Eine „Kirche der Helden“

Am Bucegi-Hochplateau soll die höchstgelegene Kirche des Landes entstehen

Sonntag, 04. November 2018

Kreuze, Kapellen, Klöster und Kirchen in den Bergen, auf Berggipfeln oder Berghöhen haben für die rumänische orthodoxe Kirche einen hohen symbolischen Wert. Sie sollen von weit her sichtbar sein und ein Bekenntnis zum Glauben abgeben.

Caraiman-Kreuz als Vorbild

Das bekannteste derartige Symbol bleibt das zwischen 1926 und 1928 errichtete Heldenkreuz auf dem Caraiman-Gipfel im Bucegi-Gebirge. Es erinnert an die rumänischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, und stellt sogar einen Weltrekord auf: das höchste Kreuz-Denkmal, das auf einem Berggipfel steht, und zwar bei 2291 Meter über dem Meeresspiegel. Bemerkenswert ist, dass dieses Kreuz sogar die Jahre der kommunistischen kirchenfeindlichen Herrschaft überstehen konnte. Der Versuch eines übereifrigen Bürgermeisters aus Bușteni, das Kreuz in eine Säule mit dem roten Stern zu verwandeln, wurde nie umgesetzt. Nach 1989 wurden die Mittel aufgebracht, die Beleuchtung dieses Denkmals aus Stahl auf einem Betonsockel zu erneuern und auch Reparaturarbeiten am Kreuz durchzuführen.

Am 15. September dieses Jahres, einen Tag nach dem orthodoxen Feiertag der Kreuzerhöhung, wurde auf dem Bucegi-Hochplateau in der Nähe der Babele-Felsgruppe in einem vom Oberhaupt der rumänischen orthodoxen Kirche, Patriarch Daniel, geleiteten Gottesdienst die Stelle geweiht, an der eine Kirche errichtet werden soll. Im Jahr des Jahrhundertjubiläums Rumäniens soll sie an die „rumänischen Helden“ erinnern, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges ihr Leben verloren haben, heißt es in einem Beitrag der orthodoxen kirchlichen Publikation „Lumina“. Demzufolge stehe ihr der Status eines nationalen Symbols zu.

Weitere, praktischere Gründe für den Bau dieser Kirche sind, laut Metropolit Daniel, die Schwierigkeiten des kräftezehrenden Zugangs und die oft schlechten Wetterbedingungen während der religiösen Zeremonien beim Caraiman-Heldenkreuz. Zum Bucegi-Plateau kann man bekanntlich bequem mit der Seilkabine hochfahren. Allerdings setzt das gewisse Kosten voraus, die sich viele orthodoxe Gläubigen nicht so einfach leisten können, bemängeln einige der Kritiker dieses Kirchenprojekts.

Bedenken wegen Naturschutz

Vor allem unter den Berg- und Naturfreunden stößt diese Initiative der orthodoxen Kirche, die auch von staatlicher Seite unterstützt wird, wie die Präsenz des Verteidigungsministers Mihai Fifor bei der erwähnten symbolischen Grundsteinlegung im September bezeugt, auf wenig Verständnis. Der Hauptgrund wäre, dass die Kirche mitten in einem Naturschutzgebiet stehen wird. Diese Bedenken will man seitens der orthodoxen Kirche beschwichtigen, indem man unterstreicht, die Kirche werde eher bescheidene Dimensionen aufweisen und aus ökologischen Baumaterialien bestehen. Zudem soll sie auch als Unterkunft für Touristen genutzt werden können, falls diese vom Schlechtwetter am Bucegi überrascht werden. Dass die fällige Baugenehmigung seitens des Bürgermeisteramtes von Bușteni nicht erteilt wird, ist eher unwahrscheinlich.

Die Kirche soll eine dreifache Kirchweihe haben: Christi Himmelfahrt, Kreuzerhöhung und Verklärung des Herrn. Es handelt sich nicht um eine Pfarrkirche oder ein Kloster, sondern um „eine Kirche der Helden“. Eheschließungen sollen da aber vorgenommen werden. Das, laut Patriarch Daniel, um an jene Helden zu erinnern, die vor ihrem Fronteinsatz kurz vor der Heirat standen sowie für den Segen der christlichen Familie. Für ihn bedeutet das Besteigen eines Berges auch eine symbolische Erhöhung der Seele durch Beten und Gedenken an die Kriegsopfer.

Marien-Statue auf der Zinne?

Auch im Falle der Zinne gibt es Initiativen, da christliche Symbole zu setzen. Die jüngste davon stammt vom sozialdemokratischen Stadtrat Marius Bunghiuz. Er spricht von einem Antrag seitens der orthodoxen Metropolie für Siebenbürgen, die von der Kronstädter Stadtverwaltung 70 Quadratmeter konzessionieren will, um bei der Bethlen-Grotte unter dem Zinnengipfel eine kleine Kapelle zu errichten. Vorher gab es Überlegungen, ob auf der Zinne ein großes Kreuz, sichtbar von Weitem, oder eine Marien-Statue aufgestellt werden soll, da ja Kronstadt bekanntlich die heilige Jungfrau zur Schutzheiligen hat. Wie im Falle der Kirche am Bucegi ergibt sich auch für die Zinne bei der Umsetzung solcher Pläne ein Umweltschutzproblem, da sie größtenteils unter Naturschutz steht.

Für solche religiös motivierte Initiativen gibt es sowohl Befürworter als auch Kritiker. Zumindest für die Zinne gibt es aber Präzedenzfälle religiöser und nicht religiöser Art: Der alte Name der Zinne lautet „Kapellenberg“, weil auf der Zinne Anfang des 18. Jahrhunderts die St. Leonhard-Kapelle stand. Auf der Zinne gab es die Brassovia-Burg. 1896, anlässlich der ungarischen Milleniumsfeierlichkeiten, wurde auf der Zinne ein großes Arpad-Denkmal errichtet, das 1916 in die Luft gesprengt wurde. Zur Zeit, als Kronstadt den Namen Stalins trug, war dieser auf dem der Stadt zugewandten Abhang in Form von aus Tannen gebildeten Riesenlettern zu lesen. Und heute ist die „BRASOV“-Aufschrift a la Hollywood ein nicht zu übersehendes Zeichen, das die Kronstädter, ohne viele Diskussionen, auf ihre Zinne gesetzt haben. Auch mit der Fernseh-Relaisstation am Zinnenkamm haben sich die Kronstädter schnell abfinden müssen.

 

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