Ein wichtiges Bindeglied zwischen den Mitgliedern der HOG

Neue Ausgaben der Publikationen der Heimatortsgemeinschaften erschienen (VI)

Samstag, 24. Februar 2018

Eine sehr wichtige Rolle im Leben der siebenbürgisch-sächsischen Heimatortsgemeinschaften in Deutschland haben deren Publikationen, die als Bindeglied zwischen deren Mitgliedern, aber auch zu den Heimatorten dienen. Nicht alle derartigen Nachbarschaften, denn das sind schließlich und endlich die gegründeten HOGs, veröffentlichen aber eigene Publikationen, die meistens auch auf Tradition der vor dem Zweiten Weltkrieg da bestehenden Blättern, Boten, Briefen oder wie sich sonst nannten, bauen und in Deutschland wieder aufgenommen wurden. Diese werden auch an die Herkunftsorte geschickt was der gegenseitigen Information zwischen hier und drüben bestens dient. Die sieben Regionalgruppen der siebenbürgische-sächsischen Heimatortsgemeinschaften haben sich 1997 zum Verband der HOGs zusammengeschlossen, dem seit dem Vorjahr nun Ilse Welther als Vorsitzende vorsteht. Seit 1993 rezensiert die „Karpatenrundschau“ die von den Burzenländer Heimatortsgemeinschaften in Deutschland veröffentlichten Publikationen, die uns regelmäßig zugeschickt werden. Auch haben diese im Lauf der Jahre einen Wandel erfahren was Inhalt, Druck, Gestaltung betrifft.

Aus den anderen Heimatortsgemeinschaften treffen in unserer Redaktion seit zwei Jahren nur vereinzelte Publikationen aus den Regionalgruppen Repser- und Fogarascher Land bzw. Schäßburger Raum ein. Wir bleiben offen auch für andere Publikationen, um diese vorzustellen. Dabei handelt es sich nicht darum, qualitative Einschätzungen zu machen, sondern deren Bekanntheitsgrad zu erweitern. Besonders zu schätzen ist die ehrenamtliche Arbeit der Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften, der mit der Redaktion der jeweiligen Publikation beauftragten Personen, meist Vorstandsmitglieder bei der Gestaltung und Redaktion dieser Blätter. In unserer vorigen Ausgabe stellten wir die drei HOG-Blätter aus der Regionalgruppe Repser- und Fogarascher Land vor, die bei uns ankamen: „Felmerer Nachrichten“, „Deutschweißkircher Bote“ und „Katzendorfer Bote“. Falls keine weiteren Heimatpublikationen in unserer Redaktion eintreffen, schließen wir diese Folge in der heutigen Ausgabe mit den „Roder Nachrichten“ und den „Schäßburger Nachrichten“ dieser beiden Heimatortsgemeinschaften, die der Regionalgruppe Schäßburger Raum zugehören.

„Roder Nachrichten“(Ausgabe 2017)

Mit einem reichen Inhalt und zahlreichen ansprechenden Bildinformationen überrascht die Publikation der HOG Rode in Deutschland ihre Leser. In seinem einleitenden Grußwort dankt deren Vorsitzender Hans Karl Bell dem Vorstand, allen Teilnehmern die sich an dem Sachsentreffen in Hermannstadt im Vorjahr beteiligten, diesem „einmaligen Ereignis“. Anlässlich dieser weltweiten Veranstaltung fand auch das Jubiläumstreffen in Rode statt, an dem sich 250 Roder und Freunde beteiligt haben. In mehreren Berichten gehen Teilnehmer an diesen beiden Festveranstaltungen darauf ein, bieten Erinnerungen und äußern ihren Dank den Organisatoren.

Gerda Knall erinnert sich an die zwei Orte, ihrem Heimatdorf und Hermannstadt, wo sie viel fürs Leben lernte, Adelheid Roth berichtet über das Heimattreffen in Rode, über das vielseitige Programm, das dabei geboten wurde, Karla Thiele schreibt ihre Impressionen ihrer Reise durch Siebenbürgen nieder, Horst Schuller bietet gereimt seine Reiseeindrücke, Astrid Huber-Krestel, begeistert von dem Heimattreffen, hat sich mit ihrer Familie September 2017 als Mitglieder in die Roder Heimatortsgemeinschaft eingeschrieben, Karline Folkendt, Mitglied der Siebenbürgischen Jugendtanzgruppe Nürnberg schreibt ihre Eindrücke und die ihrer Tanzkollegen nieder. Gedanken zu seiner Siebenbürgenreise hält Pfarrer Thomas Kohl fest, der zum zweiten Mal die Heimat der Menschen bereisen durfte, „mit denen ich während meiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer in Giebelstadt bei Würzburg viele gute Erfahrungen machen durfte. Sein Interesse wurde seit seinen ersten Begegnungen 2011 mit Siebenbürger Sachsen geweckt, hat sich in der Fachlektüre über diese dokumentiert. Bei dem 2017 stattgefundenen Treffen, war er dabei und hielt die Festpredigt zu diesem Anlass.

