„Ein Versuch, Energien zu bündeln“

Gespräch mit Staatssekretär Lucian Vărşăndan

Mittwoch, 25. Mai 2016

Foto: DSTT

Er ist gespannt auf das Tätigkeitsfeld, das auf ihn wartet, er ist sich aber auch dessen bewusst, dass viel Arbeit auf ihn zukommen wird: Der Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar, Lucian Vărşăndan, ist neuer Staatssekretär im rumänischen Kulturministerium. „Vor viel Arbeit hatte ich mich auch in der Vergangenheit nicht gescheut und jetzt tue ist das auch nicht“, betont Lucian Vărşăndan, der seit 2007  DSTT-Intendant ist. Sein Posten in Temeswar soll nach seinem Wechsel nach Bukarest von einem interimistischen Leiter besetzt werden. Über seine Befugnisse im Kulturministerium und seine Erwartungen an sein neues Amt sprach mit ihm Raluca Nelepcu.

 

Was nehmen Sie sich für Ihre neue Amtszeit vor?

Ich erwarte jetzt den Ministerialbeschluss, wodurch meine Befugnisse durch Kulturministerin Corina Şuteu festgelegt werden. Die Gespräche mit Frau Ministerin Şuteu haben mich schließen lassen, dass ich mich hauptsächlich mit dem Betrieb der Einrichtungen im Bereich „Darstellende Künste“ befassen werde. Es wird aber gewiss auch andere Aufgaben geben. Wenn es um das Funktionieren der Kultureinrichtungen im Bereich „Darstellende Künste“ geht, dann nehme ich mir vor, zur Optimierung der Gesetzeslage bezüglich dieser Einrichtungen beizutragen. Es ist bekannt, dass das Ministerium seit einigen Monaten schon von einer sogenannten Reform im Bereich der Einrichtungen dieser Art spricht. Krisensituationen wie jüngst jene der Bukarester Nationaloper haben gezeigt, dass es eine große Notwendigkeit gibt, das System zu optimieren. Dazu gehören sämtliche Initiativen, wobei ich einige schon als Theaterintendant dem Kulturministerium in der Vergangenheit unterbreitet habe. Ich nehme mir schon vor, einiges, was diese Optimierung betrifft, voranzutreiben.

 

Als Intendant des DSTT haben Sie das Deutsche Theater in eine von der Kritik viel beachteten Richtung gelenkt. Was halten Sie für Ihre wichtigste Leistung als DSTT-Intendant?

Wenn ich das zu einem Begriff summieren kann, dann würde ich sagen, die Stärkung des Ensembles. Wir haben heutzutage mit einem viel beachteten Ensemble am Theater zu tun. Das DSTT ist landesweit eine geschätzte Einrichtung, man spricht positiv über das Theater, aber ich denke, das alles kreist um die wichtigste Leistung, nämlich die Stärkung des Ensembles. Dass man weiß, am DSTT hat man die Möglichkeiten und man ist in der Lage, gutes Theater zu leisten. Das macht das Theater attraktiv für wichtige Künstler, für Künstler, die nicht egal wo arbeiten, für Künstler, die lange umworben werden müssen, um überhaupt an ein Haus zu kommen. Es ist mittlerweile selbstverständlich für das DSTT, dass man auf gleicher Augenhöhe mit Theatergrößen aus dem In- und Ausland kommuniziert, was eine Anerkennung für die Leistung meiner Kollegen ist.

 

Wie groß war der Verschleiß an Mitarbeitern während Ihrer Zeit als Intendant gewesen?

Das Problem der Mitarbeiter ist am Theater kein einfaches. Das größte damit verbundene Problem ist jenes der Bezahlung. Ich habe jüngst eine Statistik im Hinblick auf die neuen Diskussionen über eine bevorstehenden Eilverordnung der Regierung zur Aufstockung der Gehälter im öffentlichen Dienst gesehen. Diese Statistik zeigt, dass der Kulturbereich einer jener Bereiche ist, wo es die kleinsten Durchschnittsgehälter aus dem gesamten öffentlichen Dienst gibt. Zum anderen ist der Kulturbereich, was die Gesamtausgaben im Personalwesen des öffentlichen Dienstes betrifft, einer der kleinsten. Nur 2  Prozent aller Gehaltsausgaben des öffentlichen Dienstes gehen an die Kultur. Damit verbunden das Problem, dass manchmal Kollegen abgehen. Es kommen neue hinzu, die man einarbeiten muss, was eine Investition ist, von der man nie weiß, wie lang sie hält, denn manchmal gehen auch diese Kollegen wieder. Es gab diesen Verschleiß in einzelnen Bereichen der Verwaltung des Theaters, glücklicher Weise nicht in wesentlichem Maße im Ensemblebereich. Selbstverständlich ist das eine Lücke, die schwer nachzufüllen ist, wenn ein Schauspieler wie Georg Peetz aus persönlichen Gründen sich nach elf Jahren in Rumänien entscheidet, in seine Heimat zurückzukehren. Auf der anderen Seite muss man – gerade im Ensemblebereich – die Sache etwas flexibler sehen. Wir leben heutzutage in einer Zeit, wo man kreuz und quer durch Europa reisen kann, wo man sich absprechen kann, wo man Künstler gegebenenfalls, wenn es den großen Bedarf gibt, einfliegen lassen kann. Im Hinblick auf das Ensemble, denke ich, dass wir eine Stabilität erreicht haben. Man bräuchte mehr Spieler, das ist klar, und ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren auch positiv ändert. Die bis zu fünf neue Kollegen, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind, haben sich in größtem Maße schon bewährt.

 

Wie sehen Sie den Rücktritt des ADR-Leiters Sorin Maxim nach nur einigen Monaten Bukarest?

Ich kann mich zum Rücktritt von Herrn Maxim gar nicht äußern. Wir haben uns noch vor seinem Wechsel nach Bukarest in seiner Eigenschaft als Direktor von ADR Vest einige Male getroffen, bei Gesprächen, wo es um EU-Gelder ging. Meiner Meinung nach ist er ein sehr guter Fachmann in seinem Bereich. Warum er aus Bukarest zurückgekehrt ist, weiß ich nicht, und ich kann seine Entscheidung in keinster Weise kommentieren.


Werden Sie der Kulturministerin Bedingungen stellen, um Ihre Pläne durchboxen zu können bzw. haben Sie das bereits getan?

Nein, weil ich nicht glaube, dass es in dieser Situation, in der wir uns jetzt befinden, wo es so großen Nachholbedarf gibt, richtig wäre, harte Fronten spielen zu lassen. Da geht es, denke ich, nicht um Machtpositionen, sondern in erster Linie um einen Versuch, Energien zu bündeln, von sämtlichen Akteuren der Kulturszene rumänienweit, und wo man gemeinsam schaut, wie bringt man diesen Bereich zumindest um einige Schritte voran. Ich denke, dass die harschen Töne weniger in eine vernünftige Diskussion, die uns alle interessiert, hineingehören. Mir ist es viel wichtiger, auch zusammen und mit Unterstützung der Ministerin diese Kontakte und diese Zusammenarbeit unter allen Beteiligten an diesen Diskussionen zu stärken, sodass wir aus diesem Miteinander die – so gut es geht – besten oder bestmöglichen Varianten zu suchen, um das zu erreichen, was wir in dieser sehr kurzen Zeit machen können.

 

 

 

 

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