Eine flammende Auseinandersetzung

Die Rumänische Orthodoxe Kirche kämpft mit allen Waffen gegen die Feuerbestattung

Samstag, 12. Januar 2013

Foto: sxc.hu

Unabhängig davon, welche Meinung man über Sergiu Nicolaescu und sein Werk hat, für eine Sache sollte man ihm – eigentlich seinem Tod – danken. Hätte sich der verstorbene Regisseur und Schauspieler nicht für die Einäscherung entschieden, wäre die Einstellung der Rumänischen Orthodoxen Kirche (BOR) gegenüber dieser Art der Bestattung für die Öffentlichkeit nicht so klar geworden.

Am 5. Juli 2012 bestätigte die Synode der BOR ihre eigenen Beschlüsse aus den Jahren 1928 sowie 1933 „im Zusammenhang mit der unchristlichen Praxis der Einäscherung der Toten“. So heißt es hier im ersten Artikel: „Aber denjenigen, die aus eigenem Willen (sic!) verbrannt wurden oder verbrannt werden, sind jeglicher Gottesdienst bei der Beerdigung sowie jegliche Seelenmessen zu verweigern.“ Da kann man sich nur wundern. So geht also die BOR mit den ihr anvertrauten Schäfchen um. Denn nur ein Orthodoxer wird einen orthodoxen Gottesdienst wünschen. Ich bezweifele, dass ein evangelischer, katholischer oder sonst welcher Christ einen prachtvoll gekleideten, Weihrauchfass schwingenden und dafür kein schlechtes Geld kassierenden Pfarrer an seinem Sarg sehen will.

Wie kann eine Kirche einem getauften Christen sowohl das letzte Geleit als auch die Gebete für seine Seele verweigern, nur weil er sich für eine „nicht traditionelle“ Form der Bestattung entschieden hat? Die Begründung für diese wahrlich unchristliche Tat fanden die Kirchenobersten (die hochheiligen und erhabenen Bischöfe) an einer einzigen Stelle in der Bibel. Bei der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies richtet Gott an Adam folgende Worte: „Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ Etwas früher erfährt der Bibelleser, dass Gott den ersten Menschen tatsächlich aus „Erde vom Acker“ gemacht hat. Doch richteten sich diese Worte auch an die nachfolgenden Generationen von Menschen? In der Bibel findet man weder eine Anweisung betreffend die Art der Bestattung noch ein ausdrückliches Verbot der Feuerbestattung. Da hat sich die Kirche schon wieder etwas ausgedacht.

Der Verfechter des christlichen Glaubens aus dem 2. Jahrhundert, Marcus Minucius Felix, schreibt in seinem einzig erhaltenen Werk: „Auch fürchten wir nicht durch die Verbrennung der Leichen irgend einen Verlust, sondern wir benutzen die alte und bessere Gewohnheit der Beerdigung.“ Kann es sein, dass dieser frühe Christ viel mehr Vertrauen in die Macht Gottes hatte, als die christlichen Kirchen heutzutage? Zweifeln die „hochheiligen“ Bischöfe der BOR daran, dass Gott einen Menschen aus der Asche genau sogut auferstehen lassen kann, wie aus der Erde, zu der ein verwester Körper im Grab wird? Lehrt sie doch der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief: „Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“
Viel schlimmer ist aus theologischer Sicht die Verweigerung des Gottesdienstes und der Gebete für die Seele des Verstorbenen. Sogar die große russisch-orthodoxe Schwesterkirche, die man wahrlich nicht als die fortschrittlichste orthodoxe Kirche bezeichnen kann, verweigert „den Seelen der Verstorbenen, auf Grund der gewählten Bestattungsform ihre Gebete nicht. Der Begräbnisgottesdienst ist ein Gebet für die Seele und spielt nur für diese eine Rolle“, erklärt der Abt Fedor Jablokov.

Kann es sein, dass die BOR  mit diesem strikten Beschluss eigentlich nur ihre Profite aus der Beerdigungsindustrie schützen will, wie einige Kommentatoren vermuten? Dass es ihr dabei nicht um das Seelenheil der eigenen Gläubigen geht, ist wohl klar. Im selben, oben zitierten Beschluss wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jeder Priester, der sich dieser Entscheidung widersetzt, vom Dienst suspendiert und dem kirchlichen Gericht vorgeführt wird. Sie können sogar strafrechtlich verfolgt werden, da sie „einen materiellen Nutzen von den trauernden Angehörigen zu erhalten trachten“. Sehr erfreulich zu hören, dass die BOR sich um das materielle Wohlergehen der Hinterbliebenen kümmert, besonders weil eine orthodoxe Beerdigung nach allen Regeln der Kunst ja so „billig“ ist.

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