Ein Wochenende in der Familie

Ehemalige Lenau-Schüler trafen sich in Temeswar

Mittwoch, 10. Juni 2015

Familienversammlung im AMG-Haus: Lenau-Schüler von überall her kamen zusammen.

Die Elsa-Lucia-Kappler-Preise überreichte der Enkel von Elsa Lucia Kappler, Christoph Kappler. Ioana Berariu aus der zwölften Klasse wurde ausgezeichnet.
Fotos: Zoltán Pázmány

Sie sind stolz auf ihre ehemalige Schule und das haben sie am vergangenen Wochenende auch gezeigt: Fast 200 Leute von überall her kamen nach Temeswar/Timişoara, um sich an dem Treffen der Absolventen der Nikolaus-Lenau-Schule zu beteiligen. Veranstaltet wurde das Treffen vom Verein der Freunde der Lenau-Schule, der sich seit 2008 für die Unterstützung der Lenau-Schule einsetzt. 

 

Mit Volksmusik und einer Vorführung der Hänschenklein-Tanzgruppe wurde das große Lenautreffen im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus offiziell eröffnet. Im Festsaal hatten sich zahlreiche Schüler, Absolventen, Lehrer und Freunde des deutschen Nikolaus-Lenau-Lyzeums eingefunden. Es war bereits das zweite Mal, dass das Lenau-Treffen in Temeswar organisiert wurde, nachdem 2010 erstmalig ein solches Ereignis in der Stadt an der Bega stattgefunden hatte. Die Mehrheit der Teilnehmer, etwa 75 Prozent, kam aus Deutschland, dazu gab es welche aus Rumänien, Österreich, Frankreich und sogar den USA. „Wenn man die Kollegen wiedertrifft, wenn man redet, spürt man, dass man wirklich eine große Familie ist, dass man zusammenhält. Es ist einfach schön“, sagte Franz Quint, der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Lenauschule. Die Festrede hielt die Mathematiklehrerin und langjährige Schulleiterin Barbara Bonfert.

Zum Festakt im AMG-Haus waren auch der deutsche Botschafter in Bukarest, Werner Hans Lauk, der deutsche Konsul in Temeswar, Rolf Maruhn, der Direktor der Europäischen Schule Karlsruhe, Tom Hoyem, der ehemalige Bürgermeister von Temeswar, Gheorghe Ciuhandu, aber auch der Abgeordnete der deutschen Minderheit im Parlament Rumäniens, Ovidiu Ganţ, gekommen. Zwar wollte er die festliche Atmosphäre nicht trüben, dennoch hob der Abgeordnete Ganţ einige Probleme hervor, mit denen sich die deutsche Schule aktuell auseinandersetzt. „Ich freue mich immer wieder, da zu sein, allerdings ist die Lage der Schule im Moment besorgniserregend. Einerseits haben wir Probleme mit den Räumlichkeiten und der Neubau hat noch nicht angefangen. Die Renovierungsarbeiten am alten Gebäude sind bei weitem nicht fertig. Lehrermangel herrscht überall im deutschsprachigen Schulsystem und Lehrbücher gibt es keine, weil der rumänische Staat durch das Bildungsministerium nicht imstande ist, sie zu produzieren“, sagte Ovidiu Ganţ. Dennoch überbrachte der Abgeordnete auch eine positive Nachricht. Er erwähnte, dass der deutsche Bundestag 750.000 Euro für eine zusätzliche Prämie für Lehrer, die in deutscher Sprache unterrichten, genehmigt hat. „Wir führen gerade Verhandlungen, dass die deutsche Spezialabteilung wieder zweizügig wird“, ließ Ovidiu Ganţ erkennen.

Einerseits sind Deutsch sprechende Lehrkräfte immer schwerer zu finden, andererseits steigt das Interesse für die Temeswarer deutsche Schule. Schon vor Jahren, als die ersten Absolventen nach Deutschland zogen, brachte ihnen die Ausbildung, die sie an der Lenau-Schule erhalten hatten, viel. „Ich war der erste Aussiedler aus Rumänien in Siegen, der dort Abitur gemacht hat. Ich war auch der erste Rumäniendeutsche in Bonn, der zwei Germanistik-Examen hatte. Das Fundament wurde eigentlich in Rumänien gelegt. Es gibt kaum jemanden, der in Deutschland oder in Amerika gescheitert ist“, sagte der Vorsitzende des deutsch-rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad, Manfred Engelmann, der nach Abschluss der zehnten Klasse nach Deutschland gezogen war.

