Eine Banater Schwäbin auf Weltreise (61)

Kapstadt – wo Weiss und Schwarz kein Grau ergibt (1)

Dienstag, 09. August 2016

Bank ausschließlich für Weiße: eine ehemalige Apartheid-Realität, heute Ausstellungsstück im Museum

Luxusvillen am Strand von Camps Bay. Fotos: Die Verfasserin

Wenn man an Südafrika denkt, fallen einem als erstes zwei Begriffe ein: Apartheid und Nelson Mandela. Treffender kann man das Land auch gar nicht beschreiben, denn nach wie vor beschäftigt das Land die Apartheid-Wunden und Mandela´s Weg der „Versöhnung statt Rache“.

Kapstadt ist die südlichste Großstadt Afrikas. Der südlichste Punkt ist etwas weiter entfernt, aber bloß ein extrem windiger Felsen und ein Leuchtturm, also nicht wirklich die Reise wert. Der Tafelberg ist zu Recht das unumstrittene Symbol Kapstadt´s. Er umschließt die Stadt wie eine schützende Festungsmauer und ist auf allen lokalen Kunstwerken und Memorabilien abgebildet. Der Flug von Europa bis nach Kapstadt dauert zwölf Stunden. Zum Glück sind alle Flüge Nachtflüge und es ist die gleiche Zeitzone, also hat man wenigstens nicht mit Jetlag zu kämpfen.

Wer die Stadt erkunden möchte, sollte sich ein Hotel in der Altstadt aussuchen. Von dort aus kann man alles zu Fuß erkunden. Für Badenixen und Hobbybademeister sind eher die Strandhotels in Camps Bay angesagt. Als Tourist ist man entgegen allen Reisewarnungen vollkommen sicher in Kapstadt, so lange man sich natürlich genauso vernünftig verhält wie zu Hause und den gesunden Menschenverstand mit auf die Reise nimmt.

Um ein erstes Gefühl für die Stadt zu bekommen, kann man sich in einen Hop-on/Hop-off-Bus setzen und sich mit Geschichte und Sehenswürdigkeiten im Schnelldurchlauf mittels Kopfhörer in dutzenden Sprachen berieseln lassen. Der erste Anflug von Verstehen setzt ein, wenn man an einer unbebauten Fläche mitten in der Stadt namens “District Six” vorbeifährt. Die Bevölkerung, die hauptsächlich aus Mischehen bestand, wurde zwangsumgesiedelt, die Häuser mit Bulldozern niedergemacht. Die Väter wurden von den Müttern und den Kindern nach Hautfarbe getrennt. Die Kinder wohnten in den Townships mit ihren Müttern und die Väter durften nur einmal im Monat ein paar Stunden zu Besuch kommen. In den Monaten, in denen sie die Erlaubnis dazu bekamen, was nicht immer der Fall war. Davon ist heute nur die freie Fläche als Mahnmal geblieben und man merkt in der Altstadt auf den ersten Blick überhaupt nichts mehr von der bewegten Geschichte des Landes. Kapstadt´s Altstadt ist genauso globalisiert wie jede andere Großstadt. Um ein wirkliches Gefühl für das Land und die Leute zu bekommen, muss man dorthin gehen, wo die meisten Einwohner leben: in die Townships.

Gugulethu und Langa sind die bekanntesten Townships in Kapstadt. Geführte Touren in Kleinbussen sind nicht nur für Touristen ein Highlight, sondern auch für die Bewohner eine gute Einkommensquelle. Die alte Polizeistation wurde zum Museum umgebaut. Man kann die alten Pässe sehen und anfassen, die früher jeder „Schwarze“ ständig bei sich tragen musste. Man kann dort auch die berüchtigten Bleistift und Papiertütentests selber ausprobieren: wenn ein Bleistift in den Haaren stecken bleibt beim Kopfschütteln, ist man „Schwarz“, ansonsten „Farbig“. Falls man sich die Haare kahl geschoren hatte, wurde eine braune Papiertüte neben den Unterarm gelegt. Falls die eigene Hautfarbe dunkler war als die Papiertüte, war man „Schwarz“, ansonsten „Farbig“.

Auf den geführten Touren in Gugulethu und Langa kann man die sehr freundlichen Menschen zu Hause besuchen. Ein kleines Zimmer mit drei Betten dient als Wohnung für drei Familien. Stühle oder Tische gibt es nicht, alles Tägliche wird in der Hocke gemacht - daher stammt auch der Name „Squatter Camps“. Wasseranschluss oder Kanalisation gibt es keine. Strom wird geklaut, Zugangswege für Feuerwehr oder Krankenwagen sind nicht vorhanden. Ärztliche Aufmerksamkeit bekommt man nur, wenn man an einer der großen Seuchen leidet: AIDS oder Hepatitis. Für alles Andere sind die Witchdoctors zuständig. Man stirbt an allem, was nicht mit Gebeten, Kräutern und traditionellen Heilzeremonien vergeht. Diese Armut erscheint aber nur für Außenstehende so schlimm. Wenn man nichts anderes kennt, dann versteht man gar nicht, wieso man dafür bemitleidet wird. Quietschvergnügte, kerngesunde Kinder spielen barfuß auf den Lehmstraßen und strahlen jeden an. Ob das wirklich bemitleidenswert ist, im Vergleich zu den gleichaltrigen, bleichen, autistischen Pokemon-Go-Spielern in Europa, bleibet dahingestellt. (Fortsetzung folgt)

 

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