Eine neue Mehrzweckhalle als drittes Kronstädter Großprojekt

Möglicher Standort: anstelle des ehemaligen Bartholomäer Munizipalstadions

Donnerstag, 11. Januar 2018

Die Klausenburger Mehrzweckhalle gilt als Vorbild für ein ähnliches Projekt in Kronstadt.

Nach dem Kronstädter Flughafenprojekt, das sich inzwischen zu einem Dauerproblem „entwickelt“, nach den Bemühungen, die Finanzierung für ein Regionalkrankenhaus in Kronstadt zu sichern, ist nun der Bau einer neuen Mehrzweckhalle zum dritten Großprojekt aufgerückt. Kronstadt/Braşov braucht sie, sowohl um sportliche als auch größere kulturelle Events heranzuziehen und entsprechend zu organisieren. Denn die Stadt am Fuße der Zinne verfügt zurzeit nur über eine Sporthalle neben dem Hauptbahnhof, die, trotz Sanierungs- und Umbauarbeiten in Höhe von 14 Millionen Lei, nur rund 1700 Zuschauer fassen kann, sowie über ein Theater, das in den 1950er Jahren errichtet wurde, und über die noch ältere „Redoute“, die als Kulturzentrum neu renoviert wurde, aber keine Großveranstaltungen beherbergen kann. Der einzige Konzertsaal der Stadt, der Patria-Saal, ist nichts anderes als ein umgebauter Kinosaal.

Vier Standortvarianten

Für den Bau der zukünftigen Mehrzweckhalle („Sala polivalentă“) werden inzwischen vier mögliche Standorte genannt. Bevorzugt wird dabei das Gelände des inzwischen abgerissenen Munizipalstadions. Dort war ursprünglich der Bau eines neuen Stadions im Gespräch – ein Projekt, das nun aufgegeben wurde. Im September fand da, noch im Zeichen der Improvisation, weil die notwendige Infrastruktur nicht alle Erwartungen erfüllt hatte, erstmals das Kronstädter Oktoberfest statt, nachdem der alte Standort, die }iriac-Arena beim ehemaligen Sportlyzeum, dafür nicht mehr zur Verfügung stand.

Das neue Verwaltungszentrum am ehemaligen Hidromecanica-Platz, wo in den letzten Jahrzehnten vor allem Banken und Bürohochhäuser gebaut wurden, wobei aber noch Baugrund vorhanden wäre, hätte sicher auch eine Mehrzweckhalle brauchen können, so wie es verschiedene Lokalpolitiker (unter ihnen der stellvertretende Bürgermeister Mihai Costel oder der Stadtrat seitens des Deutschen Forums, Christian Macedonschi) in Aussicht gestellt hatten. Macedonschi bevorzugt weiterhin diese Standortvariante, weil sie eine zentrale Lage aufweist und weil die Mehrzweckhalle sich sehr gut ins neue Stadtzentrum eingliedern ließe, wenn da ein Teil des Verkehrs und der Parkplätze unterirdisch verlegt werden. Das benachbarte, in der Bauphase befindliche AFI-Einkaufszentrum und die Mehrzweckhalle könnten so Teil einer zweiten Kronstädter Fußgängerzone werden. Außerdem sei eine Mehrzweckhalle in Bartholomä bautechnisch problematisch – das Gelände in diesem Gebiet sei auch bisher für größere Stadtprojekte ausgeklammert worden, wegen des hohen Grundwasserpegels und der damit verbundenen Versumpfungsgefahr.

Christian Macedonschi nennt eine weitere Alternative, die, seiner Meinung nach, dem Bartholomäer Standort ebenfalls vorzuziehen sei: der ehemalige Tractorul-Park. Der Vorteil wäre, dass die neue Sporthalle Teil eines größeren Komplexes sein wird, denn in der Nähe befinden sich die neue olympische Eishalle, die alte „Dumitru Colibaşi“-Sporthalle und die olympische Schwimmhalle.

