„Ein Pfarrer ist ein Manager“

Andreas Hartig und seine Projekte in der Zeidner Kirchengemeinde

Donnerstag, 05. März 2015

Pfarrer Andreas Hartig an seinem Arbeitstisch

Was macht eigentlich ein Pfarrer den ganzen Tag lang? Viele denken, dass er nur sonntags arbeitet und an den anderen Tagen vielleicht seine Predigt vorbereitet. Nachdem wir Pfarrer Andreas Hartig in Zeiden besucht haben, erfuhren wir, wieviel ein Pfarrer eigentlich zu tun hat. Seine Tätigkeit reicht von Kinder-und Jugendarbeit über Projektanträge und Abrechnungen, bishin zum Religionsunterricht in der Schule und der Betreuung der Internetseite der Gemeinde. Sein Job ist spannend, herausfordernd und viel komplexer als man sich vorstellt. 

Es sind schon mehr als fünf Jahre her, dass Pfarrer Andreas Hartig die evangelische Gemeinde in Zeiden übernahm. Nach dem Studium der Theologie in Hermannstadt und Leipzig kam er im Herbst 2009 in die kleine Stadt am Fuße des Zeidner Berges. „Ich wurde ursprünglich vom Bischofsamt nach Sächsisch Regen/Reghin geschickt, aber eigentlich wollte ich in Hermannstadt bleiben, weil ich mich an die Stadt gewöhnt hatte und alle meine Freunde da waren. Dann habe ich erfahren, das eine Stelle in Zeiden frei ist. Die Gegend hat mir gefallen, besonders, weil sie nahe an Kronstadt ist. Am 1. September 2009 war mein erster Arbeitstag hier”. Der junge Pfarrer betreut seelsorgerisch auch die Gemeinde Heldsdorf.

430 Gemeindemitglieder

Die Zeidner evangelische Gemeinde zählt heute 430 Mitglieder und ist somit eine der größten im Land. In Heldsdorf, wo jeden 2. Sonntag Gottesdienste stattfinden, sind es 130 Gemeindemitglieder. Die meisten von ihnen stammen aus Mischehen. „Letztes Jahr waren im Durchschnitt 53 Gemeindemitglieder im Gottesdienst. Das ist über 10%“, meint Pfarrer Hartig. „Leider ist es eine überaltete Gemeinde, so wie es in den meisten Ortschaften der Fall ist“. In fünf Jahren hat Pfarrer Andreas Hartig 60 Leute beerdigt, 10 Paare getraut und 8 Kinder getauft. Viele der Gemeindemitglieder sind alt und krank und können nicht mehr in den Gottesdienst kommen. An sie wird aber auch gedacht. „Unser Projekt Essen auf Rädern richtet sich an alleinstehende und alte Gemeindemitglieder. Zurzeit werden 13 von ihnen mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Das Essen stammt aus der Kantine Magura und wird jeden zweiten Tag von unserer Küsterin Hedda Bardon ausgefahren“.

Um jeden zweiten Tag mit Essen versorgt zu werden, muss man einen Eigenbetrag in Wert von 80 Lei pro Monat zahlen. Und natürlich den Dienst beantragen. „Ich bin sicher, dass es viel mehr Leute gibt, die Essen auf Rädern brauchen würden. Manche sind aber zu stolz, um es zu beantragen“, meint der Pfarrer. In seiner Gemeinde gibt es viele Alleinstehende. Um ihnen zu helfen, mit den anderen in Kontakt zu bleiben, werden verschiedene Treffen organisiert. Einmal in der Woche findet im Gemeindesaal der Frauenkreis statt, an dem sich etwa 12 Frauen regelmäßig beteiligen. Hauptsächlich wird gestrickt. Die „Ergebnisse“ werden an den Basaren verkauft, die zu Ostern und Weihnachten stattfinden. Es gibt auch einen Männerkreis, der einmal in der Woche stattfindet und an dem sich auch Pfarrer Hartig beteiligt. „Es wird Wein getrunken, es wird über Politik geredet. Das letzte Mal habe ich über meine Reise nach New York und Washington berichtet, die letztes Jahr stattgefunden hat. Es ist sehr wichtig, dass sich die Leute treffen“, meint er.

