Eine Chance für das Weiterbestehen

Förderung des deutschsprachigen Schulwesens in Rumänien

Donnerstag, 27. November 2014

Deutsche Schulen sollen durch erhöhte Sprachkompetenz der Lehrer zum Erhalt der deutschen Sprache in unserem Land beitragen. Im Bild die traditionsreiche Honterusschule in Kronstadt

Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) begrüßt die Entscheidung des Deutschen Bundestags, das deutschsprachige Schulwesen in Rumänien finanziell zu fördern.

Die rumänische Gesetzgebung bietet gute Voraussetzungen für den Unterricht in den Sprachen der nationalen Minderheiten. Artikel 46 (1) des Bildungsgesetzes (Legea Educaţiei Naţionale) sieht vor, dass in Schulen mit Unterricht in den Sprachen der nationalen Minderheiten alle Fächer mit Ausnahme des Faches „Rumänische Sprache und Literatur“ in der jeweiligen Minderheitensprache unterrichtet werden. Im Falle der deutschsprachigen Schulen, die mehrheitlich von Schülern rumänischer Muttersprache besucht werden, erlaubt der Unterricht zahlreicher Fächer auf Deutsch ein gutes Erlernen der deutschen Sprache, in der Regel weit besser als es der Fremdsprachenunterricht ermöglicht.

In den letzten Jahren sind leider immer weniger Fächer auf Deutsch unterrichtet worden, da die Zahl der Lehrer, die diese Sprache beherrschen, abnimmt. Ältere Lehrer gehen in Rente und junge kommen kaum nach, denn verschiedene Bereiche der Wirtschaft bieten gut ausgebildeten Jugendlichen – besonders, wenn sie auch die deutsche Sprache beherrschen – weit bessere Verdienstmöglichkeiten als die Schule. Das führt zu einem akuten Mangel an deutschsprechenden Lehrern. Die Tatsache, dass zusehends weniger Fächer in deutscher Sprache unterrichtet werden, hat sich auf das Sprachkönnen der Schüler bereits negativ ausgewirkt und auch zur berechtigten Unzufriedenheit der Eltern geführt.

Die Schulen mit Unterricht in deutscher Sprache sind des Lehrermangels wegen in ihrer Existenz gefährdet. Der großzügige Rahmen, den die rumänische Gesetzgebung für den Unterricht in den Sprachen der nationalen Minderheiten bietet, kann unter den gegebenen Umständen in den deutschsprachigen Schulen – zum Nachteil aller Lernenden, ganz gleich welcher Muttersprache sie auch seien – nicht genutzt werden
Es ist ein Hauptanliegen des DFDR, ein Schulwesen zu erhalten, in dem möglichst viele Fächer in deutscher Sprache unterrichtet werden können.

Da bis jetzt keine wirksamen Maßnahmen getroffen wurden, um den Lehrerberuf für junge Menschen, die die deutsche Sprache beherrschen, attraktiv zu machen, hat sich das DFDR im Jahr 2013 an den Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten mit der Bitte gewandt, im Sinne der Gewährung einer finanziellen Unterstützung für die Lehrer zu wirken, die an Schulen mit Unterricht in der Sprache der deutschen Minderheit in deutscher Sprache unterrichten. Wenn es gelingt, eine solche Förderung für mehrere Jahre aufrecht zu erhalten, besteht die Aussicht, dass dieses Schulnetz (von der Grundschule an bis zum Lyzeum) durch den Eintritt junger Lehrer erhalten bleibt. Andernfalls geht es seinem sicheren Ende entgegen.

Dass es erstmals gelungen ist, im Bundeshaushalt einen Posten für eine derartige Förderung vorzusehen, ist der Tatsache zu verdanken, dass eine Reihe von Bundestagsabgeordneten die Bedeutung dieses Schulwesens erkannt und sich für die Maßnahme eingesetzt haben. Ihnen allen gilt unser aufrichtiger Dank. Diese Förderung bietet den deutschsprachigen Schulen und Schulabteilungen in Rumänien eine Chance auf Weiterbestehen.


