreichen, darunter auch etlichen kaum verwirklichbaren Stadtplänen, wäre einer doch hervorzuheben: Die Aufforstung bzw. das Anlegen eines Neuwalds auf einer Fläche von zirka 50 Hektar im Norden der Stadt. Dieses kleinere Double für den historischen Jagdwald, an der Ausfahrt gegen Lugosch, könnte in der Zone der Arader, Lippaer und Torontaler Straße angelegt werden. Der Jungwald auf zehn Kilometer Länge und 50 Meter Breite könnte als Schutzwald die verstärkte Umweltverschmutzung im Norden und Nordwesten der Stadt zum Teil vermindern. Die Gesamtkosten werden vorerst vom Stadtrat auf 610.000 Lei, bei Kosten von 12.200 Lei pro Hektar, geschätzt.

Zur Diskussion stehen zurzeit die Wahl des Standorts wie auch die Wahl des Baumguts, zudem die schwierigen Details betreffend die Instandhaltung dieser Zone. Auch im Stadtrat hat man aus den bitteren Erfahrungen der Vorjahre, den bisherigen Mißerfolgen derartiger Stadtprojekte etwas hinzugelernt: In der Zeit der Ciuhandu-Verwaltung, 2001-2002, hat man nämlich mit viel Werbung, auch mit dem üblichen Eigenlob, ein derartiges Projekt Hals über Kopf durchgeführt. Tausende Bäumchen wurden damals angepflanzt, und heute ist fast nichts mehr von dem gewünschten Schutzwald da. Man hatte nämlich die absolut erforderliche Pflege und Instandhaltung, ja sogar die sechs Jahre lang erforderliche Zuteilung pro Jahr von etwa 3000 Lei pro Hektar für diese Arbeiten an dem anfälligen Jungwald „vergessen“. Diesmal möchte man die alten Fehler nicht wiederholen: Die Stadt möchte eine Partnerschaft mit dem Forstlyzeum eingehen, die Schüler sollen sich im Praktikum um die Pflege und Instandhaltung des neuen Waldes kümmern.

Auch bei der Wahl des Baumguts gibt es viele Für und Wider: Die Wahl könnte diesmal nicht auf energetische Weiden fallen (Das Vorjahresprojekt  eines derartigen Jungwalds wird heute nur als Teilerfolg gewertet). Aristotel Vi]oiu, Leiter des Temeswarer Forst- und Jagdinspektrorats, macht sich da eher für andere einheimische, gut angepasste Baumsorten stark.

Die Begastadt verfügt derzeit über 510 Hektar Grünzone (einschließlich Privatgärten), die Stadtparks machen 117 Hektar aus. Größter Stadtpark ist das „Wäldchen“, Giroker Stadtviertel, mit 9,03 Hektar, gefolgt vom Botanischen Park (8,41 Hektar).

Der Jagdwald mit seiner Gesamtfläche von 736 Hektar ist heute neben dem Kewerescher Wald (1611 Hektar) der einzige Restwald in Stadtnähe geblieben. Der Wald wurde 1732 erstmals kartographisch erwähnt. Ab 1860 wurde er als Jagdrevier genutzt. Das Jagdschloss des Grafen Mercy wurde nach Plänen des Temeswarer Stadtarchitekten Lajos Szekely erbaut. Die 1885 gegründete Forstschule funktioniert derzeit als Forst-Schulgruppe. Obwohl von den waschechten Temeswarern schon längst als Innenwald angesehen (2012 wurde den Temeswarern auch das Recht eingeräumt, hier unbestraft Picknicks zu veranstalten), gehören eigentlich nur 50,5 Hektar der Stadt. Die restlichen 680 Hektar Wald gehören dem Staat und werden nach wie vor von Romsilva verwaltet. Aus dem Vorschlag der Ciuhandu-Stadtverwaltung, die Restfläche des Jagdwalds in Stadtbesitz zu bringen, dafür dem Staat im Tausch einen Wald von 700 Hektar von Criciova zu bieten, wurde leider nichts. Vor Kurzem entschied das Temescher Amtsgericht auch noch, daß die Stadt eine bewaldete Fläche von 43.480 Quadratmetern  an eine lokale HG verkaufen muss.

Die großen grünen Stadtpläne um den Jagdwald müssen Jahr für Jahr in die Zukunft geschoben werden. Dabei ist der Jagdwald längst nicht mehr das, was er sein sollte, allein die grüne Lunge der Stadt: Der Wald beherbergt mehr Freizeiteinrichtungen als Natur und als die Stadtparks u.a. Forstschule, Tiergarten, Banater Dorfmuseum, Motel, Gaststätten, Schwimmbad, Sportstätten und seit zwei Jahren auch zahlreiche Radpisten.   

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