Ein starkes, erweitertes Europa, das die Krisen bewältigt

Ehrendoktortitel für José Manuel Durão Barroso, den ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission

Donnerstag, 04. Februar 2016

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso, der dieses Amt zwischen 2004 und 2014 bekleidete, während seiner Rede in der Aula Magna der West-Universität Temeswar
Foto: die Verfasserin

„Ich bin traurig, wenn ich die Meinung einiger Spezialisten höre, dass sich Europa im Verfall befinde und dass der Höhepunkt der EU in den 1970er Jahren erreicht wurde. Diese Spezialisten denken an das kleine Europa, heute haben wir eine Europäische Union der 28 Mitglieder. Erst seit der Osterweiterung ‘atmet die EU wieder mit beiden Lungenflügeln’, so wie das Papst Johannes Paul II. umrissen hatte“. Als entschiedener Europäer, als ein Befürworter der Osterweiterung und eines starken Europas, in dem alle Staaten – ob klein oder groß, ob arm oder reich – Mitspracherecht haben, als ein Verfechter der Idee der europäischen Solidarität, so präsentierte sich José Manuel Durão Barroso, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, am vergangenen Freitag in Temeswar, als er die Ehrendoktorwürde der West-Universität Temeswar entgegennahm. Seine beflügelte Rede, in der er für das große Europa und die Rolle der osteuropäischen Staaten, darunter auch Rumänien, plädierte, hatte das Publikum in der Aula Magna zum lebhaften Applaus bewegt. Und nicht wenige waren nach dem Diskurs der Meinung: „Barroso – ein vollkommener Redner!“.

Auf die Verbundenheit Rumäniens mit Portugal hat Prof. Dr. Dan Negrescu in der Laudatio hingewiesen, auf alte Beziehungen, die aus der Zeit des Römischen Reiches stammen. Die Gemeinsamkeiten aus der jüngsten Vergangenheit unterstrich der aus Portugal stammende Ex-Präsident der EU-Kommission: „Als Portugiese verstehe ich, was es bedeutet, aus einem autoritären Regime zu kommen. Ich selber habe den Fall des autoritären Regimes 1974 in Portugal erlebt, war damals 18 Jahre alt und kann mich an die Erfahrungen, die mein Land gemacht hat, erinnern. Ich weiß, wie wichtig es ist, ein demokratisches Regime aufzubauen. Es war schwierig für Rumänien und Portugal, der EU beizutreten. Bitte betrachtet mich als einen Freund Rumäniens, für das ich viel Sympathie entgegenbringe, da ich viele Ähnlichkeiten mit Portugal sehe. Die EU ist für die Mitgliedstaaten für die Konsolidierung der Demokratie, für die Herstellung der wirtschaftlichen Prosperität und für soziale und kulturelle Entwicklung wichtig“.

„In Krisen geschmiedet“

José Manuel Durão Barroso, der nach dem Beenden seiner zweiten Amtsperiode ans Katheder zurückgekehrt ist und seitdem an der Universität Princeton in den USA wirkt, aber auch in Lissabon und Genf, unterstrich die Bedeutung und den Einfluss der EU auch für den akademischen Bereich: „Ich merke, dass Temeswar und auch die Universität hier einen wichtigen Erneuerungsprozess durchmachen, auch dank der EU-Fonds. Viele Politiker sprechen über Bildung und Kultur, ich meine es auch, wenn ich darüber rede. Davon spricht die Tatsache, dass die Fonds, die für Bildung ausgegeben werden, vergrößert wurden. Bildung handelt von der Entwicklung der Menschen. Ich glaube, die Zukunft Europas liegt in der Innovation, in der Wissenschaft, in den Universitäten“. Als entschiedenen Europäer, der Vertrauen in die Zukunft der EU hat, zeigte sich José Manuel Durão Barroso, der sich über die kursierenden Klischees über den Verfall der europäischen Konstruktion verärgert zeigte: „Eine meiner Studentinnen in Princeton hat auf Google nach Einträgen über die Krise und die EU gesucht. Es kamen über eine Million Einträge zusammen“. Und lachend setzt er hinzu: „So bin ich ein Experte in der Krise geworden“. Natürlich, gab er zu, gibt es immer wieder Krisen: „Geopolitischer Natur wie die auf der Krim, soziale und Wirtschaftskrisen, beispiellose finanzielle Krisen. Aber viele haben wir auch schon zusammen bewältigt. Und die Leute, die ab 2009 jedes Jahr den Grexit vorausgesagt haben, haben sich getäuscht, Griechenland ist weiterhin Mitglied der EU. Auch die Spezialisten, die die Implosion der Eurozone vorausgesagt haben, haben sich getäuscht.