Als vierte, aber wenig aussichtsreiche Variante kam ein Grundstück am Gelände des Forschungsinstitutes für Kartoffelanbau in den Biengärten/Stupini in Frage – ein Standort, der nicht zentral gelegen ist und deshalb eher für das geplante Regionalkrankenhaus gedacht ist.

Mit oder ohne Regierungsgelder?

Wie auch bei den anderen beiden Projekten stellt man sich in Kronstadt die Frage, ob man die Mehrzweckhalle aus eignen Mitteln finanzieren kann oder ob man auf Unterstützung aus Bukarest in Form von Geldzuwendungen aus dem Staatsbudget angewiesen ist. Zunächst einmal muss feststehen, was für eine Mehrzweckhalle man plant und wie viel diese kosten würde. In Kronstadt hat man die neue Klausenburger Mehrzweckhalle zum Modell erkoren. Klausenburg/Cluj hat nämlich zurzeit die modernste Sporthalle des Landes, was schnell auch Wirkung gezeigt hat. Denn manche Sportwettkämpfe, wie zuletzt die Turn-EM oder die Spiele im Rahmen einer Quali-Gruppe der Basketball-EM der Männer, sind nicht in Bukarest, sondern in Klausenburg ausgetragen worden – eine Stadt, die bereits 2015 europäische Hauptstadt der Jugend war und in diesem Jahr den Titel einer europäischen Stadt des Sportes anstrebt. Nach Klausenburg begaben sich Ende des Vorjahres auch Vertreter des Bürgermeisteramtes Kronstadt, um vor Ort zu sehen, wie diese Modell-Stadthalle funktioniert und um Ratschläge von den Klausenburger Stadtvätern zu erhalten. Laut Bürgermeister Scripcaru soll die Kronstädter Mehrzweckhalle mindestens so groß werden wie die Klausenburger (Zuschauerkapazität für Sportevents 7000 Plätze, für Konzerte, samt Stehplätze, bis zu 10.000), wenn nicht noch größer (bis zu maximal 15.000 Plätze).

Ein erster Schritt

Bei der Stadtratssitzung vom 27. Oktober 2017, wo es auch um die Haushaltsumschichtung ging, wurde beschlossen, 1,5 Millionen Lei für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie betreffend Mehrzweckhalle vorzusehen. Wenn diese Studie dann, ohne nachträgliche Beanstandungen, ausgeschrieben und der Auftrag vergeben wird, wenn sie ausgearbeitet wird und die Kostenrechnung vorliegt, sollen weitere Gespräche mit Regierungsvertretern geführt werden, sagte Bürgermeister Scripcaru. Der beste Gesprächspartner der Kronstädter scheint Sportminister Marius Dunca (selbst Kronstädter) zu sein. Im PSD-Regierungsprogramm ist nämlich vorgesehen, dass zwei Mehrzweckhallen von Regierungsgeldern gebaut werden. Die eine soll in Bukarest stehen, für die zweite könnte Kronstadt vorgesehen werden. In zwei-drei Jahren, so Scripcaru, wären dann die Bauarbeiten abgeschlossen. Wenn die Kronstädter es sich zutrauen, die Stadthalle aus Eigenmitteln zu bauen, so müsste außer der technischen Dokumentation gleichzeitig auch die eigentliche Dokumentation zur Projektdurchführung vorliegen – wie auch die gesamte Summe für die Bauarbeiten gesichert sein. Dabei handelt es sich, wenn man die Klausenburger Sporthalle als Vergleichsbasis benutzt, um rund 88 Millionen Lei.

Ein Teil davon könnte die Mehrzweckhalle der Stadt mit der Zeit wieder einbringen. Denn die Stadthalle sei auch „eine gute Einkommensquelle“, sagt Scripcaru. Der eigentliche Gewinn für Kronstadt ist aber viel größer: Die Stadt wird attraktiver, sowohl für ihre Bewohner als auch für den Tourismus.

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