Eine große Schule mit besonderen Herausforderungen

Gespräch mit Alin Bourceanu, Vorsitzender des Kronstädter Vereins „PROHONTERUS“

Mittwoch, 28. November 2018

Der Verein „PROHONTERUS“ setzt sich zum Ziel, Schule und Schüler des Honteruslyzeums zu unterstützen.
Foto: Laura Căpăţână-Juller

Alin Bourceanu
Foto: Ralf Sudrigian

Das Kronstädter Honteruslyzeum gehört zu den größten und bekanntesten Schulanstalten des Landes mit deutschsprachigem Unterricht. Der Verein „PROHONTERUS“ besteht aus Eltern der Schüler, die da von der Vorbereitungsklasse bis zur 12. Klasse lernen, sowie aus ehemaligen Honterus-Absolventen. Ihm steht zurzeit der Rechtsanwalt Alin Bourceanu (38) vor. Er selber hat von der ersten bis zur zwölften Klasse die Honterusschule besucht und ist nun Vater einer Tochter, die in der vierten Klasse dieser traditionsreichen Schule eingeschrieben ist. Bourceanu, der sich für die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und ihre Beziehungen zur rumänischen Mehrheitsbevölkerung und zu den anderen Minderheiten interessiert, hat auch siebenbürgisch-sächsische Vorfahren: Eine Großmutter ist Sächsin aus der Hermannstädter Gegend.
Im folgenden Interview mit Ralf Sudrigian spricht der PROHONTERUS-Vorsitzende Alin Bourceanu über die Unterstützung für das Kronstädter Lyzeum, über dessen spezifische Probleme aber auch über mittel- und langfristige Zukunftspläne.


Welchen Zweck verfolgt der Verein PROHONTERUS?

Der Verein wurde vor zwölf Jahren gegründet. Zum damaligen Zeitpunkt sollte der Verein Vertreter der Eltern für den Verwaltungsrat des Honteruslyzeums vorschlagen. Diese Aufgabe hat inzwischen der Elternbeirat übernommen, der aber keine Rechtsperson ist. Vorsitzender dieses Beirats ist Stadtrat Christian Macedonschi; Stellvertreter sind Ani Macedon und meine Wenigkeit. PROHONTERUS unterstützt und trägt zur Finanzierung der schulischen und außerschulischen Tätigkeiten bei und schlägt auch eigene Programme vor. Außer den traditionellen Tätigkeiten (Honterusfest, Honterus-Skipokal, Fasching) haben wir im vorigen Schuljahr zum Beispiel eine Gesprächsrunde angeregt zum Thema Vorbeugung des Drogenkonsums unter den Schülern. Mit Schuldirektor Radu Chivărean gibt es eine gute Zusammenarbeit; er beweist immer wieder, dass er ein offenes Ohr für die Belange der Eltern hat und ist uns gegenüber stets aufgeschlossen.

Gibt es Schwierigkeiten im Unterrichtsprozess, die der Verein feststellen konnte, und, falls ja, wie kann er helfen, diese zu beheben?