Martin Bottesch
Vorsitzender des Siebenbürgenforums
Stellvertretender Vorsitzender des DFDR

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 03.12 2014, 13:16
Der deutsche Staat- das auswärtige Amt ist da zuständig, wenn ich richtig informiert bin- hat, seit die SPD an der Macht mitmischt, die Finanzierung für die Goethe-Institute sowie für Deutsch als Fremdsprache seit Jahrzehnten zurückgefahren.
Deutschland will anscheinend nicht, daß in der Welt mehr Deutsch gelernt und gesprochen wird.
Ich persönlich finde diese deutsche Politik falsch.
Nicht zuletzt könnte der deutsche Staat aus seiner Portokasse ein paar Millionen EUR für den Unterricht in deutscher Sprache in Rumänien und anderen Ländern, wo die Bürger das wollen, bereitstellen.
Doch das tut er nicht, obwohl anderseits zig Milliarden EUR für irgendwelche virtuelle Projete irgendwo in der Welt ausgegeben werden von Deutschland, die weder Deutschland, noch seiner Sprache, noch den lernwilligen Weltbürgern, weiterhelfen.
Auch in Deutschland scheint das Dickicht in der Tagespolitik undurchsichtig zu sein.
Constantin, 02.12 2014, 17:24
@dan: Lieber Dan, die Eltern finanzieren das schon, wie Sie selbst oben schon erwähnt haben... Die Lehrer wollen es nicht, dass all das offiziell wird, aus verständlichen Gründen (Steuern, weniger Geld für Sie, Verteilung an alle im Kollegium... kurz gesagt, fehlende Sozialkompetenz).
Der rumänische Staat sollte ALLE Schulen mit mehr Geld unterstützen, könnte aber nicht diskriminieren. Der deutsche Staat kann die deutschen Schulen unterstützen, es ist seine Sache, obwohl es schon problematisch ist: warum auch nicht die Lehrer unterstützen, die Deutsch als Fremdsprache in rumänischen Schulen unterrichten?
dan, 02.12 2014, 11:00
Solange sich bei den Lehrern alles nur um´s Geld, und nicht um die Schüler dreht, wird es in Rumänien kein ausreichend gutes staatliches Schulsystem geben.
Alle Verantwortlichen in Staastdiensten sind daran schuld, daß diese Misere seit Jahren besteht.
Wenn sich alles nur noch um´s eigene Weiterkommen dreht, dann ist das rumänische Schulsystem am Ende, seit Jahren schon.
Es wird nicht nach Leistung, sondern nach anderen Kriterien ein Gehalt an Lehrer bezahlt, die zu oft mehr Interesse daran haben, daß ihre Schüler in ihre Nachhilfestunden kommen.
So kann kein Schulsystem funktionieren.
Natürlich sind die Lehrer miserabel bezahlt.
Doch richtig scheint das niemanden zu stören... auch die Lehrer nicht, auch den Staat nicht, und insbesondere auch die Eltern nicht.
Sonst hätte sich was geändert.
Tourist, 01.12 2014, 17:46
@dan: Lieber Dan, die Lehrer in den deutschsprachigen Schulen und Klassen verdienen genau gleich viel, wie die Lehrer in den rumänischsprachigen Schulen/Klassen. Der Unterschied ist nur, dass Leute die sehr gut Deutsch können (was bei diesen Lehrern der Fall ist) eher auswandern und einen Job im Westen annehmen, dann aber im Schulsystem fehlen. Auch im Land finden sie leichter einen besser bezahlten Job in der Privatwirtschaft. Im Staatsdienst sind die Gehälter ja wirklich mies. Die Lehrer im rumänischsprachigen System bleiben eher Budgetar, weil sie eben nicht so viele Alternativen haben.
dan, 01.12 2014, 10:21
Sehr geehrter Herr Bottesch,
die Frage ist, warum der rumänische Staat nicht mit mehr Geld die deutschen Schulen in Rumänien unterstützt?
Denn es sind seine Staatsbürger, die von diesen Schulen profitieren.
Welche privaten rumänischen Vereine gibt es, die diese deutschen Schulen finanziell unterstützen?
Die Eltern der Kinder, die auf diese Schulen gehen, könnten doch ein kleines Schulgeld bezahlen, um die Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen.

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