Eine Banater Schwäbin auf Weltreise

Kapstadt – wo Weiss und Schwarz kein Grau ergibt (2)

Mittwoch, 17. August 2016

Geschäfte in ausrangierten Hafencontainern

Bettler gibt es keine in Südafrika. Der amerikanische Traum wird kulturell gelebt: man ist nur deshalb arm, weil man nicht genug gearbeitet hat. Es gibt keinen Neid zwischen denen, die es „geschafft“ haben und sich große Häuser in den Townships gebaut haben, und dem Rest. An den Ampeln stehen Menschen mit Säcken in der Hand und nehmen den Autofahrern den Müll aus dem Auto ab. Der Müll wird getrennt und als Einnahmequelle zur Verwertung gebracht. Wasser in Plastikflaschen trinken nur die wirklich ignoranten Touristen. Jeder Einheimische hat eine Glasflasche, die immer wieder mit Leitungswasser aufgefüllt wird. Trinkwasser ist in Afrika ein kostbares Gut und wird dementsprechend sorgsam behandelt.

Die Häuser der „Weißen“ erkennt man an den hohen Zäunen mit elektrifiziertem Stacheldraht  und den „Armed Response“-Schildern, die Eindringlinge vor Waffengebrauch warnen. Ein bewaffneter Pförtner, ein Gärtner, eine Haushälterin, eine Köchin und ggf. ein Kindermädchen ist das Mindeste an Hauspersonal, was man so haben muss. Es sei denn, man wohnt in zugangsbeschränkten Häuserblocks, wo man sich diese Bediensteten mit mehreren anderen Familien teilen kann. Die Gärten sind wunderschön, der botanische Garten von Kirstenbosch ist ein herrlicher Ort zum Spazieren und Bewundern der exotischen und einheimischen Pflanzenarten. Dort findet man auch das afrikanischste Restaurant überhaupt: Moyo. Gästen wird (auf Wunsch) als traditionelles Willkommensgeschenk erstmal das Gesicht mit blumigen Mustern bemalt und danach gibt´s alle afrikanischen Tierarten und natürlich auch Mopani-Würmer zum Probieren. Reis Papp (gekochter Reiskornbruch) gehört dazu: es ist das Gegenstück der rumänischen M²m²lig² oder des deutschen Kartoffelpürees. Impala, Springbok, Kudu und Mopani-Würmer sollte man unbedingt probieren. Mit einem Potjie-Eintopf kann man nichts falsch machen. Biltong (gewürztes Trockenfleisch) muss man unbedingt probiert haben (gibt´s auch als Thunfisch-Biltong für Vegetarier), darf man aber leider nicht nach Europa mitbringen. Die typischsten (und leckersten) südafrikanischen Getränke sind Amarula-Likör und Roibosch-Tee, die man beide zum Glück auch mit nach Hause nehmen darf. Nicht zum Mitnehmen, aber zum lecker vor Ort Genießen lädt die Insider Bar „Outrage of Modesty“ ein. Morgens klettern die Angestellten auf den Tafelberg und pflücken frische Kräuter, aus denen abends Cocktails gemischt werden mit ganz wenig No-Name-Alkohol, um den Geschmack der Saisonkräuter nicht zu verdecken. Die Bar hat kein Schild draußen. Die in die Wand gemeißelte Inschrift „OoM“ links neben der Tür, knapp über dem Bordstein und der Türsteher hinter einer Gittertür, vor einer diskreten Mülltonne sind die einzigen Indizien für den Standort der kleinen Bar im Dachgeschoss, die aber die Schnitzeljagd auf jeden Fall wert ist.

Der krönende Abschluss ist eine Seilbahnfahrt auf den Tafelberg. Von dort kann man ganz Kapstadt bewundern und das kleinste Tierreich der Welt bestaunen. Dassies (Klippschliefer) begrüßen die Besucher auf dem Tafelberg. Sie sehen aus wie eine Mischung zwischen Kaninchen und großer Ratte, sind aber mit den Elefanten genetisch am nahesten verwandt. Wer Lust hat und fit ist, kann auch zu Fuß den Tafelberg erklimmen. Für den Fall, dass die Seilbahn kaputt geht, muss man immer passendes Schuhwerk an haben, um den Berg auch zu Fuß runterlaufen zu können. Kulturell ist Kapstadt sehr nahe an Osteuropa. Die Townships unterscheiden sich kaum von Dörfern in Oltenien im Sommer oder Bukarester Vorstädten, an denen man mit dem Zug Richtung Nordbahnhof vorbeifährt. Die westlich geprägten Malls sehen auf der ganzen Welt sowieso gleich aus. Als Rumäne fühlt man sich pudelwohl in Südafrika und kommt mit allen Bevölkerungsgruppen sehr gut zurecht. Also wenn Griechenland zu langweilig und die Türkei immer heikler ist, dann ab nach Südafrika! Wenn man sich auf das Land einlässt, wird es eine persönlich prägende Reise, die man ein Leben lang nicht vergessen wird. Und nicht vergessen: die Jahreszeiten sind auf der Südhalbkugel umgekehrt: wenn es bei uns Winter ist, ist in Südafrika Sommer.

 

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