Eine andere Art von Museum

Wiedereröffnung des Museums der Kunstsammlungen in Bukarest

Sonntag, 09. Juni 2013

Im Museum der Kunstsammlungen ist ein großer Schatz an Meisterwerken von Nicolae Grigorescu, Nicolae Tonitza, Theodor Aman und vielen anderen Künstlern zu entdecken.

Seit wenigen Tagen ist das Museum der Kunstsammlungen (Muzeul Colecţiilor de Artă) in der Calea Victoriei 111, das im Jahre 2009 gänzlich geschlossen worden war, wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Museum ist in einem großen Palast, bestehend aus einem Haupt- und zwei Seitenflügeln, untergebracht, mit dessen Bau der Bojar Faca im Jahre 1812 begonnen hatte und den der Kämmerer Grigore Romanit, der dann auch zum Namensgeber des Palastes wurde, nach Facas Tod vollendete.

Das Museumsgebäude wurde mit Hilfe eines Kredits der Entwicklungsbank des Europarates in den letzten Jahren umfassend renoviert und in seiner architektonischen Statik gründlich konsolidiert. Außerdem wurden bedeutende Stücke aus den Beständen des Museums der Kunstsammlungen, das als eine Teilsektion des Bukarester Nationalen Kunstmuseums verwaltet wird, sorgfältig restauriert. Das 1978 eingeweihte Museum erstrahlt nun wieder in altem und neuem Glanz und kann täglich (außer donnerstags und freitags) von 11 bis 19 Uhr besucht werden.

Das Museum der Kunstsammlungen ist, wie die Konservatorin und Sektionschefin Daniela Dragomir bei der Pressekonferenz aus Anlass der Wiedereröffnung betonte, „eine andere Art von Museum“. Bei der Präsentation seiner Exponate lässt es sich nämlich weder von chronologischen, geografischen, thematischen, gattungsbezogenen, materialspezifischen oder ähnlichen Gesichtspunkten leiten, sondern folgt allein dem Prinzip der Geschlossenheit der in ihm vertretenen Sammlungen. 34 Kunstsammlungen, das heißt längst nicht alle der im Besitz des Museums befindlichen Kollektionen, werden derzeit auf vier Ebenen des Romanit-Palastes ausgestellt. Eine hervorragende Beschriftung der einzelnen Exponate, ein übersichtlicher Museumsplan, detaillierte Erläuterungen, die in einigen Museumssälen zusätzlich bereitliegen, schließlich ein ausführlicher, soeben erschienener Museumskatalog sorgen für umfassende Informationsmöglichkeiten des interessierten Besuchers.

Die im Museum der Kunstsammlungen gezeigten Kollektionen sind von unterschiedlicher Größe und sind, beginnend mit dem Jahr 1927, den Sammlungen des Nationalen Kunstmuseums zu unterschiedlichen Zeiten eingegliedert worden. Einige Sammlungen, wie die Sammlung des Bukarester Violinprofessors Garabet Avachian (1907-1967), umfassen über 1000 Einzelstücke, andere noch umfänglichere, wie die Sammlung Elena und Anastase Simu, stellen gleichsam ein Museum im Museum dar und lassen die Bukarester Museumslandschaft von einst – das Museum Simu wurde 1910 gegründet und ein halbes Jahrhundert später abgerissen – partiell wiedererstehen. Manche Sammlungen, wie die Kollektion Ion Pas, kommen mit einem Ausstellungsraum aus, andere, wie die Sammlung der Geschwister Béatrice und Hrandt Avakian, nehmen eine ganze Reihe von Museumssälen in Anspruch.

Viele der im Romanit-Palast ausgestellten Sammlungen befinden sich bereits seit Jahrzehnten im Besitz des Nationalen Kunstmuseums, andere, wie die Sammlung Corneliu Baba, sind erst jüngst in dessen Bestände überführt wurden. Der Fall der Kunstsammlerfamilie Dona, die in der Eltern-, Tochter- und Enkelgeneration jeweils eine Schenkung (1950, 1980 und 1989) vollzogen hat, macht deutlich, dass der Besitzerwechsel von privater Person zu staatlicher Institution mitunter heikle Probleme in sich birgt. Vor wenigen Jahren wurde nämlich die Sammlung der Tochter Maria Dona den rechtmäßigen Besitzern per Gerichtsbeschluss wieder zurückerstattet, da die Schenkung seinerzeit nicht freiwillig erfolgt war. Noch einige weitere Sammlungen könnten dasselbe Schicksal erleiden. Es ist zu hoffen, dass das Museum der Kunstsammlungen sich dieser Probleme mit dem gebotenen Aufklärungswillen und der nötigen Transparenz annimmt.

