Ein seltenes Foto aus der Deportationszeit

Ankunft arbeitsunfähiger Heimkehrer in der Ostzone 1946

Freitag, 17. Januar 2014

Wie auf dem untenstehenden Bild oder noch schlimmer sahen 1946 kranke, arbeitsunfähige Heimkehrer aus der Deportation in die Sowjetunion aus. Aber sie hatten das Schwierigste überstanden. Aus den ersten Jahren der im Januar 1945 erfolgten Deportation gibt es nur ganz selten Fotos.
Zu sehen ist hier eine Gruppe nach der Ankunft über Frankfurt/Oder in einem Übergangslager. Das Bild zeigt entlassene Zwangsarbeiter nach der Quarantäne-Zwischenstation bei der Ankunft in Wurzen bei Dresden im Herbst 1946: Vorne sitzend von links zwei Jugoslawiendeutsche und drei Banaterinnen, die Jahrmarkterinnen Katharina Lukas/Germann (geborene Retter, 2.12.1921, aus der Hinnerreih), Susanna Müller/Solanek (geborene Howacker, 7.09.1918), Katharina Mutsch/Barth (geborene Mutsch, 6.08.1923, Neugasse); stehend: Franz Junginger (geb. am 12.12.1900, aus der Jahrmarkter Lothringer Gasse), ein Mädchen aus Temeswar, Georg Ferch aus der Jahrmarkter Altgasse (geb. am 3.09.1899), und drei Freidorfer.

Zunächst kamen die in die Sowjetzone verschlagenen Deportierten kurz in Durchgangslager, z. B. Neuwiesen oder Elsterhorst. Von Oktober 1945 bis Anfang 1948 war Elsterhorst Durchgangs-, Quarantäne- und Umsiedlerlager für heimkehrende deutsche Soldaten, Zwangsarbeiter und Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. Am 31. März 1948 wurde das Lager aufgelöst. Die beiden Durchgangslager liegen in der Nähe von Hoyerswerda. In der Stadt Wurzen oder in Altbernsdorf, Morizburg u. a. verbrachten auch weitere Gruppen entlassener Zwangsarbeiter den Winter 1946-1947. Im Frühjahr schlossen sich Landsleute oft nach Ortschaften zusammen und machten sich auf den Heimweg über unterschiedliche Routen, meist aber alle in Richtung Wien und von dort – mit oder ohne Vorsprachen bei rumänischen Stellen – über Ungarn nach Rumänien. Für sehr viele war die Grenzüberschreitung illegal, sie tauchte später als Straftat in Führungszeugnissen auf. Schlimmer noch: Es herrschte Schießbefehl und es wurde von rumänischen Grenzern auch geschossen, beispielsweise auf eine Gruppe aus Bakowa mit Todesfolgen.

Die Geschichte der Heimkehr ist bisher, weil für die meisten die schwierigste Zeit vorbei war oder schien, noch ungenügend erforscht, wie auch das Tabu-Thema mitgebrachte Kinder. Von den namentlich Bekannten auf dem Foto lebt keiner mehr. Nur Katharina Barth, aus deren Besitz wohl das Foto stammt, hat einiges aus ihren Erlebnissen und über ihren schweren Arbeitsunfall aufgeschrieben.

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