Dafür haben wir jetzt eine starke, stabile, zuverlässige Währung. Wir haben auf jeden Fall eine große finanzielle Krise durchgemacht. Auch Rumänien hat damals schwierige Momente mitgemacht. Aber einige der Staaten, die damals unter den Schirm kamen, so Irland, sind hervorgekommen und gehören heute zu den Staaten in Europa mit dem schnellsten Wachstum. Die EU-Staaten befinden sich nicht mehr in der Rezession, es gibt ein gewisses Wachstum. Europa hat als Antwort auf die Krise einen Stabilitätsmechanismus, eine Art Internationalen Währungsfonds für Europa, aufgebaut. Wir haben die Krise genutzt, um neue Institutionen zu gründen und die Integration zu erweitern. Ich bin optimistisch, weil ich nichts von dem intellektuellen Glamour des Pessimismus halte, sondern weil ich die Phänomene analysiere und die Dinge in Perspektive sehe. Überhaupt ist Europa eine Kultur des Kompromisses, so verzögert sich manchmal die Entscheidungsbildung, bei der schrittweise vorgegangen wird. Seit 2004 hat sich die EU von der Anzahl der Mitgliedstaaten her verdoppelt“. So antwortete José Manuel Durão Barroso jenen Euroskeptikern, deren Worte seit einigen Jahren oft die Zeitungsseiten und die politischen Diskurse füllen. Und die leider immer öfter anzutreffenden Euroskeptiker und Politiker, die dem Diskurs des Populismus und Nationalismus sowie der Xenophobie verfallen sind, bilden, wie das der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission erklärte, ein Phänomen, das sich allerdings nicht auf Europa beschränkt. Er erinnerte an Jean Monnets Worte: „Europa wird in Krisen geschmiedet!“ hatte dieser Gründervater der EU gesagt.

Solidarität, Rechte und Pflichten

Wichtig ist, nach Meinung des überzeugten Europäers, die Proportionen zu wahren, und das Gesamtbild im Auge zu behalten, dann sieht man nämlich, dass „die eigentliche Krise in Syrien, nicht in Europa ist. Ich würde meine Probleme nicht mit ihren (der Flüchtlinge – Anm. der Red.) tauschen wollen. Man muss realistisch sein, Solidarität und Hilfe in der Not sollen mit Verantwortungsbewusstsein gepaart werden, das bedeutet auch Kampf gegen Schleusernetzwerke sowie den Aufbau von starken Außengrenzen“. José Manuel Durão Barroso plädierte für die Aufnahme der Flüchtlinge, wobei er der Ansicht der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel beipflichtete und deren „prinzipielle Haltung“ lobte. Er setzte sich für die Festlegung der Aufnahmequoten für jeden Mitgliedstaat ein: „Es ist an der Zeit, dass die neuen Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen gegenüber der EU halten, die Solidarität mit unterstützen. Wir alle haben Rechte und Pflichten in der EU“. Was die Stacheldrahtzäune innerhalb Europas betrifft, formulierte Barroso ein klares Nein, dafür aber stärkere Außengrenzen: „Vor ein paar Jahren noch hatte Frontex nicht mehr als 60 Mitarbeiter. Damit kommt man nicht zurecht“. Rumäniens Beitritt zum Schengener Abkommen würde für das Land auch mehr Verantwortung bedeuten: „Ich bin schon zu meiner Amtszeit der Meinung gewesen, dass Rumänien auf Schengen vorbereitet war. Ich vertrete immer noch dieselbe Meinung und glaube, dass durch die Aufnahme Rumäniens die Sicherheit in der EU gestärkt werden würde“.
Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Temeswar war auch der rumänische Premierminister Dacian Cioloş, der das Amt des Kommissars für Landwirtschaft in der zweiten Barroso-Kommission bekleidet hat, anwesend.