Durchstreift man das Museum der Kunstsammlungen, so ist man zunächst von der Vielzahl und Verschiedenheit der Exponate überwältigt. In der Sammlung Prof. Garabet Avachian beispielsweise findet man nicht nur Glas- und Holzikonen, Keramik aus den bekannten Zentren der rumänischen Volkskunst, Zinkgefäße aller Art und Größe, kunstgewerbliche Objekte aus Silber, Gefäße aus farbigem Glas, Gemälde von Pallady, Ciucurencu, Steriadi und anderen rumänischen Künstlern, sondern auch Möbel aus verschiedenen Epochen, Delfter Fayencen, Meißner Porzellan, Uhren, Teppiche, Waffen (darunter japanische Schwerter aus Elfenbein), indische Vasen und vieles andere mehr, das den Betrachter in Bann schlägt.

Beim Gang durch die Sammlungen begegnet man vielen Künstlern mehrfach: So sind Werke von Iosif Iser nicht nur in seiner eigenen Sammlung zu bewundern, sondern auch in zahlreichen anderen Sammlungen, desgleichen Werke von Lucian Grigorescu, Nicolae Tonitza oder Theodor Aman. Diese oftmals überraschenden Wiederbegegnungen beflügeln das Museumserlebnis, das die Kunstdinge nicht einfach abhaken kann und will, sondern mit ihnen gleichsam nicht zu Ende kommt. Auf japanische Holzschnitte von Utagawa Kunisada trifft man nicht nur in der Sammlung Gheorghe Preda, sondern auch in der Sammlung Radu Ionescu. Persische Teppiche (darunter ein wunderschönes Exemplar mit dem Bildmotiv der Opferung Isaaks durch Abraham), Chinoiserien, türkische Hereke-Seidenteppiche, großflächige Tapisserien, Louis Quinze-Möbel, Murano-Gläser, eine japanische Ausstellungsvitrine aus der Meiji-Zeit, das ganze Spektrum der Kunst der Welt und der Welt der Kunst wird im Bukarester Museum der Kunstsammlungen aufgefächert.

Ein siebenbürgisches Speisezimmer aus dem 19. Jahrhundert, das dem Stil der deutschen Renaissance nachempfunden ist, findet sich unweit der Sammlung Idel Ianchelevici (1909-1994) mit feinen Tuschzeichnungen des Künstlers, die arabischen Interieurs aus dem Besitz des rumänischen Diplomaten und Schriftstellers Marcu Beza, die den Betrachter gänzlich in die Welt des Orients versetzen, sind nur wenige Schritte von der Sammlung Mircea Marosin entfernt, dessen 14 Gravuren zu Ovids „Metamorphosen“ antiken Stoff mit moderner Gestaltungskraft verschmelzen. Skulpturen aus koloriertem Plexiglas, die von dem 1936 geborenen japanischen Bildhauer Shizuko Onda stammen, sind im Bukarester Museum der Kunstsammlungen ebenso vertreten wie Arbeitstisch, Staffelei, Palette und Pinsel von Corneliu Baba oder dessen berühmtes Porträt von George Enescu mit Violine.

Die Fülle und der Reichtum des neu eröffneten Bukarester Museums der Kunstsammlungen ist gewiss nicht durch einen einmaligen Besuch auszuschöpfen, vielmehr inspiriert der Gang durch die verschiedenen Kollektionen zur Rück- und Wiederkehr, aber auch zur Vertiefung des Gesehenen in anderen Museen, seien es nun Kunst-, Kunstgewerbe-, Völkerkunde- oder Volkskunstmuseen, und nicht zuletzt zur Erweiterung und Ergänzung des Erlebten in Sammlermuseen weiterer berühmter Künstler, Kunstliebhaber und Mäzene.

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