Was wir als Eltern feststellen konnten, ist es ein Problem, Lehrkräfte zu finden und einzustellen, die sehr gut Deutsch sprechen. Es gibt immer weniger Lehrer, die Deutsch zur Muttersprache haben. Zum Glück gibt es Lehrer, die Deutsch-Sprach- und Fortbildungskurse besucht haben. Aber noch gibt es auch Fächer, die von Lehrern unterrichtet werden, welche nicht über entsprechende Deutschkenntnisse verfügen, sodass der Unterricht, von diesem Standpunkt aus, zu leiden hat. Schule und Deutsches Forum bemühen sich, Lehrer zu finden, ausländische Gastlehrer einzustellen. Leider ist das Interesse für den Lehrerberuf nicht so groß. Die Besten ziehen es vor, in der privaten Wirtschaft einen Arbeitsplatz zu suchen.
Was die Rahmenbedingungen betrifft, so ist zurzeit an der Honterusschule ein Mangel an für einen modernen Unterricht entsprechend großen und ausgestatteten Klassenräumen festzustellen. Sie verfügen über Schulbänke, Katheder und Tafel, aber das reicht nicht aus. Es gibt auch Fachlabors, die meisten werden aber als gewöhnliche Klassenräume genutzt. Eine Ausnahme stellt das Biologie-Labor dar. Es fehlt auch an Lehrbüchern in deutscher Sprache.
Die Schulleitung hat versucht, Reparaturarbeiten abzuwickeln. Für laufende Reparaturen gibt es auch eine Zuwendung seitens des Bürgermeisteramtes. Weil es aber keinen rechtskräftigen Mietvertrag zwischen Bürgermeisteramt und Honterusgemeinde als Eigentümerin der Schulgebäude gibt, können die erforderlichen größeren Geldsummen für umfassende Renovierungsarbeiten nicht aus Staatsgeldern zugewiesen werden. Vieles musste deshalb mit Unterstützung seitens der Eltern und aus Spenden gedeckt werden.

Wo liegen die Probleme der vertraglichen Beziehungen zwischen evangelischer Honterusgemeinde und Kronstädter Bürgermeisteramt?

Wir als Eltern sind eigentlich nur Zuschauer des ganzen Trubels, an dem Kirchengemeinde, Bildungsministerium, Schulamt, Schule und Bürgermeisteramt beteiligt sind. Die Kirche wartet auf die Auszahlung einer Miete seitens des Bürgermeisteramtes, wobei aber, zumindest für das ehemalige Sportlyzeum (heute Teil des Honteruslyzeums), kein unterzeichneter Mietvertrag vorliegt. Das Bürgermeisteramt bekundet, soviel wir wissen, seine Bereitschaft, für Renovierungsarbeiten Geldmittel zur Verfügung zu stellen, kann das aber angeblich nicht tun, weil der dafür vorausgesetzte rechtliche Rahmen noch fehlt. Seit zu langer Zeit gibt es diesen Stillstand: Die Kirche wartet seit rund zehn Jahren auf Gelder, die ihr natürlich auch zustehen; das Bürgermeisteramt zahlt nichts. Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es – Tatsache ist aber, dass in dieser Angelegenheit nichts geschieht.

Wir, Eltern und PROHONTERUS-Mitglieder, erwarten als Zaungäste dieser Blockade, dass die Kirchenleitung endlich ein klares Wort spricht, die sprichwörtlichen Zügel in die Hand nimmt und ihre Absichten bekannt gibt. Honterus sollte da, wenn ich meine persönliche Meinung einbringen darf, ein Beispiel sein: Er hat sich vor 500 Jahren nicht gescheut, viel größere und umfangreichere Schritte zu tun. Die Leitung der Kronstädter Honterusgemeinde sollte ihre Erwartungen und Absichten in einer Mitteilung bekannt machen, zum Beispiel in der Form: „Die Honterusgemeinde ist bereit, für die nächsten …. Jahre die Gebäude als Schulgebäude unter folgenden Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen.“ Selbstverständlich steht ihr dafür eine Entschädigung zu, denn niemand kann verlangen, dass sie ihre Gebäude dem rumänischen Staat, also dem Bürgermeisteramt Kronstadt, kostenlos überlässt. Beim Bürgermeisteramt umgeht man die Auszahlung einer Miete mit der Behauptung, es gäbe keinen solchen Mietvertrag, wobei allerdings auch davon ausgegangen werden kann, dass die Stadtverwaltung so einen Mietvertrag nicht unterzeichnen würde. Leider stecken wir seit rund zehn Jahren in dieser Sackgasse.

Immer wieder spricht man von Klassenfonds. Wie ist es damit bestellt?