Das Roder Brauchtum ist Thema mehrerer Beiträge. Adelheid Roth bezieht sich auf den Jahreswechsel, wie dieser da gefeiert wurde. Andreas Bürger bezieht sich auf die Palmweiden bzw. das Einholen des Maibaumes, Ilse Bell schreibt über die Traditionen die bei Konfirmationen eingehalten wurden. Walter Schuller dokumentiert einige Volksbräuche aus der Gemeinde wie das Ohrfeigen zur Gedächtnisstärkung, das Ohrläppchenziehen zum Geburtstag, den Hasen fangen u.a.Gegen diese Jahrhunderte alten Bräuche könnte heute eine Kinderschutzorganisation vielleicht Einspruch erheben. Martin Hedrich stellt die Hochzeitstruhe vor. Susanne Bell stellt die vor 10 Jahren gegründete Stiftung vor die den Namen ihres verstorbenen Ehegatten trägt. Gedanken an den ehemaligen Pfarrer Rudolf Meltzer, und Erinnerungen an Martin Feifer, langjähriger Obmann der Dorfgemeinschaft Rode vergegenwärtigen zwei der verstorbenen Roder Persönlichkeiten.

Einladungen zum Roder Trachtenseminar am 17. März 2018 in Ingolstadt, zum Roder Treffen am 15. September l.J. runden diese vielseitige, reichhaltige Ausgabe ab.

„Schäßburger Nachrichten“ (Folge 48, Dezember 2017, 24. Jahrgang)

Unter dem Titel „Kontraste, Kulturen, Konfessionen“ nimmt Pfarrer Hans Bruno Fröhlich eine eingehende Analyse, ausgehend von der Geschichte bis zur Gegenwart, nicht nur auf Schäßurg bezogen, sondern auch auf die allgemeine politische Lage, Wandel in den unterschiedlichen Lebensbereichen im Lande ausgehend von dem europäischen Kontext vor, mit der er als Festrede am 12. Oktober in Dinkelsbühl anlässlich des 10. Jahrestages der Städtepartnerschaft zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg die Aufmerksamkeit der Teilnehmer bannte. Das Referat wird einleitend zu dieser 70 Seiten umfassenden Ausgabe geboten, in der es viele Bezüge zur Geschichte von Schäßburg, zu kulturellen und aktuellen Ereignissen gibt. Die gebotenen Materialien und Dokumentationen sind sehr aufschlussreich, nicht nur für die Leser mit Schäßburger Wurzeln.

Hermann Theil, Vorsitzender der Schäßburger Heimatortsgemeinschaft in Deutschland, bietet anschließend eine Nachlese zum 67. Heimattag in Dinkelsbühl. Anschließend ist das Interview von Nina May mit Dr. Bernd Fabritius, Präsident des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Präsident des Bundes der Vertriebenen, das in der ADZ vom 2. Juli 2017 erschienen ist, nachzulesen. In einem Aufruf von Dr. Bernd Fabritius, der ebenfalls in dieser Ausgabe zu lesen ist, betont dieser, dass „unser Verband mit jedem neuen Mitglied stärker und leistungsfähiger wird. Gewinnen auch Sie eines – oder am besten zwei. Lassen Sie uns gemeinsam werben, damit unsere Gemeinschaft wieder wächst“. Auch Hans Gärtner, bis Herbst noch Vorsitzender des Verbands der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, betonte in dem von ihm gezeichneten Aufruf: „Jeder Siebenbürger Sachse sollte Mitglied in seiner HOG und Mitglied im Verband der Siebenbürger Sachsen sein. Lasst uns heute und jetzt gemeinsam die siebenbürgischen Werte und Identität erhalten und weitergeben, in ein paar Jahren liegt diese Verantwortung bei unseren Kindern, aber nur, wenn wir die Voraussetzung dafür schaffen“.

