EINE BANATER SCHWÄBIN AUF WELTREISE

Authentisches, modernes China - Guangzhou ist die drittgrößte chinesische Stadt

Dienstag, 29. November 2016

Der Guangxiao Tempel ist einen Besuch wert.

Guangzhou-Hochhäuser im alltäglichen Smog
Fotos: die Verfasserin

China ist ein riesiges Land, die Unterschiede zwischen Ost- und West, Nord- und Südchina sind dementsprechend groß. Die Globalisierung hat natürlich trotz sehr strenger Kontrolle auch hier Einzug gehalten. Aber die westeuropäischen und amerikanischen Moden sind trotzdem noch in der Minderheit. Guangzhou ist die drittgrößte Stadt Chinas. Touristisch uninteressant, im Südosten Chinas gelegen, bietet dafür aber einen sehr guten Einblick in authentische, lokale Lebensweisen, sowohl in ihrer traditionellen, als auch in ihrer modernen Form. Die obersten Etagen der Hochhäuser sind meistens im dichten Smog nicht sichtbar.

In China gibt es kein Google und kein Facebook, das Internet ist strengstens kontrolliert. Daher ist Umdenken angesagt. Alles, was nicht zu Hause nachgeschlagen und vorbereitet wurde, ist nicht mehr online herausfindbar. Die einfachen Annehmlichkeiten des modernen Lebens, welche die meisten von uns als selbstverständlich ansehen (im Internet etwas nachschlagen, auf dem Handy sich den Weg auf einer Karte anzeigen lassen, usw.) funktionieren hier nicht. Das Leben ist einfach anders aufgebaut, hier funktionieren zum Informationsaustausch nur persönliche Beziehungen. „Wo hast du das gefunden/gelesen“ heißt in China übersetzt: Wer hat dir das gesagt? Die Überlebenswichtigkeit persönlicher Beziehungen spiegelt eine grundsätzlich kollektivistische Kultur wieder. Alleine essen ist unhöflich, unmanierlich, unerhört! Gegessen wird immer gemeinsam. Alles wird geteilt. Die Tische sind rund. Das Essen wird in der Mitte des Tisches auf eine Drehplatte gestellt und jeder holt sich von allem etwas in seinen Teller. Das „ich“ wird zum „wir“. Familien arbeiten gemeinsamen Zielen entgegen, die individuellen Interessen des Einzelnen sind immer dem Wohl der Familie untergeordnet.

Armut und Scheinreichtum existieren in einem harmonischen Miteinander. Übertrieben große Shopping-Malls führen alle internationalen Mode-Label. Die Damenschuhgrößen fangen ab 38 an, was stark darauf hindeutet, dass keine Chinesin die über 1.000 Euro teuren Designerschuhe je kaufen würde. In den Fluren, welche die Einkaufszentren mit der U-Bahn verbinden, verkaufen Fabrikarbeiter die gleichen, originalen Louis-Vuitton-Taschen um ein Apfel und ein Ei. Keiner fragt, wie genau die aus der Fabrik rausgeschmuggelt wurden, sondern kauft die Taschen einfach, stellt sich vor den Originalladen für ein Selfie und schon passt das westliche Scheinideal.

Der Platzmangel der gedrängten, winzigen Wohnungen in den riesigen Plattenbauten steht in starkem Kontrast zu der unnötigen Breite der Paradeboulevards. Die Wohnungen sind so klein, dass Elektrik- und Sanitärleitungen außen angebracht sind. Dieser Platzmangel bedeutet auch, dass ein Kühlschrank ein absoluter Luxus ist, den sich nur die Reichsten leisten können. Fleisch, Gemüse und Obst wird daher durch Trocknung haltbar gemacht. Der Qinping-Großmarkt ist zwar keine touristische Attraktion, aber für Europäer unbedingt sehenswert. Dort gibt es alles getrocknet sackweise zu kaufen: von vom Ausstreben bedrohten Seepferdchen, über Hirschpenisse, kaffeetischgroße Pilze, bis zu getrockneten Tigerhoden als Fruchtbarkeitsmedizin – en-gros, im Sack natürlich! Bei Festessen und in feinen Restaurants gibt es frisches Fleisch. Wirklich frisch, der Gast sucht sich das lebende Tier aus beim Eingang ins Restaurant und bleibt dabei, bis es in der Pfanne ist, um sicherzustellen, dass es nicht doch durch ein getrocknetes, aufgekochtes ausgetauscht wird. Auf dem Markt (für Europäer ebenfalls ein exotischer Ort!) werden die Hühner, Hasen, Enten, Schildkröten, usw. frisch geschlachtet vor dem Mitnehmen.

Ein paar wirkliche touristische Attraktionen gibt es natürlich auch. Im Zoo gibt es unser anderem Hausschweine zu bestaunen, die natürlich auch anders aussehen als bei uns. Das Wahrzeichen der Stadt, die Fünfziegenbock-Statue befindet sich in einem herrlichen kleinen Park, der eine Verschnaufpause im Trubel der Großstadt verspricht. Die Parks sind alle mit Lautsprechern in Form von Steinen ausgestattet, aus denen leise, traditionelle, beruhigende Instrumentalmusik erklingt. Von den vielen Tempeln in Guangzhou sind vor allem die Chen-Clan-Vorfahrenhalle interessant, die das Volkskundemuseum beherbergt, und der Guangxiao-Tempel. Guangxiao bedeutet Elternliebe, die höchste Pflicht in China. Die Straße, die zu dem Tempel führt, ist rechts und links von kleinen Läden gesäumt, die alles Mögliche zu verhandelbaren, klitzekleinen Preisen feil bieten.

China ist für Europäer ein absolutes Erlebnis. Dementsprechend ist es auch nur von abenteuerlustigen Touristen auf eigene Faust zu bereisen, sonst wird das Abenteuer zum Ungeheuer. Wer sich selbst als ängstlich, leicht ekelbar, zimperlich oder in sonst irgendeiner Weise als sensibel kennt, ist mit einer All-Inclusive-Busreise mit Reiseleiter zu den für Westeuropäer speziell vorbereiteten touristischen Zielen besser geschützt und beraten.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*