Ein Sommerkonzert im Burzenland

Tagebuch zu „Musica Barcensis“

Donnerstag, 23. August 2012

Cristina und ich auf der Empore in Weidenbach. Foto: privat

Anfang Juni. Steffen Schlandt lädt Cristina Radu und mich ein, im Rahmen von „Musica Barcensis“ ein Konzert zu geben. Mein Gefühl: ein klein bisschen burzenländerischer Lokalstolz. Wir entscheiden uns „einstimmig“ für Weidenbach, wo die schöne Orgel von Johannes Prause (1786) auf uns wartet.
Ende Juni. Dokumentation. Wir erfahren im Internet, dass die Orgel 1848 von Karl Schneider erweitert, 1908 von Karl Einschenk repariert und 2008 von der Honigberger Orgelwerkstatt restauriert wurde.

Anfang Juli. Wir fragen Steffen, ob ein bestimmtes Repertoire bevorzugt wird, worauf er antwortet „Im Prinzip keine Operette.“ Ich stelle mir kurz vor: Cristina könnte eventuell als Gräfin Maritza auf der Empore tanzen, das Publikum im Orgel-Csardas-Rhythmus über die Bänke springen. Das wäre wohl erst recht einen Artikel wert! Um das Chaos zu vermeiden, wählt Cristina aus ihrem Repertoire Stücke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert (Stradella, Vivaldi, Purcell, Gounod u. a.), ich nehme für Orgel solo (natürlich) Bach.

Mitte Juli. Als Solostück kommt noch eine „Fantasie“ von Martin Schneider hinzu: Er war gebürtiger Weidenbacher (Jahrgang 1748), hat die Kronstädter Musikgeschichte geprägt und war der Großvater des Karl Schneider, der die Orgel repariert hat. Zudem jährt sich sein Todestag heuer zum 200. Mal.

31.Juli. Steffen sagt mir, dass in Weidenbach ein beschwipster Elektriker auf die Pfeifen der Orgel gefallen ist und alles kaputt gemacht hat. So ein Schnaps! Zum Glück konnte alles repariert werden.
5. August. Wir denken an das Motto „Ars longa, vita brevis“ und wollen das Konzert der verstorbenen Pianistin Mihaela Ursuleasa widmen.

7. August. Erste Probe mit Cristina. Hier mehr Tempo, da ruhiger, sei nicht so zackig, geht hier ein crescendo?, atmest du hier oder drüben? usw. usf.
14. August. Vierstündige Probe in Weidenbach. Die Orgel hat leider einige Heuler (das ist ein „Fachwort“ für sonderbare Töne, die aus Eigeninitiative losheulen und nur von Orgel-Fachleuten beruhigt werden können). Paul Cristian ist so ein Fachmann und kommt dankenswerterweise sofort nach Weidenbach. Drei Minuten Schnipselei an den Ventilen und schon sind die Heuler weg.

16. August. Da Steffen mit dem Chor verreist ist, hole ich die Programmzettel in der Schwarzen Kirche selber ab. Ein Kirchenmitarbeiter sperrt mir die Tür zur Empore auf, wo die Zettel warten, ich betrete die Empore und löse  – ta-na-naaaa – den Alarm aus. Ergebnis: der Pförtner lacht mich aus, die fünfzig tauben Touristen schauen mir böse nach.

16. August abends. Cristina schlägt vor, dass wir auch eine „Ave Maria“ ins Programm aufnehmen, weil diese Woche Mariä Himmelfahrt war.
18. August. Konzert. Die Orgelwerkstatt hat in den vergangenen zwei Tagen an der Orgel gezaubert. Zudem ist Smaranda, „die wahrscheinlich beste Registrantin der Stadt“, auch dabei. Wir haben ziemlich viel Publikum. Die wunderbare Stimmung, die strahlenden Klänge der Orgel und die Akustik mit der Cristina ganz im Einklang singt – das Konzert ist eine Freude! Happy end.

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