Eine Banater Schwäbin auf Weltreise

Im Krüger Nationalpark – auf Safari in Südafrika

Mittwoch, 01. Februar 2017

Löwe trifft Touri-Land-Rover.

Elefantenbullen sind Einzelgänger.
Fotos: Die Verfasserin

Die Tele-Enciclopedia-Generation weiß zwar schon, dass in Afrika wilde Tiere wie Elefanten, Nashörner, Giraffen oder Löwen zu Hause sind. Live zu sehen gibt es diese Tiere in Europa aber nur in ihren apathischen Zoo-Varianten. Südafrika hat eine Not zur Tugend gemacht und einen Weg gefunden, diese in der Wildnis vom Aussterben bedrohten Tiere zu ihrem eigenen Schutz zu vermarkten. Der Krüger-Nationalpark erstreckt sich über Landesgrenzen hinweg und verbindet drei afrikanische Länder in ihrem Naturschutzbestreben. 
Eine Safari ist für Europäer schlechthin DAS Beste, was es in Afrika zu erleben gibt und der Krüger-Park ist das größte für Touristen zugängliche afrikanische Naturschutzgebiet dieser Art. Die erste Regel, die ein Tourist lernen muss ist: das hier sind keine Zoo-Tiere, die fressen dich, wenn du dich wie ein doofer Städter benimmst und versuchst, die Löwin zu streicheln! Die Hotels, Ressorts und Unterkünfte aller Art sind zwar mit elektrischem Zaun umfriedet, aber das stört so gut wie kein wildes Tier. Daher ist unbegleitet Rumlaufen strengstens verboten und abends Tür zusperren Pflicht. Da die meisten jagenden Tiere nachts unterwegs sind, ist Sternegucken nur hoch oben im Baumhaus erlaubt.
Es gibt etliche kleine Flughäfen im Krüger-Park, aber alles nur für afrikanische Inlandsflüge, keine internationalen. Mit dem Auto aus Johannesburg ist es zwar nicht weit - in Kilometern -, aber eine Tagesreise angesichts der Straßenverhältnisse und des Verkehrs. Die Safaris in den afrikanischen Busch haben ein Geheimnis und zwei Regeln. Das Geheimnis ist, dass alle Safari-Betreiber aus allen drei Ländern sich schon vor Jahrzehnten auf einen bestimmten Land-Rover-Typ und einer bestimmten Autofarbe (Khaki) geeinigt haben. Daher sind alle Safari-Autos für die Tiere im Park bloß eine weitere Tierart, die größer ist als sie selber und daher nur als Selbstschutz angreifbar. Die Autos sind offen, kein Gitter, kein Fenster. Die zweite Regel (gleich nach „Wilde Tiere respektieren!“) lautet: Niemals aufstehen, immer sitzen bleiben! Die wilden Tiere erkennen die einzelnen Menschen nicht als Beute, solange sie sitzen und damit Teil der „khakifarbenen Land-Rover-Spezies“ sind. Als Teil des Autos und mit gehörigem Respekt vor den wilden Tieren ist eine Safari immer sicher.
Morgens um 5 Uhr geht´s los zur ersten Safari des Tages. Frühstück gibt es unterwegs. Im sehr sauberen Krüger-Park ist Plastik aus Umweltschutzgründen verboten. Alles ist mehrmals verwendbar, als Glas, Metall, Stoff oder Holz. Handy-Empfang gibt es so gut wie keinen. Die Ranger teilen einander über Funk mit, wo sie welches Tier gesehen haben, nach ähnlichen Regeln wie im Flugverkehr. Flinke Impala-Gazellen mit langen, geraden Hörnern sind die häufigsten Tiere im Park und daher wahrscheinlich auch die ersten, die dem Safari-Auto den Weg kreuzen. Sie grasen nie allein, immer in Familien oder ganzen Herden von hunderten Tieren. Gleich danach folgen die Kudus, eine Gnu-Art, deren Männchen deutlich anders (viel größer, dunkler) aussehen als die Impala-ähnlichen Weibchen. Springbok und Nyala-Antilope sind für Laien schwer von den Kudu-Weibchen zu unterscheiden, sind sie doch eine ganz andere Spezies. Die Elefanten sind die ersten Tiere, die so richtig Respekt einflössen, vor allem dadurch, dass sie deutlich größer sind als der Touri-Land-Rover. Weibchen sind in Gruppen unterwegs, mit den Jungtieren. Elefantenbullen sind Einzelgänger. Wenn ein Babyelefant Mittagsschläfchen halten möchte, legt das Junge sich in den Schatten und seine Familie stellt sich um das Jungtier herum auf. Sie hält Wache. Wenn das zufällig mitten im Weg ist, muss das Safari-Auto die Elefantengruppe eben respektvoll umfahren. 
Nie den Tieren zu nahe kommen ist ganz wichtig, damit sie sich nicht angegriffen fühlen. Für die Nilpferde wurden spezielle Tümpel angelegt, sonst würden die Touristen sie im seichten Flussufer gar nicht bemerken. Sie kommen nur nachts aus dem Wasser, tagsüber ist die Sonne zu heiß für ihre empfindliche Haut. Nashörner haben ganz kleine Augen und sehen schlecht. Umso wichtiger ist es, ja nicht zu nahe zu kommen. Autoscheinwerfer können Nashörner bis zu einer halben Stunde erblinden lassen, daher ist nachts Fahren nur an Vollmondnächten erlaubt, wenn keine Scheinwerfer nötig sind. Die Giraffen wirken in der Wildbahn doch etwas kleiner als im Fernsehen, aber ihr Muster versteckt sie sehr gut in der Savanne. Zebras, Büffel, Affen, Warzenschweine, Hyänen und Stacheltiere sind etwas seltener und schwerer zu sehen. Es gilt, Bilder zu sammeln von den Big Five, den Großen Fünf, die auch auf den südafrikanischen Randbanknoten abgebildet sind: Löwen, Leoparden, Nashörner, Elefanten und Büffel. Die nachtaktiven Raubtiere sind aber am seltensten. Vollgefressene Löwen dösen bis zu einer Woche lang in der Sonne, bevor sie wieder auf die Jagd gehen, aber Leoparden und Geparden sind so gut versteckt, dass Europäer keine Chance hätten, sie je allein zu entdecken.
Nachmittags, nach dem Abklingen der Mittagshitze, geht die zweite Tagessafari los und die Parkwächter bieten auch die Savanne-Erkundung zu Fuß (mit Jagdgewehr) an. Dabei werden Tierreviere sichtbar, vor allem in Form der Kotmarkierungen. Hyänenkot ist z.B. weiß, besteht fast gänzlich aus dem Knochenkalk und wird von Schulkindern im Süden Afrikas als Tafelkreide verwendet. Ein Buschspaziergang von Dezember bis März bietet auch die Gelegenheit DIE süfarikanische Delikatesse (und das Elefanten-Lieblingsessen) unter den Früchten zu probieren: Marulas. Daraus wird der Amarula-Likör gemacht, das ideale Souvenir zum nach Hause Bringen.
Elektrizität ist Mangelware in der Savanne. Abends leuchten Lagerfeuer und Solarlampen, aber vor allem der Sternenhimmel. Die Milchstraße ist atemberaubend: ohne Lichtverschmutzung entpuppen sich vermeintliche Einzelgängersterne als Rudeltiere! 
Das Wort „Himmelbett“ bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn die Übernachtungsgelegenheit ein Baumhaus mitten in der Savanne ist, ohne Dach, nur mit Moskitonetz zwischen Bett und Sternenhimmel.
 

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