EINE BANATER SCHWÄBIN AUF WELTREISE

Moskau - Im Herzen des russischen Bären

Mittwoch, 02. November 2016

Die berühmten Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale am Roten Platz

 Kleine Denkaufgabe: was gibt´s denn Touristisches zu sehen in Russland? Moskau, St. Petersburg, die transsibirische Eisenbahn und… soll das alles sein, in einem Land, das sich über einen ganzen Kontinent erstreckt? Tourismus in Russland wird im Ausland nicht ohne Grund kaum beworben. Ein Visum zu bekommen, ist recht schwer und in Russland selber ist alles exklusiv auf Russisch beschriftet. Ohne kyrillische Schriftzeichen lesen zu können ist Orientierung ein richtiges Abenteuer! Der leicht negative Ruf Moskaus ist reine westliche, kapitalistische Propaganda und absolut unbegründet. Die Strapazen und die Wartezeit der russischen Botschaft in Bukarest, um ein Visum zu ergattern, lohnen sich auf jeden Fall.

Moskau ist ein guter Ausgangspunkt, um dem russischen Bären an den Pelz zu rücken. Die Millionenstadt hat mehrere Flughäfen. Domodedovo ist der anreisefreundlichste. Von dort fährt stündlich der Airportexpress-Zug zum Paveletskaya-Bahnhof. In Fußweg Entfernung zum Bahnhof gibt es jede Menge Hotels und der Metro-Knoten Paveletskaya ermöglicht es, schnell und bequem die ganze Stadt zu erkunden. Die Metros fahren rund um die Uhr alle zwei Minuten und jede Fahrt, egal von wo nach wo, kostet nur umgerechnet 50 Eurocent. Die U-Bahn-Stationen sind komplett werbefrei und wunderschön befliest, im alt-kommunistischen Stil mit Hammer-und-Sichel-Ährenkränzen geschmückt.

Der Rote Platz ist am besten über die grüne Metro-Linie 2 erreichbar. Teatralnaya ist die zentrale Metro-Station Moskaus. Von dort aus ist der Rote Platz keine zwei Minuten zu Fuß entfernt. Alle Museen, Kirchen, Kaufhäuser und Gebäude im Zentrum sind extrem gepflegt und gut in Stand gehalten. Geputzt wird rund um die Uhr, Müll gibt es deshalb im Zentrum nirgends zu sehen. Das russische Nationalmuseum und das Museum, welches Napoleons Eroberungszug von 1812 gewidmet ist, flankieren rechts und links das Eingangstor zum Roten Platz. Studentenrabatt im Museum gibt es nur für russische Studenten und alle Exponate, Filme und Faltblätter sind exklusiv in Russisch. Schön anzusehen sind sie trotzdem, auch wenn die Ausstellungen unzusammenhängend wirken, wie die allerletzten Überreste einer einstmals äußerst opulenten Zarendynastie.

Links vom Roten Platz ist das Gym (Guhm gelesen) Kaufhaus, aus der gleichen Ära und im gleichen Stil wie das KaDeWe in Berlin, Harrods in London oder Galerie Lafayette in Paris. Alle großen Marken sind vertreten, aber die Besucher machen hauptsächlich Selfies und können sich höchstens eine Verschnaufpause in einem der vielen Kaffeehäuser im Gym leisten. Die Lebensmittelabteilung mit Luxuswaren aus wirklich allen Winkeln dieser Erde ist atemberaubend! Rechts wird der Rote Platz von der roten, zyklopenabwehrtauglichen Kremlmauer begrenzt. Platzmittig vor der Kremlmauer empfängt das Lenin-Mausoleum kostenlos für drei Stunden am Tag Vormittags eine endlose Besucherschlange. Fotografieren im sehr dunklen Mausoleum ist natürlich verboten und die Schaulustigen werden recht zügig durchgescheucht.

Am Ende des Roten Platzes thront die berühmte Zwiebelturmbasilika und links davon die einzige Einflugmöglichkeit für Waghalsige, die auf dem Roten Platz einen kleinen Privatflieger landen möchten. Es ist eine Meisterleistung auch nur ein kleines  Flugzeug zum Stehen zu bringen auf dem Platz und der einzige Pilot, der das jemals geschafft hat, musste einige Jahre im Knast verbringen, bevor er wieder abreisen durfte. Metalldetektoren gibt es in Moskau überall: bei jeder Metro-Station, in jedem Museum, beim Eingang zu jedem Hotel, jedem öffentlichen Gebäude, in jedem Kaufhaus, jedem Bahnhof und am Flughafen gleich beim Eingang, für alle, nicht nur für Passagiere und Handgepäck in der Sicherheitszone.

Der Kreml ist ein Erlebnis für sich. Wie ein Hochsicherheitstrakt militärisch bewacht bildet er das Herz der russischen Staatsmacht. Umso mehr fehl am Platz und stark kontrastierend wirken die zahlreichen Kirchen mit goldenen Türmen, auf denen christliche Kreuze mit dem muslimischen Halbmond vereint sind. Das beste russische Essen gibt es im russischen Restaurant im roten, runden Turm neben der Teatralnya Metro Station, gegenüber vom Kremleingang im Korchma Taras Bulba und für feine Gaumen im Savva, das Restaurant des Hotels Metropol neben dem Bolschoi-Theater.

Das Café Pushkin ist der perfekte Ort für einen Nachmittagssnack. Es ist eine wahre Zeitreise ans Ende des 19. Jahrhundert und doch nur eine weitere U-Bahn-Station entfernt am Pushkinpark. Garderobe muss in Moskau überall abgelegt werden, egal, ob Museum, Café oder Restaurant. Die Handtaschen der Damen bekommen einen extra Minihocker neben dem Tisch. Die frischen Tees sind sehr exotisch, von Zedernzapfen bis Herbstkürbis mit Sanddorn und Minze. Typisch russisch sind Mors: leckere geräucherte Kompottsäfte. Im Zweifel überall russische Köstlichkeiten bestellen, die gibt´s überall unterschiedlich, aber als Auswahl in kleinen Portionen zum Probieren.

Moskau besteht aber nicht nur aus dem Roten Platz. Kolomenskoye ist ein riesiger Freizeitpark, der den Nachbau des Holzpalastes, der Sommerresidenz der Zaren beherbergt, nur drei Metrohaltestellen entfernt und mit einem traumhaften Ausblick auf Moskau (Stadt und Fluss). Das Kosmonautenmuseum, das Novodevichy Kloster und der demilitarisierte Bunker 42, der die Geschichte des Kalten Krieges erzählt, sind es wert, zur Not noch einen Tag dranzuhängen an eine Städtereise nach Moskau.

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