Kinder-und Jugendarbeit

Man muss sich um die Gemeindemitglieder von klein auf kümmern. Deshalb ist für Pfarrer Hartig Kinder- und Jugendarbeit auch sehr wichtig. Parallel zum Hauptgottesdienst wird von  Carmina Vlădilă der Kindergottesdienst organisiert. „Es kommen im Durchschnitt 12 Kinder, zu Weihnachten waren es sogar 30“, sagt der Pfarrer. Er selbst kümmert sich um die Jugendlichen der Gemeinde. „Die Jugendstunde findet einmal in der Woche statt. Für jeden Abend versuche ich ein Thema zu finden. Die Themen wähle ich selber aus. Mal ist es ein Filmabend, mal ein Spaghetti-Abend. Manchmal kommt nur einer, manchmal niemand. Von den Aktionen sind sie aber begeistert“. Seit mehreren Jahren pflegt die Jugendgruppe der evangelischen Gemeinde Zeiden Partnerschaften mit ähnlichen Gruppen aus Deutschland, wie zum Beispiel aus Altenkirchen im Westerwald oder aus dem Oberen Havelland. Jeden Sommer findet ein Treffen statt. Es ist meistens ein Kleinbus mit 7-8 Leuten, der nach Deutschland fährt. „Vor drei Jahren waren die Deutschen hier und wurden in Wolkendorf untergebracht. Voriges Jahr waren wir dort und haben zusammen verschiedene Sachen unternommen: Kochen, Besuch des Gottesdienstes, Ausflüge“.

Ein anderes Projekt, für das sich die Jugendlichen begeistern, heißt „Offene Kirchenburg“. Während des Sommers haben sie dreisprachige Führungen durch die Kirchenburg Zeiden organisiert und dafür Taschengeld bekommen. Auch beim „Kirchentee“ machen sie gerne mit. Einmal im Monat wird von den jungen Gemeindemitgliedern Kaffee und Tee für die Besucher der Gottesdienste gekocht und anschließend verteilt. „Auch für den Weihnachtsbasar haben sie Lebkuchen gebacken und verkauft. Der Erlös geht ins Altenheim Blumenau in Kronstadt“.

Der Kirchenchor, dessen Proben jeden Freitag um 5 Uhr stattfinden, und der Flötenkurs, beide von Klaus Untsch geleitet, und die beiden Tanzgruppen, von Christine Vlădărean und Mihai Bârlea geleitet, sind weitere Projekte der Zeidner Gemeinde. Zur Zeit bereitet sich die Tanzgruppe für einen Auftritt beim Zeidner Treffen in Dinkelsbühl vor. „Zu der Zeidner Nachbarschaft gab es immer ein gutes Verhältnis. Bei der Zeidner Begegnung, die im Sommer 2014 hier stattgefunden hat, kamen über 200 Gäste. Zu diesem Anlass wurde die Prause-Orgel wieder eingeweiht. Das wäre ohne die finanzielle Hilfe der ausgewanderten Zeidner nie passiert“, sagt der Pfarrer.

Restaurierung der Kirche

Die Restaurierung der Zeidner Kirche, ein Gebäude aus dem 13.Jahrhundert,  ist zur Notwendigkeit geworden. „Der Bereich vor der Kirchenburg wird mit EU-Geldern aus einem Projekt der Stadt Zeiden neu gestaltet. Für die Sanierung der Kirche hat die Landeskirche ein EU-Projekt eingereicht, das die Restaurierung von 20 Kirchen vorsieht. Glücklicherweise gibt es keine statischen Probleme. Aber man müsste dringend die Feuchtigkeit aus den Wänden entfernen. Das Wasser ist der größte Feind, den man beseitigen muss. Auch muss man die elektrische Leitung auswechseln. Die jetztige stammt aus den 30er Jahren“, erklärt Hartig.

Im Winter finden die Gottesdienste in einem Gemeinderaum in der Kirchenburg statt, in den Sommermonaten in der Kirche. Die Kirche in Zeiden hat zur Zeit fünf Angestellte. Die Finanzierung kommt aus den Mieteinnahmen, Kirchensteuern und Spenden aus dem In-und Ausland. Die Kirchengemeinde hat eine eigene Internetseite und sogar eine Facebook-Seite. Beide werden von Pfarrer Andreas Hartig verwaltet. „Immer gibt es etwas zu erledigen. Das gefällt mir. Ein Pfarrer muss auch ein guter Manager sein“, meint der junge Pfarrer.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 13.03 2015, 22:29
der Pfarrer ist ein Manager, weil er relativ wenig Schäfchen und relativ viele Weiden zu verwalten hat (Kirchengebäude, Schulgebäude, Predigerhof, Lehrerhof, ehemaliger Kindergarten, Grundstücke, Kichenfwald und Felder). Auf die Seelsorge der sowieso wenigen Schäfchen vergessen die Pfarrer ob so viel managen leider manchmal ein bisschen. Wenigstens die Alten, die sowieso bald wegsterben, sollten ein Pfarrer regelmässig besuchen, mindestens ein Mal im Monat, besonders die, die nicht mehr in die Kirche kommen können.
johnny, 07.03 2015, 02:11
„Ein Pfarrer ist ein Manager“ -klar doch! Er muss seine Zeit sehr gut einplanen, zwischen den Reisen nach Deutschland, Urlaub und Ski.

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