Eine Bastion Banater Deutschtums

Einheimische und Ausgewanderte feierten in Sanktanna Kerweih

Mittwoch, 07. August 2013

Tragen die Tradition fort: Feste wie die Kerweih können nur überleben, wenn die Jugend mitmacht. Diese kann nur mitmachen, wenn die Elterngeneration den Bräuchen treu bleibt.

Der Kerweih-Strauß wird vom Vortänzerpaar getragen. Laut Brauchtum wird der Strauß versteigert: Der Strauß besteht aus mehreren kleinen Sträußen, die an die Teilnehmer verteilt werden Fotos: Zoltán Pázmány

Die Geschichte Sanktannas ist eine Geschichte der Ein-, Aus- und Zuwanderung. So wie viele Gemeinden des Banats und Kreischlandes, war sie einst vorwiegend deutsch. Heute ist die Kleinstadt eines der letzten Bastionen des Banater Deutschtums, wo noch immer eine starke Gemeinschaft, die Traditionen und Bräuche der einst aus Deutschland ausgewanderten Bauern aufrecht erhält. Ein deutschsprachiges Gymnasium sichert den Erhalt der deutschen Sprache und trägt dazu bei, dass das Brauchtum der Deutschen weitergetragen wird, indem dieses an andere Ethnien gereicht wird. In Sanktanna fallen Worte wie „Aussterben“ und „Untergang“ seltener. Die Menschen wirken optimistischer und zuversichtlicher. Das fängt schon bei den zurück gebliebenen Deutschen an, wie etwa der Familie Reinholz, einem Standbein der deutschen Minderheit aus der Region und hallt auch wider in den Reihen der Ausgewanderten. Der Vorsitzende der Heimatsortsgemeinschaft (HOG) Sanktanna redet lieber von den Dingen die bleiben, statt von den Verlusten.

Und was im Banat von den Deutschen bleibt, sind nicht nur Fluss und Ortsnamen, nicht nur Traditionen und Erinnerungen, sondern auch die alten katholischen Kirchen, einst die wichtigsten Institutionen in den Schwabendörfern. Kirchliche Festlichkeiten waren die sozialen Ereignisse. „Der Maitanz und die Kirchweih waren das Schönste, was es gab“, schwärmt Theresia Reiter, die neue stellvertretende Vorsitzende der HOG Sanktanna.

Darum unternehmen auch heute noch viele ausgewanderte Deutsche lange Reisen zurück in die alte Heimat, um der Kirchweih beizuwohnen. In diesem Jahr kamen rund 350 Personen aus Deutschland, Kanada sowie weiteren Teilen der Welt zurück nach Hause in die Arader Ebene.

Sie tun es nicht nur der alten Zeiten willen, sondern denken auch an die Zukunft der Kleinstadt sowie ihrer Traditionen. Diese könnten nur dann überleben, wenn auch die Jugend Interesse zeigt. Darum richtete sich auch die Botschaft des HOG Vorstandes sowie des aus Regensburg eingereisten katholischen Pfarrers Peter Zillich speziell an die Jugend. Die Stars und Sternchen aus dem Fernsehen sind nicht die Idole, die junge Menschen beeinflussen. Es sind weiterhin die eigenen Eltern, die eine tragende Rolle bei der Entwicklung der Kinder spielen. Nur indem die ältere Generation den alten Traditionen treu bleibt und sie weiter pflegt, kann auch die Jugend herangezogen werden. Nur durch Eigenbeispiel könnte man etwas erreichen, so der Priester, der während des Gottesdienstes auch das Akkordeon hervorholte, um den Chor musikalisch zu begleiten.

Die alte katholische Kirche war am Sonntag Vormittag voll. Sanktanna bleibt eine starke, deutsche Gemeinschaft und eines der Paradebeispiele, wie es die deutsche Minderheit selbst 23 Jahre nach der Wende schafft, zu überleben. „Das ist die wunderschöne Geschichte, dass zuhause in der Heimat die Kirchweih schöner, bunter und farbiger ist“, meint Peter Zillich. „ Es geht mehr zu Herzen, als wenn wir in der Ferne die Traditionen. Auf heimatlichen Boden ist Gott und der Glaube eine andere Qualität als in der Fremde.“

Seiner Meinung schließen sich die meisten Ausgewanderten an. Viele verließen das Land schon vor der Wende in den 1980er Jahren. Theresia Reiter wanderte 1986 illegal aus. Drei Jahre musste sie in Deutschland von ihrem Mann und ihren Kindern getrennt leben. Erst 1989 wurde die Familie wiedervereint. Ihre Eltern wanderten 1994 aus. Manche besitzen noch das alte Elternhaus. Andere haben es inzwischen verkauft. Feste wie die Kirchweih bieten immer den passenden Anlass und den nötigen Vorwand, die alte Heimat wieder zu sehen. Auch wenn viele längst keine Familie oder Freunde mehr in der Kleinstadt haben. Andere, wie etwa Anton Bleiziffer, Kulturreferent der HOG Sanktanna, treiben Projekte zurück. „Ich möchte als Gestalter mitwirken“, so Bleiziffer. „Wir haben eine begeisterungsfähige Jugend, die dieses Fest niemals abgebrochen hat. Es hat sich zwar gewandelt, aber das ist das Wichtigste, denn ein Fest, das nicht wandlungsfähig ist, hat keine Überlebenschancen.“

 

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