Kommentare zu diesem Artikel

Ottmar, 10.02 2016, 13:18
@neuer aus arad: Das bestätigt mir dass fast zu 100% Meine Einschätzung. Fast alle Rumänien sind Schmarotzer . Betrügen Abzocken können sie, soziales teilen ist ein Fremdwort für Rumänen. Danke für deinen Kommentar. Der bestätigt nur meine Einschätzung über Rumänen. Was wäre mit den 800 000 Rumänen seit 1989 in Deutschland geworden wenn wir Bayern auch so gedacht hätten, denn Bayern war das Erstaufnahmeland für Rumänen nach der Revolution 1989.
einer aus neuarad, 09.02 2016, 17:53
An Ottmar: die "Lösungen mit sozialem Ansatz" kannst du mit deinem Geld bezahlen. Oder bist du Politiker und hast Zugriff auf das Geld anderer Leute?
Tourist, 09.02 2016, 15:23
Barroso war als junger Erwachsener Maoist, also links von der damals ohnehin linken Revolutionsregierung nach der Nelkenrevolution von 1974, und hat seit damals ein gespaltenes Verhältnis zur Realität. Alle diese Leute, die in den 1970ern und frühern 1980ern (vor Gründung der Grünen Partei) bei irgendwelchen K-Gruppen waren (in D. etwa Joschka Fischer, Trittin, Claudia Roth, etc.) kann ich leider nicht mehr ernst nehmen. Auf der bürgerlichen Seite wird ja auch kein ehemaliger Neonazi-Bomberjacken-Schläger plötzlich Parteichef einer bürgerlichen Volkspartei, wieso ist das auf der linken Seite des Politspektrums möglich? Bei diesen Leuten steht die Ideologie immer über der Realität. Was nicht ist wie es mir gefällt, das denke ich mir schön, auch wenn es keinen Sinn ergibt. Hauptsache ich muss meine Ideologie nicht ändern.
Norbert, 07.02 2016, 21:28
Das kann ich als Deutscher aus Deutschland unterschreiben,das das politische Europa ,seinen Höhepunkt in den 70Jahren hatte.Obwohl ich selbst da noch Kind war. es ist heute ein Faktum in Deutschland ,das man große Fehler gemacht hat,indem man einige Länder..darunter befindet sich Rumänien ..aufgenommen hat in die EU..Es gibt in Deutschland eine große Ubereinstimmung in der Bevölkerung ...das man Rumänien aufgenommen hat. Politisch und ökonomisch...ein Desaster...Deswegen hat die deutsche Kanzlerin ..auch einen neuen Weg beschrieben...Den Weg der mehreren Geschwindigkeiten ..in der EU..Sie nennt dies jetzt Club der Willigen..Die die wollen ...können mitmachen..und die die nicht wollen ...brauchen nicht.Es wird für die deutsche Bevölkerung langsam langweilig..den Bettelstaaten Geld zu geben ..mit dem sie sich die Säckel vollmachen..und politisch und ökonomisch fast nix hinkriegen...Aber in die Hose scheißen vor Angst..wenn sie einen Flüchtling aus Syrien aufnehmen sollen.Wobei der Syrer dort gar nicht hinwill.Was ist das beschämend in einem solchen Land zu wohnen ..wo noch nicht mal ein Mensch hinwill der mit dem Tod bedroht ist..Deswegen verlassen seit 1990 Millionen dieses Kakaland,,weil sie sich schämen aus diesem politischen Nichtskönner Land zu kommen...Aber die Rumänen haben das