Eine Banater Schwäbin auf Weltreise

Antigua – die Insel der 365 Strände

Mittwoch, 01. März 2017

Britische Spuren am Dickenson Strand in Antigua

Antigua lebt bunt.
Fotos: Die Verfasserin.

Dass die Karibik ein ausgesprochen schönes Urlaubsziel ist, daran gibt es wenig Zweifel. Aber wieso sollte jemand ausgerechnet die kleine, unscheinbare Insel Antigua für einen Strandurlaub wählen, wo die Auswahl an Karibikinseln doch so groß ist? Als Commonwealth-Mitglied genießt die Insel einen für uns Europäer großen Vorteil: Direktflüge aus London. Nach nur acht Stunden Flugzeit in Antigua zu landen macht sogar eine Atlantiküberquerung in der Economy Klasse aushaltbar. Die Insel ist eine der Europa am nächsten gelegenen, mit der kürzesten Flugzeit. Ihre Unscheinbarkeit und Unbekanntheit macht sie günstig.

Reiseziele, von denen keiner was gehört hat, werden außerdem selten von Touristen-Horden geplagt. Ein Steuerparadies ohne jegliche Gewinnsteuer ist Antigua außerdem auch und die Staatsbürgerschaft kann man für 300.000 Euro pro Familie sogar kaufen. Das ist aber eher eine Kuriosität und für die Entscheidung „Wohin geht der Urlaub?“ etwas weniger ausschlaggebend.

Antigua ist eine der Inseln, für welche die Entscheidung, von Großbritannien unabhängig sein zu wollen, eher Nationalstolz als wirtschaftliche Überlegung war. Die Überzahl an heruntergekommenen Immobilien und die schiere Anzahl an Straßenhändlern zeugen von der prekären Wirtschaftslage der jungen, unabhängigen Nation. Aber der Herr, der die Unabhängigkeit verbrochen hat, thront kitschig, bunt und überlebensgroß vor dem Marktplatz der Hauptstadt St. John. Die Statue sieht aus, als ob Andy Warhole ein Ceau{escu-Denkmal künstlerisch überarbeitet hätte.

Der Marktplatz in St. John ist das Herzstück der lokalen Gemeinde, vor allem samstags, wenn die Markthalle nicht groß genug ist für alle Obst- und Gemüsestände und etliche Straßenstände drum herum den Marktplatz erweitern. Frischeres, leckereres tropisches Obst als hier gibt es nur selbst gepflückt vom Baum. Die kleinen, kurzen, dicken Bananen heißen hier Figs (englisch: Feigen) und sind besonders aromatisch, mit so dünner Schale, dass fast ein Sparschäler notwendig ist. Zwischen Marktplatz und Wasserfront sind die Touristenfallen Heritage Quay und Redcliffe Quay, beides angebliche Duty-Free-Verkaufszonen. Der Rum im Duty Free ist aber 10 Prozent teurer als im Kiosk am Dorf. Das Hauptgeschäft hier sind die Kreuzfahrtschiffe im Hafen, die scharenweise hauptsächlich US-amerikanische Touristen an Land spülen, deren Gutgläubigkeitsausbeutung inzwischen die Hauptindustrie des Landes ausmacht.

Ein Mietwagen in Antigua ist günstig, das Linksfahren ist allerdings ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die angeblich schönste Route ist der Fig Tree Drive, wo es Bananenbäume (Anm.: ‚Fig’ sind ja Mini-Bananen) und Sorrel-Sträucher (Hibiskus) halbwild inmitten der letzten Urwaldreste der Insel gibt. Eine Zip-Line lädt ebendort zum Urwaldabenteuer ein und ist ganz sicher einen Besuch wert, denn sich durch den Urwald abseilen macht nicht nur Spaß, sondern ist auch eine sonst recht seltene Gelegenheit.

Die Wurzeln von Antigua und einen Eindruck der gewesenen Kolonie finden sich in der restaurierten gewesenen Betty´s Hope Zuckerrohrplantage, ein Mahnmal der ehemaligen Sklavenausbeutung. Die über hundert runden Steintürme, die über die Insel zerstreut sind, sind übrigens Zuckerrohrwindmühlen und keine Wachttürme gewesen.

Nelson´s Dockyard im Süden der Insel ist ein sehr sehenswerter restaurierter Englischer Hafen aus dem 18. Jahrhundert. Das Museum dort erzählt die Geschichte der Englischen Kolonialzeit und die Gebäude aus gelbem Backstein wirken wie aus London hergebeamt und absolut fehl am Platz unter den tropischen Palmen und den Jachten der Superreichen, die heute das Unesco-Welterbe als Andockplatz, wie ursprünglich von den Engländern geplant, weiterleben lassen.

Das einzige Naturdenkmal ist Devil´s Bridge (Teufelsbrücke), eine wellenumtoste, natürliche Sandsteinbrücke am Meer im Osten der Insel, die ihren Namen erhielt, weil dort früher besonders viele Sklaven in den Selbstmord stürzten. Lokale Restaurants sind eine Seltenheit geworden, wegen den All-Inclusive-Resorts und den ängstlichen Touristen, die die bekannten Übeln von Pizza, Pasta und Burger vorziehen. Für all jene, die lieber lokal essen, sind samstags und sonntags die besten Tage, weil dann auch die Einheimischen oft ins Restaurant essen gehen und viele lokale Spezialitäten anbieten. Ducana ist ein in Bananenblättern gekochter Teig aus Kokos, Maismehl und Bataten (ja, die großen grünen Bananen sind zum Kochen, nicht zum roh Essen!) als Beilage zu Salzfisch mit Kohl (schmeckt wie Fisch-Moussaka), Fungee (die lokale Polenta-Variante) und Chop-up (eine Art einheimischer Spinat). Busch Tee, Sorrel und Sea Moss sind die lokalen Getränke ohne Alkohol, und Rum (Cavalier und Englisch Harbour) ein Muss, wenigstens als Souvenir (oder schwarzen Rumkuchen als Mitbringsel für die Damen). Lokale Gerichte werden oft Habanero-scharf gegessen, aber die berühmte pikante Suzie´s Soße ist eine freiwillige Extra-Zutat.

Antigua ist klein genug, als dass ein Tag reicht für eine Rundfahrt und um alle touristischen Highlights gesehen und erlebt zu haben. Der Rest des Urlaubs ist für das, wofür die Karibik am berühmtesten ist: zum Faulenzen an einem der 365 feinen Sandstrände und Baden oder Schnorcheln in der türkisfarbenen, angenehm lauwarmen Karibischen See. 

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