Eine bürgerliche Prinzessin

Dorothea „Dota“ Kehr bot dem Hermannstädter Publikum ein besonderes Konzert

Samstag, 22. September 2012

Die Musik der Kleingeldprinzessin ist nicht nur Genuss, sondern auch ein Denkanstoß.
Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Draußen fiel Regen. Auf der großen Veranda des „Music Pub“ gab es plötzlich keinen freien Platz. Doch die zahlreichen Besucher versteckten sich nicht vom himmlischen Wasser, sondern kamen, um einer jungen Sängerin aus Deutschland zuzuhören. Das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt/Sibiu lud am Donnerstagabend zum Konzert der Kleingeldprinzessin ein. Drinnen war die Atmosphäre kuschelig warm und ein wenig gespannt.

Eigentlich hat die Kleingeldprinzessin auch einen bürgerlichen Namen, Dorothea („Dota“) Kehr. Studiert hat sie Medizin, doch die Musik begleitet sie seit vielen Jahren. Zuerst spielte Dota Saxophon. Erst mit 21 Jahren machte sie sich mit der Gitarre vertraut. Den Ehrennamen „Kleingeldprinzessin“ erwarb sie beim Musizieren auf der Straße und behielt ihn als Künstlername.

Dotas Musik war zuerst von den Bosa-Nova-Rhythmen beeinflusst. Das jüngste Album der Sängerin der 2003 gegründeten Band „Die Kleingeldprinzessin und die Stadtpiraten“ steht unter stärkerem Einfluss von Folk Rock und Elementen aus Jazz.

In Hermannstadt stellte die Künstlerin mehrere Songs vor. Eigentlich schreibe sie nur traurige oder unheimliche Lieder, behauptete Dota. Doch ein gewisser, etwas schwarzer Humor ist fast allen ihrer Lieder eigen. Für das Publikum im „Music Pub“ sang sie sogar zwei „lustige“ Songs. Doch auch das Lied „Der kleine Beobachter“ würden die Meisten nicht als ein lustiges Lied an der Anfangszeile erkennen: „Meistens sehe ich die Welt in verschiedenen Schattierungen von Schwarz“.

Die Songs der Kleingeldprinzessin erzählen Geschichten aus dem nicht ganz alltäglichen Alltag: mit Problemen, Träumen, Wünschen, der plötzlichen Lust nach bestimmten Getränken und selbstverständlich mit der Liebe, die ist aber „ein Bonbon und löst sich ganz langsam auf“. Doch auch die Politiker und der Staat bekommen von der Sängerin einen auf den Deckel. So geht es im Lied „Utopie“ nicht nur um ein Stück vom Kuchen, es geht um ganze Bäckerei. Die Aussage „Im Brüssel sitzt ein Ungeheuer, das in Rätseln zu mir spricht“ könnte zweifelsohne von vielen Bürgern der Europäischen Union unterschrieben werden.

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