Die meisten Lenau-Absolventen brachten es zu erfolgreichen Karrieren – sei es in Deutschland, Rumänien oder in anderen Ländern. Man erinnere sich da nur an zwei Namen: „Herta Müller“ und „Stefan Hell“, beide Nobelpreisträger und Absolventen der deutschen Nikolaus-Lenau-Schule. Heute sind die meisten Schüler rumänischstämmig. „Heute leben wir nicht mehr, wie in früheren Zeiten, in einem Nur-Rumänien, Nur-Deutschland oder Nur-Frankreich. Wo wir heute hinschauen, strengt sich jeder an, einen Weg nach Europa zu finden. Und einen Weg nach Europa zu finden, kommt nur durch die Gemeinsamkeit. Die heutigen Absolventen, die aus rumänischen und ungarischen Familien, und nur manche aus deutschen Familien stammen, werden sich irgendwann, irgendwo treffen – sei es im Beruf, sei es politisch, um an diesem Europa mitzuarbeiten“, sagte der Ehrenvorsitzende des Vereins, Günter Kappler, der seit 2009 jährlich den Elsa-Lucia-Kappler-Preis stiftet.

Der Elsa-Lucia-Kappler-Preis wurde während des Festaktes an Schüler mit sehr guten Leistungen im Fach Deutsch verliehen. In der zehnten Klasse erhielt den Elsa-Lucia-Kappler-Preis Dominique Heidenfelder, auf Platz zwei und drei befanden sich Alexandra Nesici und Tudor Popoiu. In der zwölften Klasse wurde Ioana Berariu mit dem Preis bedacht, gefolgt von Oxana Grossek auf Platz zwei und Miruna Popa auf Platz drei. Der Elsa-Lucia-Kappler-Preis trägt den Namen von Günter Kapplers Mutter, die Lehrerin an der Lenau-Schule gewesen ist. Das Preisgeld beträgt 1300 Euro im Jahr – davon gehen 500 Euro an die Schule und 800 Euro an die Schüler.

Dass die Lenau-Schüler nicht nur lernen, sondern auch künstlerisch begabt sind, das bewiesen sie beim diesjährigen Lenau-Treffen. Sie sangen, tanzten und spielten Theater – zum Genuss der Teilnehmer, die sie mit ihrem Applaus belohnten. Das Lenau-Treffen war eine gute Gelegenheit, sich mit ehemaligen Schulkollegen und Lehrern auszutauschen, zu lachen, zu tanzen, Spaß zu haben, aber auch nachzudenken, wie das eine oder andere Problem der Schule gemeinsam gelöst werden könnte. Genau so, wie man es in einer großen Familie auch tut.

 

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 14.06 2015, 09:58
Mist wird verbreitet, den kein Rumäne akzeptieren sollte, der ein Patriot ist: „Heute leben wir nicht mehr, wie in früheren Zeiten, in einem Nur-Rumänien, Nur-Deutschland oder Nur-Frankreich. Wo wir heute hinschauen, strengt sich jeder an, einen Weg nach Europa zu finden. "
Falsche Aussage... eines SPDlers oder Linken aus Westeuropa.

Nicht zuletzt ist die Unterstützung Pontas durch ebendiese SPDler und Linken aus dem Westen für Rumänien seit 1990 nur schädlich, und hat Korruption und Armut über uns gebracht!
Die Mehrheit der Bürger Europas will sowas nicht: den uniformen, uniformierten Bürger Europas ohne Tradition, Identität und Nationalität, der blind den gierig-korrupten EU-Politikern ins Verderben aller Völker Europas folgt... siehe Entwicklung der EU in den letzten 8 Jahren.

Dabei war vorher von einer EU der Regionen die Rede, in denen auch kleine Völker und Minderheiten mit ihrer Sprache, Tradition, Kultur bewahrt und in ihren Rechten respektiert werden sollten...
Nun ist nur noch von einem Europa der uniformen Bürger die Rede...
Erinnert an die totalitäre Politik kommunistischer Politiker... aus Stalinismus, Maoismus und nun eben SPD-ismus.

Die Rumänen sollten aufhören, solchen den falschen Weg zeigenden Parolen ohne Widerspruch und Widerstand zuzuhören.
Diese gehören nicht nach Rumänien.
Die Linken aus dem Westen, die ihren Kommunismus nur aus dem Cafe kennen, und keinen Tag Realkommunismus erlebt haben, können sich ihre Parolen daheim umsetzen.
Nicht bei uns!!!

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