Eine Monografie, die Maßstäbe setzt

Erich Türk dokumentiert die Orgeln in Nordsiebenbürgen

Samstag, 21. Februar 2015

In den letzten Tagen des Jahres 2014 erschien im Verlag der Gesellschaft des Siebenbürgischen Museums Klausenburg (Societatea Muzeului Ardelean) das Ergebnis einer langen und sehr intensiven Forschungsarbeit: Erich Türk: „Die Orgellandschaft dreier nordsiebenbürgischer Landkreise: Cluj, Sălaj und Bistriţa Năsăud“. Es ist eine der nicht eben zahlreichen Orgelmonografien, die dazu beitragen, dass der Bestand an Orgeln in unserem Land endlich vollständig dokumentiert und erforscht wird. Mit diesem Buch legt der Autor das Ergebnis einer rund zehnjährigen Beschäftigung mit den Orgeln des Gebiets vor.

Allein der Besuch bei all diesen Instrumenten, oft abgelegen und nur auf unbefestigten Wegen erreichbar, nötigt Respekt ab. Alle 209 besuchten Orgeln sind als Farbfoto von hoher Qualität reproduziert. Jede Orgel kann in einer Tabelle gefunden werden, wo alle relevanten Daten bis hin zum aktuellen Zustand und der stilistischen Relevanz enthalten sind. Auf Landkarten sind die Standorte der Instrumente eingezeichnet. Der Text der Monografie enthält Wissenswertes über alle Orgelbauer und Firmen, die im erforschten Gebiet tätig waren. Erich Türk hat nicht nur vor Ort sondern auch in Archiven Daten gesammelt, die das Bild der wenig bekannten Orgellandschaft Nordsiebenbürgens erhellen. Der wissenschaftliche Wert so gründlicher Forschung ist außergewöhnlich. Sämtliche erreichbaren Bibliografien, gedruckte wie auch Internetdateien, wurden vom Autor genutzt und erscheinen im Literatur- und Quellenverzeichnis des Buches.

Erich Türk hat seine Forschungsergebnisse auch statistisch ausgewertet: Es handelt sich zu 50 Prozent um kleine Orgeln, sogenannte Positive, also Instrumente mit einer fixen Position im Raum (zum Unterschied von den noch kleineren Portativen, die tragbar sind). Einige Ergebnisse sollten alarmieren: „Mehr als die Hälfte der besuchten Orgeln sind nicht spielbar….Einige davon werden trotzdem regelmäßig benutzt und alle haben sich daran gewöhnt!“ (S. 256). Aber: „Original erhalten oder exzellent restauriert sind 46 Prozent der Orgeln.“ Es handelt sich also um ein einzigartiges, relativ gut konserviertes kulturelles Erbe! Indem es weiter vernachlässigt wird, geht es langsam zugrunde. Den Abschluss bildet das kurze Kapitel „Probleme und mögliche Lösungen“ (S. 260), wo Allgemeingültiges angesprochen wird, denn die Orgeln in den übrigen Landesteilen sind ähnlich gefährdet.

Diese Monografie ist mit dem Auge und mit dem Ohr eines Orgelkenners erstellt. Das Layout von Radu Nebert ist exzellent und ermöglicht flüssiges Lesen und leichtes Auffinden der Daten. Dass das Buch „nur“ zweisprachig (deutsch und ungarisch) gestaltet ist, mag man bedauern. Die Instrumente stehen meist in Kirchen, in denen eine dieser beiden Sprachen benutzt wird. Eine rumänische Variante oder Zusammenfassung wäre wichtig, um den außergewöhnlichen kulturellen Schatz noch besser bekannt zu machen, den die erhaltenen historischen und neueren Orgeln in den erforschten Landkreisen darstellen. Als waschechter Siebenbürger beherrscht Erich Türk nämlich die drei Sprachen perfekt! Dieses Buch darf in keiner Fachbibliothek fehlen, die sich mit der Königin der Instrumente befasst!


Erich Türk: „Die Orgellandschaft dreier nordsiebenbürgischer Landkreise: Cluj, Sălaj und Bistriţa Năsăud. Három észak-erdély megye orgonatája: Kolozs, Szilágy és Beszterce-Naszód megye“. Erdély Múzeum Egyesület. Kolozsvár 2014. Bestellungen über den Verlag: http://eme.ro/kiado

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