Ein Plädoyer für die unberührte Natur

„Das ungezähmte Rumänien“ birgt eine eindringliche Botschaft

Freitag, 11. Mai 2018

Oft haben die Filmemacher die Tiere nur nach langen Wartezeiten vor die Kamera bekommen. Auch für die Pelikane im Donaudelta mussten mehrere Versuche unternommen werden.

„Im Herzen Europas gibt es ein fabelhaftes natürliches Leben. Länder der Schönheit und der Wildnis, wo die Schicksale von den Jahreszeiten gemalt werden“. Mit diesen Worten beginnt der rumänische Schauspieler Victor Rebengiuc sein Plädoyer für die rumänische Fauna und Flora. „Das ungezähmte Rumänien“ (rumänisch „România neîmblânzită“) heißt, suggestiv, der Dokumentarfilm des britischen Filmhauses Off The Fence, der jetzt in den rumänischen Kinos läuft. Die Produktion des Films wurde von der französischen Supermarktkette Auchan Retail Rumänien und der Umwelt-NGO The European Nature Trust vermittelt – für die Regie zeichnet Tom Barton-Humphreys. Den Vertrieb in Rumänien übernahm Transilvania Film.

Der Dokumentarfilm erzählt keine Geschichte an sich, sondern stellt die Schönheit der Natur in einem Land vor, in dem diese teilweise noch unberührt geblieben ist. Filmliebhaber sollten von dem eher nicht so verlockenden Plakat wegschauen und sich trotzdem in die Kinos wagen, denn es lohnt sich. Die Bilder und Szenen, die der Film vermittelt, scheinen wie aus der Märchenwelt: Urwälder, Flüsse, die Donau und das Donaudelta, Pflanzen und Blumen, eine Tierwelt, die durch ihre Vielfalt überrascht. 90 Minuten lang führt der Film durch das „ungezähmte Rumänien“, durch die atemberaubenden Landschaften, die bei dem rumänischen Zuschauer schon ein gewisses Gefühl des Stolzes und der inneren Freude hervorrufen können. Langweilig wird es nicht, denn der Wechsel der Jahreszeiten sorgt für Dynamik. Spannende Momente wie zum Beispiel jener, als ein Wolfsrudel eine Wildsau angreift, oder auch, als zwei Gamsböcke einander drohen, sind in die eher ruhige Erzählstruktur eingebettet. Zwölf Monate haben die Arbeiten an dem Film gedauert, das Filmteam legte über 80.000 Kilometer zurück und filmte an über 18 Orten in Rumänien, darunter im Nationalpark Königstein/Piatra Craiului, im Fogarascher Gebirge, im Nationalpark Cozia, in Histria, im Donaudelta, in den Westkarpaten, in Deutschweißkirch/Viscri, am Eisernen Tor, u. a.

Die rumänische Fauna wird dem Zuschauer vor Augen geführt: Von den Tieren der Heide bis hin zu jenen Lebewesen, die hoch oben, im Gebirge, leben, von der Vielfalt der Fischwelt bis zu jener der Vogelwelt im Donaudelta ist alles dabei. Besonders rührend sind die Momente, wo die kleinsten Kreaturen eine grandiose Show bieten, wie zum Beispiel die winzigen Wasserschmetterlinge (rum. „efemeride“ oder „floarea apei“ - Wasserblume) im Marosch-Tal, die an einem einzigen Tag zum Leben erwachen, um nur einige Stunden später – nachdem die Show abgelaufen ist – wieder zu sterben. Luchs, Wolf, Wildschwein, Braunbär, die wilden Pferde aus dem Letea-Wald, Wasserschlangen und Fische, Gämsen, Wisente, Adler – die Tierwelt Rumäniens wird in ihrer gesamten Vielfalt vorgestellt. Einige Tiere vermisst der rumänische Zuschauer trotzdem: Die Wildkatze, der Auerhahn und die Trappe kommen in dem Film nicht vor. Auch vom geschützten Edelweiß in den Karpaten fehlt jede Spur.

„Das ungezähmte Rumänien“ ist ein Film für Groß und Klein. Kinder unter 5 mögen sich ein bisschen langweilen, für Vorschulkinder ist die lehrreiche Natur-Doku aber äußerst empfehlenswert. Interessant: Die besonders blutigen oder gewaltsamen Szenen, die die Natur manchmal bietet, fehlen, aber das Naturgesetz „Fressen und gefressen werden“ kommt trotzdem zur Geltung. Aus dem Dokumentarfilm können schließlich alle lernen, denn der Film vermittelt eine eindringliche Botschaft, die erst zum Schluss deutlich wird: „Das sind die Schätze, die wir besitzen, es liegt an uns, sie zu pflegen und zu wahren“. Ebenfalls am Ende des Films werden auch weniger schöne Szenen gezeigt: vermüllte Lichtungen, abgeholzte Wälder – die Katastrophe, für die einzig und allein der Mensch verantwortlich ist. Eine weitere Aussage, die zum Nachdenken anregt, lautet etwa so: „Die Natur ist uns nichts schuldig, sie verdankt uns nichts – aber wir Menschen haben ihr alles zu verdanken“.

Gerade Stadtmenschen, die es eher selten in die Natur zieht, sollten sich den Film anschauen und anschließend vor Ort überprüfen, ob die Bilder, die „Das ungezähmte Rumänien“ zeigt, tatsächlich der Wirklichkeit entsprechen. Rumänien-Kenner wissen es sowieso: Das Land birgt tatsächlich atemberaubende Schönheiten, die man bewundern, doch nicht antasten sollte. Damit sich auch die Nachfahren daran erfreuen können.

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