Eine Gemeinschaft, die auf Eigeninitiative baut

„Museum der Zeidner Traditionen und öffentlichen Lokalverwaltung“ unter großer Teilnahme eröffnet

Freitag, 27. Mai 2016

Das Museum der Zeidner Traditionen ist neuer Anziehungspunkt der Stadt.

Blick in einen der Museumsräume. Im Vordergrund in der Glasvitrine das Schwert aus dem 13. Jahrhundert.

Bei der Eröffnung des Museums nahmen zahlreiche in- und ausländische offizielle Gäste teil, die im Innenhof der Kirchenburg eintrafen.

Die Liste der Spender für das Museum ist einzusehen.

Freitag, der 13. Mai 2016, ist ein Tag, der sicher auch in die Jahrhunderte alte Geschichte von Zeiden eingehen wird.  Denn dieses ist der Stichtag für die Geburt eines städtischen Museums in dieser Ortschaft, deren urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1377 als Cidinis fällt, und danach u.a. unter Benennungen wie Cydinium, Zidinium, Zeidinium, Czeyden in Urkunden anzutreffen ist. Eben diese Geschichte, das Zusammenleben von Sachsen, Rumänen, Ungarn  in dieser Ortschaft, die gute Gemeindeverwaltung in den verflossenen Jahrhunderten, Persönlichkeiten,  sollen im an diesem Festtag eröffneten „Museum der Zeidner Traditionen und öffentlichen Lokalverwaltung“ reflektiert werden. Allein schon der Bau ist historisch, da das Museum im alten Rathaus, errichtet in den Jahren 1828 – 1830, eröffnet wurde und vor allem auf Exponate aus Spenden der Ortsbewohner bauen soll. Die Idee einer derartigen Einrichtung kam dem Altnachbarvater der Zeidner Heimatortsgemeinschaft in Deutschland, Udo Buhn, als er 1990 gleich nach der Wende  mit Hilfsaktionen dort eintraf, und dafür sich bei allen bisherigen Bürgermeistern im Namen der HOG einsetzte.

Schließlich sollte es unter dem amtierenden Bürgermeister Cătălin Muntean verwirklicht werden, als alle Hürden beseitigt waren und die ärztlichen Praxisräume aus dem Gebäude des alten Rathauses ausgelagert werden konnten. Der vom Bürgermeisteramt  gestellte Antrag auf eine europäische Finanzierung an die Entwicklungsregion Zentrum hatte schließlich Erfolg und 2013 wurde der Vertrag für die Sanierungsarbeiten dieses Baus, der Bibliothek, des Kulturhauses und des alten Stadtzentrums genehmigt. Rund drei Millionen Euro wurden dafür erhalten, 750.000 Euro wurden allein in diese Restaurierung des Alten Rathauses investiert. Dieses stellt auch den Zugang zu dem Inneren der Kirchenburg dar, in der sich an diesem Tag, dank von Pfarrer Andreas Hartig und des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde A.B., die zahlreichen hochrangigen Gäste einfinden konnten.

Der Festakt wurde von Bläsern der Burzenländer Blaskapelle eingeleitet und weiter musikalisch umrahmt – auch durch das Ertönen des Siebenbürgen-Liedes und zum Abschluss der Staatshymne. Anwesend waren u.a. der Präfekt des Kronstädter Kreises Ciprian Băncilă, Abgeordnete im Parlament, Kuno Kraus und Odo Buhn seitens der HOG Zeiden in Deutschland, Bürgermeister aus dem Burzenland, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt Wolfgang Wittstock, die Vorsitzende des Zeidner Ortsforums Sandra Nicolescu. Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste von Corina Slăvianu, die im Rahmen des Zeidner Bürgermeisteramtes zuständig für Konservierungsmaßnahmen ist und die Moderation übernahm. Bürgermeister Cătălin Muntean und die Chefarchitektin der Stadt Claudia Bradu nahmen Bezug auf die Stadtgeschichte und die drei Jahre dauernden Restaurierungen  der Bibliothek, des alten Rat- und des Kulturhauses. Grüße seitens der Heimatortsgemeinschaft Zeiden in Deutschland überbrachte deren stellvertretender Vorsitzender Kuno Kraus, der die wichtige Rolle eines Museums hervorhob, da „nur wenn man weiß, von wo man kommt, auch weiß, wohin man geht“. Udo Buhn  unterstrich, dass das Museum ein neuer Anziehungspunkt für Zeiden ist und eine willkommene Ergänzung zu den anderen Museen in dem Gebiet darstellt. „Wir werden das Museum nicht überleben, doch sicher dieses uns“ betonte er. Seitens des Zeidner Ortsforums sprach Ella Josef den Enthusiasmus aus, „dass wir uns somit besser an unsere Vergangenheit erinnern werden“.

Nicolae Pepene, Direktor des Geschichtsmuseums des Kronstädter Kreises, der die Einrichtung des Zeidner Museums koordiniert hat, unterstrich, dass dieses einer der schönsten Augenblicke sei, in denen eine Gemeinschaft nicht auf die Hilfe von Ministerien oder zentralen Institutionen wartet, sondern aus Eigeninitiative etwas unternimmt. Zeiden sei an diesem Tag die Kulturhauptstadt des Burzenlandes.  Auch sprach er seinen Glückwunsch Pfarrer Andreas Hartig  für den guten Zustand der Zeidner Kirchenburg aus. Als Geschenk überbrachte er ein in der Schwarzburg entdecktes Schwert des Deutschen Ritterordens aus dem 13. Jahrhundert, das aber aus Sicherheitsgründen nur am Eröffnungstag zur Schau gestellt wurde. „Es ist begrüßenswert, dass die Zeidner Kulturwerte aus Schenkungen hier konzentriert, registriert und gesichert sein werden“ betonte er, und  verpflichtete sich, eine fachkundige Ortsmonographie auszuarbeiten. Die sächsische Tanzgruppe des Ortsforums und die rumänische Volkstanzgruppe Măgura schlossen den festlichen Rahmen ab.

Nachdem das Band  zwischen Eingang und dem bis zum Zeitpunkt eingerichteten sächsischen Teil des Museums durchgeschnitten worden war, konnten die professionell eingerichteten Räume besichtigt werden. Darin sind sächsische und rumänische Trachten zur Schau gestellt, verschiedene Haushaltsgeräte, Ansichten von Zeiden, Werbematerialien ehemaliger Zeidner sächsischer Betriebe, Möbel, das erwähnte Schwert. Ein Sonderteil ist den beiden großen Söhnen der Ortschaft, dem Flugpionier Albert Ziegler und dem Maler Eduard Morres gewidmet, deren Büsten, Werke des einheimischen Künstlers Petre Buhnici dort ausgestellt sind. Eine Tafel im Treppenbereich hält die Namen der Spender fest, die ihren Beitrag zur Einrichtung dieses Museums gegeben haben. Es bleibt nur zu hoffen, dass so bald wie möglich auch die weiteren Abteilungen des Museums der Zeidner Traditionen und öffentlichen Verwaltung voll eingerichtet und eröffnet werden. Den Zeidnern steht nun somit eine Kulturinstitution zur Verfügung, die die eigene Geschichte und die eigenenTraditionen widerspiegelt, wo sie mit diesen vertraut gemacht werden.
        



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