Eindringliche Blicke aus dunklen Gesichtern

Heute letzter Tag der Fotoausstellung des Kosovo-Albaners Artan Korenica

Freitag, 01. Februar 2013

Schau nicht von oben auf mich herab, denn wir sind alle gleich, lautet die Botschaft der Fotoausstellung des jungen Kosovo-Albaners Artan Korenica.
Foto: George Dumitriu

Ihre Blicke treffen dich von unten. Doch du siehst nicht auf sie herab, sondern direkt durch sie hindurch, in sie hinein, manchmal bis auf den Grund. Vorbei an den Bartstoppeln, den Ringen unter den Augen, der grobporigen Nase, den Furchen in ledergegerbten Wangen. Hinter so manchem alten Menschen schimmert immer noch ein Kind hervor. In so manchem Kind erkennen wir eine uralte Seele. Sie sind so verschieden wie Tag und Nacht, und doch sind alle gleich – wie wir.

„Schau nicht von oben auf mich herab“, bitten die nichtsdestotrotz in Kniehöhe angebrachten Fotografien der gleichnamigen Ausstellung von Artan Korenica im Bukarester Bauernmuseum, die nur nach einer Woche heute schon schließt. Was will der junge Mann mit der langen Mähne und dem sanften Lächeln damit sagen?

Das Schlüsselerlebnis für den Fotografen und Filmemacher aus dem Kosovo war der Satz eines schwarzen Freundes in New York: „Du musst Gott jeden Tag dafür danken, dass deine Haut weiß ist!“ Für den Weißen sei selbstverständlich, wofür der Schwarze täglich kämpfen müsse. Er könne arbeiten, wo er wolle, leben, wo er wolle, essen, wo er wolle. Artan Korenica dachte an zu Hause. An den Balkan. An die Roma, die Ashkali, die Kosovo-Ägypter.

Zuerst reagierten die Menschen hinter der Linse misstrauisch, lächelt der Fotograf. Es war nicht immer einfach, sie zu überzeugen. Doch die Botschaft, die dahinter steckt, taute sie auf. „Schau mich einfach an“, wiederholte er immer wieder auf seinen Reisen 2011 durch Albanien, Montenegro, Mazedonien und das Kosovo.

Das Ergebnis – ein Saal voller eindringlicher Blicke. Aus dem Kosovo reisten sie nach Rumänien und nun weiter nach Griechenland, die Schweiz, Montenegro, New York: der mystische Mann mit den Katzenaugen, in dessen Pupillenschlitz sich tatsächlich der Fotograf widerspiegelt; der traurige kleine Junge, die lächelnde alte Frau – so fremd, und doch so eigentümlich vertraut. Unverhohlen sehen sie uns ins Gesicht – und wir müssen den Blick nicht abwenden, ein wenig peinlich berührt, wie sonst, auf der Straße...

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