Eine Banater Schwäbin auf Weltreise

Johannesburg – Herz und Seele Südafrikas

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Straße im Soweto Township, ganz wie in Oltenien

Nelson Mandelas Haus, heute ein Museum
Fotos: Die Verfasserin

Die meisten Direktflüge nach Südafrika landen in Johannesburg, der größten Stadt des Landes. Egal, was das Endziel der Reise ist, es wäre schade, hier einfach nur umzusteigen und nicht mindestens eine Woche in Johannesburg zu verbringen. Es ist eine sehr untypische Großstadt, ohne eigene Wasserquelle, die in Folge eines Goldrausches Endes des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Hier liegt das schwere Erbe der Apartheid-Zeit in der Luft, ein Mahnmal an zukünftige Generationen die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Gefährlich ist Johannesburg nicht. Die bewaffneten Raubüberfälle auf offener Straße sind Skandalpresse und keineswegs lokaler Alltag.

Der hochmoderne Schnellzug vom Flughafen bis in die Stadt ist das einzige öffentliche Verkehrsmittel in Johannesburg. Er ist viel günstiger und vor allem schneller als jedes andere Verkehrsmittel. Im Johannesburgangelangt gibt´s für weiße Touristen die Wahl zwischen Taxi, zu Fuß gehen oder linksfahrender Mietwagen. Einheimische fahren mit Kleinbussen, die haargenau wie die Maxi-Taxis aussehen, die in Rumänien nach der Revolution die Unzulänglichkeiten der öffentlichen Verkehrsmittel ausgeglichen haben. Kein Kleinbus hat eine Lizenz oder ein Gewerbe und alle haben die gleichen Preise. Um Kunden wird mit unterschiedlichen Musikrichtungen während der Fahrt geworben.

Johannesburg ist eine Stadt maximaler Kontraste. Die hochmoderne Santon City bietet Einkaufszentren, die Paris oder New York um nichts nachstehen (auch nicht im Preis). Einheimische kaufen aber hauptsächlich im Woolworths ein, eine gepflegte Kaufhauskette, die vor allem Kunden der Mittelschicht anspricht. Biltong, das äußerst schmackhafte südafrikanische Dörrfleisch, gibt es dort in allen Tier- und Geschmacksrichtungen – sogar Thunfisch. Impala, Kudu und Springbock schmecken am leckersten. Nicht Vegetarier dürfen sich das Carnivore Restaurant in Misty Hills (carnivore.co.za) auf keinen Fall entgehen lassen. Das Motto lautet zu recht „Die größte Afrikanische Erfahrung“. Das Menü steht an der Wand in Form von allen möglichen Tierarten. Alle Tiere werden auf dem Spieß gebraten. Die Bedienung kommt mit jeweils einem Spieß vorbei, stellt die Fleischart vor, erklärt, was dazu passt und schneidet ein kleines Stück zum Probieren ab. In der Mitte des Tisches werden verschiedene Soßen und Beilagen auf einem runden Drehteller serviert. Wer noch nicht satt ist nach dem über ein Dutzend Fleischarten Probieren, der kann jederzeit von dem Lieblingsfleisch einen Nachschlag bestellen. Geburtstage sind dort besonders spannend, weil die Bedienungen in traditioneller Kleidung südafrikanische Geburtstagslieder und -tänze vorführen. Etwas zentraler und auch für Vegetarier geeignet ist das Moyo: eine südafrikanische Restaurantkette, die sehr leckeres, traditionelles, lokales Essen serviert, inklusive Gesichtsbemahlung als Gastbegrüßung.

Johannesburg ist das Herz und die Seele der südafrikanischen Anti-Apartheid-Bewegung, Heimat von zwei Friedensnobelpreisträgern: Nelson Mandela und Desmond Tutu, zufällig beide in der gleichen Vilakazi-Straße. Um die Stadt wirklich zu verstehen, ist ein Besuch in Soweto absolute Pflicht. Die Townships und Squatter-Camps ohne Strom-, Wasser- oder Abwasseranschluss erinnern stark an Dörfer im Süden Rumäniens. Nur die Hautfarbe der Einwohner verrät, dass die erdenen Straßen und Plumsklos nicht in Oltenien sind. Das Haus Nelson Mandela´s in Soweto ist heute ein Museum, in dem seine Geschichte erzählt wird, quasi die Ultrakurzfassung seiner Autobiografie „Der lange Weg in die Freiheit“ zum Anfassen, in 7D. Die Gegend ist extrem überkommerzialisiert und für Massentourismus angelegt. Alle Souvenirs dort sind in China produziert. Deshalb echtes lokales Handwerk lieber in den Squatter Camps kaufen, direkt von den Künstlern oder etwas gepflegter (aber auch weniger originell) im Rosebank-Flohmarkt. Aber aufpassen, alle Tierprodukte und vor allem die ausgestopften Straußenbabys in den Straußeneiern nach Europa zu importieren ist illegal! Unproblematisch zum Mitnehmen sind Schnitzereien aus Holz und kleine Steinskulpturen, welche die großen, wilden afrikanischen Tiere, die auch auf den Rand Banknoten abgebildet sind (die „Big Five“), darstellen. Ein Luxussouvenir und weise Geldanlage ganz in der Tradition des Goldrausches, aus dem die Stadt geboren wurde, sind die goldenen Krügerrand-Münzen. Johannesburg bietet die Chance, Südafrika zu verstehen, macht aber Lust, den Rest des Landes zu entdecken. Die „Wiege der Menschheit“, der Fundort der ältesten vollständigen Australopithecus africanus Skelette liegt nur 25 Kilometer entfernt. Das wirklich wilde, ursprüngliche Afrika ist allerdings etwas weiter weg, im Krüger Nationalpark zu finden. Die afrikanische Safari ist aber eine Geschichte für ein nächstes Mal…

 

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