Eine Reise durch Vietnam

Teil eins: von Ahnen, Scootern und Drachenbooten

Donnerstag, 04. April 2019

Der Scooter gehört in Vietnam zum Alltag

Auf dem Markt in Hue.

Drachenboote am Ufer des Parfümflusses in Hue

Ein Drachenboot voller Touristen treibt langsam auf dem Parfüm-Fluss der vietnamesischen Stadt Hue,  einst der Sitz der Kaiser der Nguyen-Dynastie. Plötzlich erscheint das Gesicht von Benjamin Franklin auf der Wasseroberfläche. Es ist auf einem 100-Dollar-Schein abgedruckt, der von den Wellen getragen wird. Der 100-Dollar-Schein ist nicht echt. Doch ähnliche Geldscheine werden Millionen Mal in Vietnam gedruckt und verkauft. Die Leute kaufen das Falschgeld für ihre Ahnen. Ist einer der Vorfahren ertrunken, wirft man die Dollarscheine in einen Fluss, damit der Verstorbene sie im Jenseits nutzen kann.

Doch meistens wird das Geld verbrannt. „Wir verbrennen das Papier, damit unsere Vorfahren Geld im Leben nach dem Tod ausgeben können“, sagt Hoa, der in Hue als Reiseleiter arbeitet. „Außerdem können wir mit dem Geld die Wächter des Jenseits bestechen, damit unsere Ahnen ab und zu auf die Erde zurückkehren können“. Doch nicht nur Dollar befördert man ins Jenseits. Auch die neuesten iPhone-Modelle, BMW-Wagen aus Karton und sogar Häuser werden verbrannt. So sichert man den Ahnen ein gutes Leben nach dem Tod. Und als Gegenleistung passen sie auf, dass einem nichts Böses passiert.

Ein BMW aus Karton für das Leben nach dem Tod

Auf dem Markt von Hue findet man, neben reifen Mangos, gerupften Hühnern und Unterwäsche mit dem Aufdruck „Calvin Klein“ auch die neuesten iPhone-Modelle zum Verbrennen. An manchen Ständen werden sogar ganze Kits verkauft. Sie enthalten Räucherstäbchen, Geldscheine, je ein Smartphone, Gucci-Schuhe und ein Auto aus Karton. Die Vietnamesen wünschen sich, dass ihre Verwandten im Jenseits ein schönes Leben führen. Deshalb boomt das Geschäft mit den Opfergaben.

Auch die Gräber mancher Vietnamesen sind spektakulär. Wenn man von Hue nach Hoi An durch die Dörfer fährt, sieht man sie von Weitem: riesige, bunte Konstruktionen mit Pagoden, Tiger- und Drachenköpfen, manche erinnern an Paläste. In manchen Dörfern stehen Gräber und Wohnhäuser dicht beieinander, so dass man kaum weiß, welches ein Grab ist und welches ein Haus. Lebende und Tote sind immer dicht bei-einander. In allen Wohnungen, Hotels und Restaurants, in Souvenirläden, in Massage-Salons und sogar mitten auf der Straße gibt es einen Altar für die Ahnen, an dem die  Räucherstäbchen Tag und Nacht brennen.

Daneben legt man Früchte, Schokolade, blinkende Buddha-Statuen, leuchtende Seerosen und manchmal auch ein Bier oder Zigaretten. Eben das, was dem Toten zu Lebzeiten geschmeckt hat. Der Vorteil ist: im Leben nach dem Tod sind Zigaretten nicht schädlich. Und Schokolade macht nicht dick. Während unserer zehntägigen Reise von Süden nach Norden Vietnams gab es keinen einzigen Fleck, wo wir nicht irgendeine Form der Ahnenverehrung angetroffen haben. Doch das macht den Reiz dieses wundervollen Landes aus.