erkannt.. und handeln danach..sie verringern sich jedes Jahr um ein paar Hunderttausend Menschen..bis die Romas die Mehrheit haben..dann ist das Problem gelöst.Wenn die Rumänische Politik einen Arsch in der Hose hätte,,würden sie sich schämen und in die Wüste Gobi ziehen..Hier in Europa kann man politisch nix mit ihnen anfangen...Die klugen Rumänen gehen in alle Herren Länder und kriegen dies tag täglich zun spüren..was sie für eine koruppte politische Nichtskönner Bande haben..die Rumänen (die klugen Rumänen ..haben Recht)
Maria, 05.02 2016, 14:45
Ottmar, "Maria deine AFD...." die Partei ist nicht mein Eigentum. Seien Sie "mutig" u. beschweren sich direkt bei Petry u. von Storch. Mich wundert nicht, wer in Ihren Augen zu Gewalt aufruft. Bei Ihnen gibt's die Bösen nur Richtung Osten. Ansonsten aber immer fein auf Gutmensch u. "Welcome" machen. Ihre Floskel-Aussage: "...Politiker bzw. Bürger aus Bayern Baden,-Württemberg.. suchen Lösungen mit sozialem Ansatz.". Auf wen oder was beziehen Sie das konkret??? Allerdings geht's hier nicht alleinig um Problemlösungen in "D", sondern um Barrosos Äußerungen zum starken erweiterten Europa. Da bleibe ich dabei, dass genannte Krisen gar nicht oder unbefriedigt gelöst sind.
Ottmar, 05.02 2016, 12:55
Maria deine AFD hat ja jetzt bereits eine Lösung parat. Laut AFD-Vorsitzende Petrie und AFD-Vize Frau Storch sollen Grenzsoldaten angewiesen werden alle Mütter von Kindern zu erschiessen welche illegal die Grenzen zum Schengen Raum übertreten. Die Kinder verhungern dann oder werden versklavt, dann ist das Asylantenproblem mit AFD –Ansätzen zum grössten schon gelöst.
Also Barroso hat doch recht. Was mir aber in der Diskussion in Deutschland auffällt. Kriminelle und Lügendemonstrationen machen fast nur Ex- Ostzonenbürger (Pedida,Legida9 , Russlanddeutsche der zweiten Generation, Rumänen Deutsche der zweiten Generation sowie zweite Weltkriegs-Flüchtlinge aus Rumänien Jugoslawien Polen… Sie alle rufen zu Gewalt gegen Kriegsflüchtlinge auf bzw. brennen Flüchtlingunterkünfte nieder. . Wohingegen Politiker bzw. Bürger aus Bayern Baden,-Württemberg.. suchen Lösungen mit sozialem Ansatz.
Maria, 04.02 2016, 19:59
Laut Barroso ist/ arbeitet die EU ganz toll und meistert alle Krisen. Schön wärs! Was er von sich gibt, ist wohl eher seine EU-Träumerei.
Welche Krisen sollen denn schon bewältigt sein?
Griechenland hinkt doch von einem Hilfspaket zum Nächsten u. wird von Geldgebern unter Druck gesetzt. Die Lasten hat das Volk zu tragen. Aktuell ist dort Generalstreik.
Finanzkrise weiter gehts mit Eurokrise alles bewältigt, ach tatsächlich???
Das Gerede ernst zu nehmen - dann kann man auch glauben, dass Märchen wahr werden oder auf Tatsachen beruhen.
Ottmar, 04.02 2016, 17:27
Pflicht in der EU ist für Rumänen ein Fremdwort. Diese Aussage kann sich Barroso sparen

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