Eine ernste Mahnung mit künstlerischen Mitteln

Fotos von Kirchenburgen in Siebenbürgen von Peter Jacobi im Bukarester Bauernmuseum

Donnerstag, 27. August 2015

Der gebrochene Altarsockel in Wermesch/Vermeş, das kaputte Schulgebäude in Arkeden/Archita, die offene Kirchenruine in Wölz/Velţ mit dem unter dem Schutt begrabenen Altar, das abgestützte Gewölbe in Tekendorf/Teaca, die Reste des Uhrwerks in Pretai/Brateiu, der einstige Gebetsraum mit Resten des Altars und des Taufbeckens in Felldorf/Filitelnic, der jetzt als Trockenraum benutzt wird: All das stellt sich zu einem düsteren Bild zusammen und zeigt eine Momentaufnahme der Situation der Wehrkirchen in Siebenbürgen, die vom Bildhauer Peter Jacobi (80) vor einem Jahrzehnt dokumentiert wurde. Entstanden ist eine Fotoausstellung, die nach mehreren Stationen im In- und Ausland jetzt im Bukarester Bauernmuseum besichtigt werden kann und die das Ziel hat, das Publikum auf die Gefährdung des zum Teil von der UNESCO anerkannten Weltkulturerbes der Siebenbürger Sachsen in Rumänien aufmerksam zu machen. Die Fotoausstellung im Bauernmuseum zeigt eine Auswahl aus den 2000 Fotos, die Peter Jacobi dem Bukarester Bauernmuseum gestiftet hat.

Die fast 900-jährigen kulturellen Leistungen der Siebenbürger Sachsen widerspiegeln sich in den ungefähr 300 Kirchen und Wehrkirchen, die es noch gibt. Die Kirchenburgen, die früher als Zentren des deutschen gesellschaftlichen Lebens galten, verfallen, da die meisten Siebenbürger Sachsen in den 90er Jahren ausgewandert sind. Der Bildhauer Peter Jacobi hat rund 200 Kirchenburgen und Anlagen in den Jahren 2004-2005 fotografiert und seine Arbeit mit Notizen zum Zustand der Kirchen ergänzt. Ein Teil der Gotteshäuser ist bereits eingestürzt oder in sehr schlechtem Zustand. An vielen anderen wurde mehr oder weniger aufwändige Restaurierungs- oder auch nur Konsolidierungsarbeiten durchgeführt. Trotzdem bleibt die Frage offen: Wer sorgt für diese Baudenkmäler? Jacobis Fotos sind eine Mahnung, er möchte künstlerisch Leute dazu auffordern, sich für die Erhaltung des unwiederbringlichen Kulturguts Kirchenburgen einzusetzen. Peter H. Jacobi wurde in einer sächsischen Familie in Ploieşti geboren. 1961 absolvierte er sein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Bukarest. Später übersiedelte er in die Bundesrepublik Deutschland. Zwischen 1971 und 1998 betätigte er sich als Professor an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. Er lebt und arbeitet jetzt in Wurmberg bei Pforzheim. Ihm sind die Siebenbürger Kirchenburgen vertraut, ihre historische Bedeutung kennt er bestens. Dabei geht es um das kulturelle Erbe vieler Generationen, das in den Siebenbürger Dörfern und Kirchenburgen liegt. Besichtigen kann man die Ausstellung noch bis Sonntag im Irina-Nicolau-Saal, der Eintritt ist frei. Einen Teil der Fotos kann man auf der Internetseite peterhjacobi.de einsehen. Eine CD „Stilleben nach dem Exodus – Wehrkirchen in Siebenbürgen“ ist im Schiller Verlag Hermannstadt erschienen und kann im Bauernmuseum oder bei www.schiller.ro bestellt werden.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 13.09 2015, 10:10
Cezar schreibt: "westliche Medien, als Moderatoren der "Wirtschaft" tun, um qualifizierte Arbeitskräfte aus Rumänien nach Deutschland zu holen"

und vergisst dabei, daß die rumänischen Regierungen seit 1990 bisher es nicht geschafft haben:
- den Bürgern Rumäniens aus der Armut herauszuhelfen
- aufbauend auf die kommunistische Wirtschaft vor 1990, die quasi allen einen Arbeitsplatz bot, weiterhin die meisten Betriebe und Arbeitsplätze zu erhalten
- eine Gesetzgebung zu haben, die die Schwachen schützt und diejenigen Starken, die gegens Gesetz verstoßen, entsprechend zu bestrafen.

