Eine Nische unserer Schattenwirtschaft

Das profitable Geschäft mit den Eizellen

Donnerstag, 19. Juni 2014

Symbolfoto: freeimages.com

Es ist eine der vielen Nischen der so vielfältigen und erfinderischen rumänischen Schattenwirtschaft, die an der Gesetzgebung glatt vorbei funktionieren, regelrecht aufblühen oder die schwache Kontrolle der Gesetzeshüter geschickt ausnützen: Der hierzulande illegale Handel mit menschlichen Eizellen boomt weiterhin in unserem Land, immer mehr Privatkliniken bieten offen die legalen Behandlungen zur medizinisch unterstützten Reproduktion an. Da ist oft nur ein kleiner Schritt zu einem riskanten, aber sehr profitablen Geschäft. In Rumänien ist die Prozedur medizinisch unterstützter Reproduktion mittels Leihmutter gesetzlich verboten, zudem hat die Landesagentur für Transplantation keiner öffentlichen oder Privatklinik die Genehmigung für in-vitro-Fertilisation durch Leihmutter erteilt. Trotz aller Risiken funktioniert das Geschäft mit der Eizellenspende: Zu groß ist der Druck der Kundschaft, zu groß die Nachfrage und der Wunsch verzweifelter kinderloser Paare, „um jeden Preis“ ein „eigenes“ Kind zu haben. Privatkliniken – etliche Ärzte verletzten für das viele Geld jedwelche Berufsregeln und gehen mit ihren Teams bewusst die großen Risiken ein – organisieren Netze von Vermittlern, Spendern, Helfern, Händlern und Kunden.

Es ist dabei viel Geld im Spiel: Das meiste kassieren die Ärzte, gutes Geld verdienen jedoch auch alle Helfer, Händler und Komplizen. Die Abnehmer der Eizellen kommen meist aus den westeuropäischen Länder. Es heißt, dass kinderlose Paare aus dem Westen gewillt wären, gar 15.000 Euro für eine Eizelle zu bezahlen. Am wenigsten verdienen die Eizellenspenderinnen, die Leihmütter wohl etwas mehr. Die cleveren Vermittlerinnen, meist selbst aus dem ärztlichen Bereich, werben die perfekten Spenderinnen, junge, gesunde Frauen mit dem Versprechen von gutem und schnellem Profit an. Meist werden Verträge abgeschlossen, in denen jedoch kein Wörtchen über Geld steht, desto mehr jedoch über freiwillige Spenden, um humanitäre Hilfe für eine gute Sache. In anderen Fällen werden die Spenderinnen, aber auch die Empfänger angehalten, notarielle Erklärungen abzugeben, um die ganze Sache legal abzusichern. Bei dem Verfahren der Spende der Eizellen (lat. Ovum) oder Oocyte (gr. Oos, Ei, cytos Zelle), wird durch Vereinen der Eizellen der Spenderin mit den Samenzellen des Empfängerpaars die sehnlichst erwartete Schwangerschaft erzielt. Empfohlen ist es für Frauen in fortgeschrittenem Alter, Frauen mit Erbkrankheiten, wiederholten Fehlgeburten oder chromosomalen Anomalien. Die Eizellenspenderin muss etliche Voraussetzungen erfüllen: Alter 18 bis 35 Jahre, normale genetische Vorgeschichte und gute Funktionsfähigkeit der Fortpflanzungsorgane usw.