In einer Zeittafel werden die historischen Gedenktage von Schäßburg im Jahr 2018 in Erinnerung gebracht. Heuer erfüllen sich u.a. 820 Jahre seit der Gründung der Stadt, die älteste Grabplatte der Bergkirche wird 500 Jahre, vor 450 Jahren wurde der Neubau des Kirchturms abgeschlossen, vor 350 Jahren wurde die 52 Zentner schwere Glocke auf den Kirchturm gezogen, vor 235 Jahren besuchte Kaiser Joseph II. Schäßburg, vor 150 Jahren wurde der Männerturnverein gegründet, vor 125 Jahren starb Michael Albert, vor 25 Jahren wurde die Heimatortsgemeinschaft Schäßburg gegründet. In einer weiteren Zeittafel werden wichtige Daten zur Geschichte Siebenbürgens geboten.

Um im geschichtlichen Bereich zu bleiben, bietet Erika Schneider einen Rückblick auf das Brukenthaljahr 2017 in dem 200 Jahre seit der Eröffnung des Museums, das den Namen des Barons trägt, begangen wurde. Rolf Binder nimmt eine Würdigung von Georg Daniel Teutsch anläßlich seines 200. Geburtstages vor (12. Dezember 1817 – 2. Juli 1893). Dipl.Ing. Georg Hügel bezieht sich in seinem Rückblick auf die Ableitung des Schaaserbaches, die er als Jahrhundertbauwerk bezeichnet. Rolf Binder bezieht sich auf die Turmknopfschrift von 1770 und die Geschichte ihrer Entdeckung. Er ist auch „Auf den Spuren eines Dominikaners“, dem ehrwürdigen Magister Nicasius in Wolkendorf, der 1505 gestorben ist, nachgegangen.

Zu erwähnen sind die guten Berichte zu aktuellen Ereignissen. Ernst Leonhardt berichtet über das Sachsentreffen im August in Hermannstadt, eine Veranstaltung die er als „grandios, gut organisiert...sehr beeindruckend“ bezeichnet. Einsicht wird in das ProEtnica-Fest in Schäßburg, das ebenfalls im August stattfand, auf die zweite Konzertwoche der „Acadamia Sighi{oara“ geboten, ergänzt durch „Kurznachrichten aus Schäßburg, Siebenbürgen, Rumänien und der weiten Welt“. Nachgedruckt wird der Text von Dr. Heinz Günther Hüsch, der die Persönlichkeit des im Vorjahr verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Kohl würdigt. Aufschlußreich ist der Vortrag von Konsulent Manfred Schuller beim Verbandstag der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften im Oktober in Bad Kissingen über die Siebenbürger Sachsen der dritten Generation in Österreich. Erika Schneider bezieht sich auf die Kulturwoche Haferland im Repser Gebiet, die laut ihrer Meinung „mittlerweile zu einer wichtigen Plattform kultureller Begegnungen geworden ist, die nicht allein viele Siebenbürger Sachsen in den Sommermonaten in ihre Heimatdörfer lockt, sondern auch insgesamt für viele Touristen von großem Interesse ist, lässt sie doch Bräuche und kulturelles Erbe in ihrer traditionellen Kulturlandschaft aufleben und die Aufmerksamkeit auf sich lenken“.

Die Autorin bietet auch einige Aufklärungen bezüglich des Begriffs Haferland, das als Region in Südsiebenbürgen, vom Harbachtal bis zum Alt und Repser Gebiet laut Nachschlagwerken definiert ist. Luise Stephani führt die Reisenden über Siebenbürgen in die Naturschutzgebiete der Dobrudscha. Julius Henning bezieht sich auf Ausflugsziele der Schäßburger. Ursula Schenker stellt den in Schäßburg geborenen Diplomschauspieler und Regisseur Raimund Binder vor, der mit dem Theaterpreis „Skulptur und Urkunde“ in Wiehl ausgezeichnet wurde. Weitere Berichte von Treffen und Begegnungen, die Ankündigung des diesjährigen Schäßburger Treffens, das am 6. - 7. Oktober 2018 in der Schranne in Dinkelsbühl stattfindet, die Glückwünsche an die Jubilare, ergänzen bestens diese alle Leser ansprechende Ausgabe der „Schäßburger Nachrichten“

(Schluss)

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