Ein starker Wille kann Berge versetzen

In der Schulerau findet ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Natur statt

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Oft unterschätzen wir unsere eigenen Möglichkeiten; daraus ergibt sich die Tatsache, dass die Fähigkeiten unserer Mitmenschen nicht richtig eingestuft werden, in positiver sowie negativer Richtung.
Schon öfter wurde meine Aufmerksamkeit auf das Großprojekt „Modernisierung der Skipisten und Transportanlagen in der Schulerau und auf dem Schuler“ gelenkt. Große Tafeln am Straßenrand kündigen den Bau von 20 Kilometer neuer Pisten an, ein Skifahrer stürzt sich den Hang hinunter.

In der Presse wurden wir auch darauf aufmerksam gemacht, zuletzt in der ADZ vom 30. 11. 2011 mit dem Beitrag „Termin der Winterfestspiele 2013 steht fest“. Die „Karpatenrundschau“ veröffentlichte in diesem Herbst die Artikelserie „Die Schulerau bei Kronstadt“ von Uwe Grün, welche sich hauptsächlich mit der Entwicklung im Lauf der Jahrhunderte befasst.
Zu meiner Dokumentation nahm ich das „Kronstädter Heimat- und Wanderbuch“ von Heinrich Wachner zur Hand. Da werden Schulerau und Schuler als beliebtes Ausflugsziel der Kronstädter dargestellt. Bei den älteren Kronstädtern war auch die Bezeichnung Pojana für die Schulerau geläufig. Die Bilder im Anhang des Buches zeigen eine vertraute Landschaft, unbebaute Hochwiesen. Als erste Phase der wirtschaftlichen Nutzung möchte ich die Villen, welche Ende der 30er-Jahre gebaut wurden, erwähnen.

Es folgten die Nachkriegsjahre, als 1951 in der Schulerau die IX. Internationalen Universitäts-Winterspiele stattfanden. Die erste Sesselbahn wurde damals in Betrieb genommen, neue Pisten wurden angelegt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Schulerau damals Poiana Stalin benannt wurde. Ein riesiges Bild des geliebten Führers prangte an einer Bretterwand, die auf dem Hügel aufgebaut war, wo heute das Hotel „Alpin“ steht. In jenen Jahren hieß dieser Ort im Volksmund „Idiotenhügel“, da hier angeblich nur Idioten Ski fuhren. Um eine Zeit wurde das Bild abgebaut (oder, wenn meine Erinnerung stimmt, vom Sturm umgelegt).
Dann folgte die Entwicklung von Schulerau und Schuler zum internationalen Skigebiet „in den schneesicheren Karpaten“. Bis 1990 stand bereits ein Großteil der heutigen Hotelanlagen, zwei Kabinenbahnen, Sessellift und einfachere Transportanlagen inbegriffen.

Eine Explosion der Entwicklung dieses Gebietes folgte in den Jahren nach 1990. Erst ein paar diskrete Villen, doch heute ist das Gebiet der Schulerau fast verbaut. Alles, was Rang und Namen (und auch das Geld) hat, besitzt hier seine Villa oder auch sein Hotel. Neue Straßen sind entstanden: Poiana Ruia, Poiana Soarelui... Hier weht ein neuer Frühlingswind. So müsste die richtige Bezeichnung für die Schulerau „Poiana Primăverii“ lauten…

Zur jüngsten Entwicklung des Skigebietes: Dieses soll den anspruchsvollsten Normen gerecht werden – breite Pisten, entsprechende Transportanlagen, künstliche Beschneiung, Wasserspeicher auf der Rujawiese, neue Pistengeräte. Schwere Baumaschinen und sogar Hubschrauber waren im Einsatz. Wie oben angedeutet, sollen hier im Februar 2013 Wettbewerbe im Rahmen des Olympischen Festivals der Europäischen Jugend (Winterausgabe) abgehalten werden. Somit ist der kommende Winter 2012 das Probejahr, welches zeigen muss, ob die Vorlagen des Projektes erfüllt wurden.

Vergangene Tage machte ich einen Kurzbesuch am Ort des Geschehens. Noch fehlt der Schnee, alles ist grau in grau. Aus dem Fenster der Kabinenbahn machte ich mir ein Bild dieses Großprojektes. Es sind Berge versetzt worden, ein Netz von Zufahrtswegen ist am Nordhang des Schulers entstanden, neue Pisten wurden gebaut. Vom ehemaligen Wald sind ein paar Inseln übrig geblieben. Falls der Sturm die restlichen Tannen umlegt, können diese mit Leichtigkeit durch Plastikbäume ersetzt werden. Dass noch eine Reihe von Arbeiten durchzuführen ist, kann niemand bestreiten. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Natur. Geld kann wohl einiges lösen, aber nicht alles.

Vielleicht ist meine Stellungnahme eine Anregung für einen Besuch dieses neuen Disneylandes. Sie merken: Schulerau und Schuler haben eine große Vergangenheit hinter und eine ebensolche Zukunft vor sich.

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