Profitiert wird weiterhin in dieser Sache, die sich zu einer profitablen Industrie entwickelt hat, davon, dass europaweit und in der EU die Eizellenspende wie auch das Verfahren der Befruchtung mit gespendeter Eizelle gesetzlich uneinheitlich geregelt ist: In Spanien (seit 1988 genehmigt), Tschechien, in Zypern zum Beispiel ist es durchaus legal, in vielen anderen Ländern, in Deutschland wie auch in unserem Land nicht. Wie andere Praktiken aus der Schattenwirtschaft zeigt auch die illegale Eizellenspende an, wie groß die Kluft zwischen arm und reich, zwischen Ost und West in der EU noch immer ist, wie lückenhaft die verschiedenen nationalen Gesetzgebungen – u. a. auch die rumänische wie auch die EU-Gesetzgebung – sind, wie lasch oder ineffizient die Kontrolle und wie spät der Eingriff der Gesetzeshüter in solchen Nischen der Schattenwirtschaft sind.

Geschäft mit Eizelle  floriert in Temeswar

Vor Kurzem erhielt die Temeswarer Privatklinik „Athena“ unerwarteten Besuch:
Einsatzgruppen von DIICOT machten eine gründliche Hausdurchsuchung, Unterlagen wurden einer strengen Kontrolle unterzogen, ein Großteil beschlagnahmt, das gesamte Personal stundenlang verhört. Der griechische Manager des Spitals, der Arzt Konstantinos Giatras, wird nun laut einem Beschluss des Temescher Amtsgerichts für 30 Tage in Untersuchungshaft bleiben, seine Laborchefin Pappa Charikleia, ebenfalls griechische Staatsbürgerin, bleibt wohl auf freiem Fuß, aber unter Gerichtskontrolle.
Die Anklage ist keine gewöhnliche und birgt die Gefahr hoher Haftstrafen für die Beschuldigten: Illegaler Handel mit Eizellen und Bildung einer organisierten Verbrechergruppe. Laut DIICOT hätte die Gruppe von „Athena“ unter der Leitung von Dr. Giatras illegal die Transplantation von Eizellen für in-vitro-Fertilisation mittels Leihmüttern durchgeführt. Außerdem hätte das Team mehrere Frauen als Eizellenspenderinnen angeworben und für ihre Dienste bezahlt.

Spenderinnen und Leihmütter wären vom Personal angehalten worden, bei verschiedenen öffentlichen Notaren Erklärungen abzugeben, dass sie sich zu der Eizellenspende unentgeltlich bzw. auch zur Übergabe des Neugeborenen verpflichten. Gleichartige Erklärungen mussten auch die Empfänger bzw. die kinderlosen Paare abgeben. Bisher konnten durch die Untersuchungen 12 Leihmütter aus Rumänien, Ungarn, der Slowakei identifiziert werden, sieben davon wie auch die entsprechenden Empfängerpaare konnten schon vernommen werden. Unter den Empfängern gab es rumänische Staatsbürger aber auch Staatsbürger aus Ungarn, Norwegen sowie Griechenland. Einige Leihmütter gaben zu, dass sie verschiedene Geldsummen oder andere Güter für ihre Dienste erhielten, z. B. Summen von 1000 bis 1500 Lei monatlich als Gehalt für den Unterhalt. Die Untersuchungen ergaben desgleichen, dass das ärztliche Personal von „Athena“ junge Eizellenspenderinnen, hauptsächlich Temeswarer Studentinnen, für je 300 Euro pro Spende angeworben hatte. Die mehrheitlich ausländischen Empfänger hätten für die in-vitro-Fertilisation je 4000 Euro beglichen. Das erst 2010 nach einer Gesamtinvestition von über 12 Millionen Euro eröffnete „Athena“-Krankenhaus ist eine der größten Privatkliniken des Landes. Es hat eine Gesamtfläche von 5000 Quadratmetern, 128 Krankenbetten, sein Personal führt jährlich 14.000 chirurgische Eingriffe durch. Das Spital, das auch eine Klinik für Obstetrik und Gynäkologie hat, verzeichnet etwa 5000 Geburten pro Jahr. Im Vorjahr kam „Athena“ in die Schlagzeilen, u. a. wegen der Anschuldigung, fiktive Unterlagen zu produzieren und betrügerisch Gelder von der Krankenkasse einzunehmen.

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