Ein Pionier der Mineralwässer in Siebenbürgen

275 Jahre seit der Geburt von Lucas Wagner (1739 - 1789)

Freitag, 29. August 2014

Titelblatt der Dissertation von Lucas Wagner (offizielles Exemplar)

Titelblatt der Dissertation von Lucas Wagner (Buchhandelsausgabe)

Zu den Jubiläen des Jahres 2014 gehört auch der 275. Geburtstag des Kronstädter Arztes Lucas Wagner, der am 22. August 1739 als Sohn eines Lucas Wagner geboren wurde, der Name der Mutter ist unbekannt. Leider wissen wir nur wenig über sein Leben.
Im Jahre 1755 wurde er vom Rektor Johann Gottlieb Barth als „Novize“ in die Gymnasialmatrikel eingeschrieben. Im Jahre 1766 finden wir ihn als Student an der Medizinischen Fakultät in Wien eingetragen, wo er im Jahre 1773 den medizinischen Doktortitel erwarb. Anschließend „praktizierte (er) mit Glück in seiner Vaterstadt und starb daselbst am 20. November 1789“, wie sein erster Biograf, Joseph Trausch, schrieb.

Die Doktordissertation von Lucas Wagner hat den Titel „Dissertatio inauguralis medico-chemica de aquis medicatis Magni Principatus Transylvaniae“ (Medizinisch-chemische Inauguraldissertation über die medizinischen Wasser des Großfürstentums Siebenbürgen).
Wie Trausch schreibt, ist es die erste umfassende wissenschaftliche Abhandlung über die Mineralwässer Siebenbürgens. Es ist ein Büchlein im Oktavformat und hat 16 + 95 (96) Seiten und wurde beim Wiener Universitätsbuchdrucker Joseph Kurzböck gedruckt. Das Kronstädter Staatsarchiv und das Archiv der Honterusgemeinde besitzen je ein Exemplar dieses Büchleins.

Auf den ersten Seiten des Büchleins lesen wir eine schöne Widmung an den Freiherrn Samuel von Bruckenthal, der damals Kanzler der Siebenbürgischen Hofkanzlei in Wien war.
Es folgt ein Vorwort mit Dank an den Doktorvater des Verfassers, den Wiener Professor Johann Nepomuk Crantz und mit der Erwähnung der Ärzte Dr. Máttyus und Dr. Vásárhelyi, die schon früher siebenbürgische Mineralwässer untersucht hatten.

Die eigentliche Beschreibung beginnt mit den Sauerbrunnen von Arapatak/Araci und Hidvég/Hăghig im Weißenburger Komitat (heute im Kreis Covasna). Danach folgen die Sauerbrunnen aus den Komitaten Kolos, Hunyad, Kraszna, Zarand. Besonders viele Sauerbrunnen gab es in den Szeklerstühlen Oderhellen/Odorhei, Dreistühle/Trei-Scaune, Csik/Ciuc und Gyergyó/Gheorgheni. Aus dem Kronstädter Distrikt werden nur Tatrang und Zajzon/Zizin beschrieben. An vier Orten des Bistritzer Distriktes gab es Sauerbrunnen; im Mediascher Stuhl wird Baaßen/Bazna ausführlich dargestellt und im Repser Stuhl Streitfort/Mercheaşa und Reps/Rupea.
Im ganzen sind es 64 Orte, von denen Mineralwässer beschrieben werden, bei einigen von mehreren Quellen.

Von Dr. Máttyus wurden sieben Beschreibungen übernommen, von Dr. Vásárhelyi fünf, von Zágoni, Fridvalski und Professor Crantz je zwei.
Lucas Wagner selbst hat als erster untersucht die Quellen von Kászon, Tatrang und Baaßen. Bei Baaßen beschreibt Wagner das Badesalz, das Bittersalz und die Salzlake.

Unter den beschriebenen Mineralwässern sind manche auch heute noch bekannt und ausgebeutet, z. B. Geoagiu, Biborţeni, Bodoc, Covasna, Malnaş, Borsec, Zizin, Baaßen u.a.. Bei vielen wird als „Gründungsjahr” 1773 angegeben – das bedeutet eben die Dissertation von Lucas Wagner, obwohl die Quellen vielerorts schon seit viel länger bekannt waren.
So hat Lucas Wagner eine Pionierleistung erbracht, indem er einen der Reichtümer Siebenbürgens – die Mineralwässer – einem breiteren Publikum vorstellte. Später wurden dann auch andere Mineralquellen Siebenbürgens beschrieben; um manche entwickelten sich später wahre Heilbadeorte.
Heute sei das Andenken an Lucas Wagner wieder aufgefrischt von einem, der auf den Tag genau 200 Jahre später geboren wurde.

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