Ein Sammler und Wissenschaftler

Der Volkskundler Horst Klusch wurde Ehrenbürger von Hermannstadt

Samstag, 07. September 2013

Horst Klusch und Bürgermeister Klaus Johannis lauschten den Wortmeldungen zahlreicher Teilnehmer an der Ehrenbürgerschaftsverleihung.
Foto: Hannelore Baier

Hermannstadt - Die Ehrenbürgerschaft von Hermannstadt/Sibiu wurde Horst Klusch am Donnerstag in feierlichem Rahmen im Rathaus verliehen. Der Zeitpunkt kam nicht von ungefähr: Am Wochenende findet zum 47. Mal der Töpfermarkt in Hermannstadt/Sibiu statt, den der Volkskundler und Fachmann für siebenbürgische Keramik initiiert und 25 Jahre lang organisiert hat. Den Töpfermarkt exportierte er auch nach Deutschland und Österreich: seit 1980 gibt es einen solchen in Diessen am Ammersee und seit 2000 in Klagenfurt. Diese langlebigste Kulturveranstaltung Hermannstadts ist jedoch nur eines der zahlreichen Verdienste von Horst Klusch aus ganz unterschiedlichen Bereichen, wie den zahlreichen Wortmeldungen zu entnehmen war, die der Überreichung von Ehrenurkunde und symbolischem Schlüssel der Stadt durch Bürgermeister Klaus Johannis folgten.

Horst Klusch, Jahrgang 1927 und dennoch aktiv und kreativ, war Chemiefachlehrer bevor er 1971 Referent für Museumsfachfragen beim Hermannstädter Kreiskomitee für Kultur wurde, wo er bis 1987 wirkte. Während seiner Lehrertätigkeit in Rätsch/Reciu im Kreis Alba begann er nach dem Vorbild von Pfarrer Ludwig Klaster siebenbürgische Volkskunst aller ethnischen Gemeinschaften zu sammeln und sich als Autodidakt im Bereich der Keramik fortzubilden. Eine repräsentative Auswahl seiner immensen Kollektion war im Frühjahr dieses Jahres im Schatzkästlein zu sehen. Klusch hat 1966 den Arbeitskreis der Keramiksammler in Hermannstadt gegründet, wurde zwei Jahre später Mitglied in einem Arbeitskreis für die Erforschung europäischer Keramik mit Sitz in Regensburg und nahm an 30 der 45 von diesem Gremium organisierten internationalen Fachtagungen teil, von denen er zwei – 1980 und 2006 – in Hermannstadt organisierte. 2004 wurde er vom rumänischen Kulturministerium als Fachmann für Fragen der siebenbürgisch-sächsischen Ethnografie akkreditiert.

Die Sammlertätigkeit und somit Rettung wertvollen Kulturgutes ergänzte Horst Klusch durch das Verfassen und Veröffentlichen einer Reihe von Fachpublikationen. Dazu gehören ein Band über die Siebenbürgische Töpferkunst aus drei Jahrhunderten (1980), jener über die Siebenbürgische Goldschmiedekunst (1988 und 2012 in überarbeiteter Form neu aufgelegt) oder jener über die Volkskunde der Siebenbürger Sachsen (2003), aber auch ein Buch zur Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen. Für sein vielseitiges Wirken wurde er 2007 mit dem Hans-Christian und Dr. Beatrix Habermann-Preis der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung ausgezeichnet.

Er habe der Versuchung widerstanden auszureisen und Hermannstadt nur verlassen, um im Ausland über die Stadt und ihre Schönheiten zu sprechen, sagte der Gewürdigte in seinen Dankesworten. Er ging darin auf das Wahrwerden eines Traumes ein: die Verwirklichung des Freilichtmuseums im Jungen Wald, zu dem er beitragen konnte. Die Einrichtung gehört dem Astra-Museums-Komplex an, dem er auch 25 Jahre nach seiner Pensionierung treu geblieben ist. Er sei ein Perpetuum mobile, das viel Seele einbringt in alles was er tut, meinte einer der Redner über Klusch. 

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