Gegenwärtig gibt es keine gesetzliche Grundlage für solch einen Fonds, sowohl für eine Klasse als auch für die Schule. Das Bildungsministerium gestattet es nicht, die Eltern zur Zahlung von Geldern zu verpflichten oder anzuregen. Das ist auch richtig so, denn das Recht auf Erziehung ist in der Verfassung verankert. Die Kinder haben das Recht auf kostenlosen uneingeschränkten Zugang zum Schulunterricht. In der Praxis wird das nicht hundertprozentig umgesetzt, da es ja bekanntlich viele kleinere und größere diesbezügliche Probleme gibt. Das reicht von nicht entsprechend eingerichteten Sanitätsanlagen bis zu fehlenden Klassenräumlichkeiten oder Lehrkräften.

Mit wem arbeitet PROHONTERUS zusammen?

Da, wie vermerkt, viel zu tun ist – wir haben Klassen, wo neuer Fußboden gelegt werden muss, wo gestrichen und verputzt werden muss, wo neue Leuchtkörper, Fenster und Türen eingebaut werden sollen – und da nicht alle Klassen-Elternbeiräte in der Lage sind, aus eigenen Kräften die Kosten für solche Arbeiten zu decken, wenden wir uns an Freunde und Bekannte. Das wäre zum Beispiel der Deutsche Wirtschaftsklub Kronstadt, der uns wiederholte Male zum Beispiel Schulbänke und andere Möbelstücke zur Verfügung gestellt hat. Der „Rotary Club Burg Transilvania“ sammelt Geld, damit die Schule ihren Eigenbeitrag bei den Erasmus-Plus-Projekten decken kann. Hinzu kommen mehrere Kronstädter Firmen, die uns konkret entweder mit Geld oder mit Sachspenden geholfen haben oder die Transportkosten bei verschiedenen Schulaktivitäten übernommen haben.

Abschließend: Wie sieht, Ihrer Meinung nach, die Zukunft für das Honteruslyzeum aus?

Das Honteruslyzeum erfreut sich nach wie vor eines großen Interesses unter den Eltern in Kronstadt. Es ist bekannt, dass der Großteil der Honterusschüler aus gutsituierten Familien kommen. Die Eltern werden aber nicht einverstanden sein, dass ihre Kinder zu Hause einen gewissen Wohlstand genießen, in der Schule aber unter bescheidenen, oft nicht zeitgemäßen Verhältnissen unterrichtet werden. Wir, als Verein, rechnen mit ihrer Unterstützung. Diese muss nicht unbedingt finanzieller Natur sein; es kann ja auch Lobbyarbeit zugunsten der Schule geleistet werden, z. B. beim Bürgermeisteramt oder bei der Honterusgemeinde.
Es wäre sinnvoll, auch an die fernere Zukunft dieses Lyzeums zu denken, denn eine Generalüberholung der Gebäude wird nicht nur für die nächsten vier-fünf Jahre gemacht.
Es macht wenig Sinn, Millionen Dollar in Sanierungsarbeiten zu investieren, wenn dann der Eigentümer für das Gebäude eine andere Nutzung vorsieht. Das ist sicherlich nicht der Fall beim Honteruslyzeum, aber es erklärt die Zurückhaltung des Bürgermeisteramtes. Wenn die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeisteramt die erforderliche rechtliche Grundlage erhält, so könnte ich mir persönlich viel mehr fürs Honteruslyzeum vorstellen. Die Sportschule verfügt über eine größere Grundfläche in sehr guter Lage. Unter dem Sportplatz könnte eine Tiefgarage entstehen; im Innenhof könnte eine Aula gebaut werden – für die Schule und für die Schüler – aber, warum nicht, auch für andere. Solche Projekte könnten zur Finanzierung der Schule beitragen; es wären Projekte, die Gewinne einfahren könnten – sowohl für den Eigentümer als auch für die Nutznießer dieser Schulgebäude.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

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