Eine begnadete Lehrerin und Forscherin

Zum 100. Geburtstag von Dr. Maja Philippi: 12. Februar 1914 – 10. März 1993

Samstag, 15. Februar 2014

Foto aus: Ortrun Scola und Annemarie Schiel „Siebenbürgisch-sächsische Frauengestalten“, München, 1990, S. 95

Wir gedenken heuer einer bedeutenden Kronstädter und Siebenbürger Historikerin, die vor einem Jahrhundert geboren wurde. Als jüngere Tochter des Arztes Dr. Wilhelm Depner (1875 – 1950) und seiner Frau Margarethe geb. Scherg (1884 – 1970) wurde Maja Depner am 12. Februar 1914 kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges in der Hirschergasse mit der damaligen Hausnummer 21 (heute Nr. 11) geboren.

Maja Depner besuchte in Kronstadt die Volksschule und die Bürgerschule, danach in Hermannstadt das deutsche Mädchenlyzeum. Anschließend studierte sie Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten in Kiel, Freiburg, Göttingen und Hamburg in den Jahren 1932 – 1937.

In Hamburg promovierte sie im Jahre 1937 zum Dr. phil. mit der Dissertation „Das Fürstentum Siebenbürgen im Kampf gegen Habsburg. Untersuchungen über die Politik Siebenbürgens während des Dreißigjährigen Krieges“, die 1938 in Stuttgart auch gedruckt wurde und bis heute als die beste Darstellung des Themas gilt. Ihren Doktortitel nostrifizierte Dr. Maja Depner im Jahre 1940 an der Universität Klausenburg.

Im Jahre 1940 begann Dr. Maja Depner ihre Lehrtätigkeit an der Kronstädter deutschen Frauenschule. Im Jahre 1941 heiratete sie den Geografieprofessor Kurt Philippi (1913 – 2004) und wurde die Mutter von drei Kindern: Friedrich (1942), Astrid (1944) und Kurt (1949).

Dr. Maja Philippi unterrichtete nach ihrer Heirat mehr als drei Jahrzehnte lang an den deutschen Volksschulen  und zuletzt – nach ihrer Pensionierung – auch am Honterus-Lyzeum in Kronstadt. Für ihre hingebungsvolle erzieherische Tätigkeit erhielt sie im Jahre 1971 den Ehrentitel „Verdienter Professor“. Als begnadete Lehrerin hat sie mehr als zwei Dutzend Schülergenerationen in die geschichtliche Dimension eingeführt und mitgeprägt.
Im Alter von über 50 Jahren begann sie sich wieder auch der Geschichtswissenschaft und Forschung zu widmen.Ihre preisgekrönte Arbeit über den Kronstädter Bürgeraufstand von 1688 wurde im Jahre 1965 gedruckt. Besonders untersuchte sie die Sozialstruktur Kronstadts, und beschränkte sich dabei nicht nur auf die Oberschicht, sondern widmete sich auch den Mittel- und Unterschichten der Bevölkerung.

Für die Synthese-Bände „Sächsisch-schwäbische Chronik“ (1976) und „Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens“ (1979) schrieb Dr. Maja Philippi wertvolle Beiträge, ebenso für den Sammelband „Kronstadt. Eine siebenbürgische Stadtgeschichte“ (1999).

Ihr geschichtliches Hauptwerk ist der Band „Die Bürger von Kronstadt im 14. und 15. Jahrhundert“ (1986). Andere größere Arbeiten sind: „Michael Weiß. Sein Leben und Werk in Wort und Bild“ (1982); „Der Bürgeraufstand von Kronstadt 1688“ (1984), „Kronstadt – Braşov, das Bild einer Stadt im 19. Jahrhundert“ (1978). Mehrere Aufsätze von Dr. Maja Philippi erschienen in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften „Forschungen zur Volks- und Landeskunde“ und „Studii şi articole de istorie“.

Zahlreiche Beiträge von ihr wurden jedoch in den Zeitungen „Neuer Weg“, „Karpatenrundschau“, „Hermannstädter Zeitung“, „Kirchliche Blätter“ u. a. veröffentlicht und erreichten so ein breites Leserpublikum. Es ist auch heute noch ein wahrer Genuss, diese „Kabinettstücke“ zu lesen. Eine schöne Auswahl davon ist im Bande „Kronstadt.Historische Betrachtungen über eine Stadt in Siebenbürgen“ (1996) zusammengefasst.
Auch mit  Familiengeschichte hat sich Dr. Maja Philippi befasst. Das schöne Ergebnis trägt den Titel:
„200 Jahre Familie Scherg in Kronstadt. Vom Wollenweber Michael Scherg zur Tuchfabrik Scherg“ (1993).

Dr. Maja Philippi war auch eine aktive  Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Sie hielt zahlreiche Vorträge, um geschichtliches Wissen anschaulich und ansprechend zu vermitteln. Viele Jahre lang war sie auch Mitglied des Presbyteriums der Kronstädter Honterusgemeinde. Als solche war sie die Fachkraft für geschichtliche Probleme und dafür  gewissermaßen die rechte Hand des verdienstvollen Kurators Dr. Otmar Richter (1908 – 1987). Sie war auch maßgeblich an den beiden Ausstellungen „Johannes Honterus“ (1973) und „600 Jahre Schwarze Kirche“ (1984) beteiligt, die am 16. Mai 2012 abgeräumt wurden .

Für die „Karpatenrundschau“ hat Dr. Maja Philippi zahlreiche Beiträge mit eigenen Forschungsergebnissen verfasst. Sie arbeitete  auch mit an den dort veröffentlichten Folgen „Taten und Gestalten“ (1981 – 1982) und „Zeugen der Zeit“ (1983 – 1985).

Die Quellen für ihre Arbeiten fand sie meistens im Kronstädter Staatsarchiv in der alten Schmiedbastei am oberen Ende des Rossmarktes. Hier arbeitete auch der Verfasser dieses Beitrags, der seiner ersten Fachlehrerin für Geschichte später bei ihren Forschungen helfen konnte, was sie auch in ihren Arbeiten wiederholt erwähnt hat.
Für alle ihre schönen Leistungen bewahren wir Dr. Maja Philippi ein dankbares Andenken für ein vorbildliches segensreiches Leben als Frau und Mutter, als Lehrerin und  Forscherin.

Wir erlauben uns bei dieser Gelegenheit auch vorzuschlagen, dass am Geburtshaus von Dr. Maja Philippi in der Hirschergasse Nr. 11, in dem sie auch den größten Teil ihres Lebens verbracht hat, eine Gedenktafel für diese hervorragende Persönlichkeit angebracht wird.

P.S. Im jüngsten Band der „Forschungen ...“ (56/2013) sind interessante Briefe von Dr. Maja Depner an Prof. I. Lupaş in Klausenburg veröffentlicht.

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