Die Abwanderung der Bürger Rumäniens aus der Not heraus nach Westeuropa ist ein Resultat des schlechten Verwaltens durch die Regierungen Rumäniens. Wenn die Bürger sich nicht auf ihre Regierungen und Behörden verlassen, und von heute auf morgen ums Überleben kämpfen, oder wenn sie schlecht bezahlt werden oder keinen geeigneten Arbeitsplatz finden, weil die Regierungen nichts tun, damit die Wirtschaft gut geht, dann sind sie gezwungen, im Ausland zu arbeiten.
Das ist nicht nur Rumänien, sondern auch vielen anderen Ländern passiert.
dan, 12.09 2015, 15:31
Cezar,

die Gesamtsituation der ehem. deutschen Kirchen - Verfall und Leere- spiegelt die Gesamtsituation der Sb. Sachsen, Banater in Rumänien wieder.
Sie ist das Resultat der Romanisierungspolitik, die auch heute weitergeht, wenn man die BOR-Kirchen an jedem Ort sieht, auch wenn dort kein Rumäne lebt.

Sowie der Unterdrückung und des Rechtsmißbrauchs, die die Sb. Sachsen seit 1920, vermehrt 1944-1990, aber auch danach- keine Rückgabe ihres Eigentums- erlebt haben und erleben.
Die Sb. Sachsen sind deswegen ausgewandert, weil sie den Politikern in Rumänien aufgrund 70 Jahren an Assimilationsdruch, Deportation, Einteignung, nicht mehr glauben konnten.
Obwohl ihnen von Maniu und Co., Ceausescu, Iliescu und Johannis bis heute die Bewahrung ihrer Rechte und ihres Eigentums zugesichert wurde- siehe Deklaration von Alba Iulia-.

Die Schuld allein auf die Landsmannschaft zu schieben, ist sicher falsch.
Zuerst mal die Geschichte in Rumänien kennen, so wie sie ist, wäre sinnvoll.
Die Deutschen Rumäniens wurden nicht abgeworben, sondern von rumänischen Bolschewisten an Deutschland verkauft.

Ich gehe davon aus, daß Sie jünger sind, vielleicht sogar nach 1990 geboren.
Bevor Sie weiterschreiben, informieren Sie sich, um qualifiziert zu argumentieren.
Cezar, 04.09 2015, 12:26
Es geht ja hier nicht nur um den "Trockenraum" in der Kirche von Filitelnic/Felldorf sondern um die Gesamtsituation der ehemaligen deutschen Kirchen und Kirchenburgen bzw. mancher ehemals von Deutschen bewohnten Ortschaften. Da kann man nämlich hunderte Ruinen sehen...
Schuld am Exodus und dem Kulturverlust sind auch die sog. Landmannschaften, die ständig die Deutschen abgeworben haben (so, wie es jetzt indirekt westliche Medien, als Moderatoren der "Wirtschaft" tun, um qualifizierte Arbeitskräfte aus Rumänien nach Deutschland zu holen).
Ist es so schwer, diese Wahrheit zu erkennen und sie dann aber auch offen auszusprechen?
dan, 29.08 2015, 07:50
Die Ausstellung zeigt teilweise schon veraltete Informationen von 2007 eines Fotografen Peter Jakobi.

Falsch ist: "in Felldorf/Filitelnic, der jetzt als Trockenraum benutzt wird"
Richtig ist, daß Felldorf restauriert wurde, und dort kein Trockenraum mehr ist.
usw.

Die ADZ-Redakteure sollten professioneller werden, wenn dieses Blatt nicht noch mehr an Qualität verlieren soll.

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