Das Land der Scooter

Auf die Güte der Ahnen muss man sich in Saigon/Ho Chi Minh City verlassen. In der Stadt mit neun Millionen Einwohnern und fünf Millionen Scootern scheint die Fähigkeit, die Straße überqueren zu können, ohne um sein Leben zu bangen, eine übermenschliche Qualität zu sein. Auf jedem Zebrastreifen fühlt man sich wie in einem Computerspiel, wo man tötenden Raketen und Feuerkugeln ausweichen muss, um sein Leben nicht zu verlieren. In Saigon muss man hunderten von Scootern ausweichen, die einem entgegenkommen. Die Scooter-Flut und das dauernde Gehupe scheinen kein Ende zu haben und sind der Alptraum jedes Fußgängers. „Falls ihr Angst habt, die Straße zu überqueren, merkt euch: geht voran wie Moses, als er das Rote Meer teilte. Also langsam und sicher. Keine plötzlichen Bewegungen machen. Bloß nicht laufen!“, steht in einem Fremdenführer. Leicht zu sagen, schwer zu tun: während wir auf dem Zebrastreifen sind, wird das Licht der Ampel plötzlich rot.

Die Scooter-Flut setzt sich in Bewegung, niemand scheint uns zu bemerken, und ich bekomme fast einen Herzinfarkt. Wer Extremsportarten mag, soll eine Straße in Saigon überqueren. Laut den letzten offiziellen Daten gibt es 45 Millionen registrierte Scooter in Vietnam, die meisten davon in Saigon und Hanoi. Dazu kommen aber auch die unregistrierten. Alles, was zwei Beine hat, fährt in Vietnam Scooter. Von zehnjährigen Kindern bis zu Greisen. Viele Fahrer besitzen keinen Führerschein. Ein Wunder, dass nicht mehr Unfälle passieren.

„Ein Auto können sich wenige leisten, aber jede Familie besitzt wenigstens einen Scooter. Die Kinder werden auf dem Scooter zur Schule gefahren, man fährt damit in die Arbeit, erledigt die Einkäufe“, erzählt der Student Vu. Das Scooter-Fahren gehört zu seinem Job: er arbeitet bei einem Unternehmen, das StreetFood-Touren für Touristen organisiert. Dabei werden die Touristen von ihren Hotels abgeholt, mit dem Scooter durch die ganze Stadt gefahren. Die Tour kombiniert eine Stadtrundfahrt durch mehrere Distrikte mit regionalem Essen.

Plastikstühle, Kokoswasser und das beste Brötchen der Welt

Bunt, laut und heiß. So empfängt uns die Millionenstadt Saigon an einem sonnigen Vormittag. Es ist Anfang März und im Schatten sind 35 Grad Celsius. An den Schalter, wo man das Vietnam-Visum bei der Einreise am Flughafen beantragt, wurden wir als erste gerufen, um unsere Pässe abzuholen. Obwohl wir sie als letzte abgegeben hatten. Und weil  wir aus Rumänien kommen, mussten wir auch keine Visumgebühr zahlen. Diese Information findet man leider nirgends auf der Webseite des rumänischen Außenministeriums. Ich hatte sie auf einem Reiseblog gefunden. Und sie ist tatsächlich richtig: rumänische Staatsbürger müssen keine Gebühr zahlen.

Wir steigen aus dem Flughafenbus aus und ziehen unsere Reisetrolleys hinter uns her, während wir uns im Straßenwirrwarr orientieren. Wir befinden uns auf der Pham Ngu Lao Street im Backpacker-Viertel Bui Vien. Aus einem Gebüsch läuft eine Ratte über den heißen Asphalt. Vor unserem Hotel verkaufen ein paar Mädchen frisch gepresste Fruchtsäfte, reife Mangos, Limetten und Kokosnüsse. Kokoswasser ist gut für die Hitze. Und kostet umgerechnet nur etwa einen Dollar.

Es riecht nach gebratenem Fleisch, laute Musik dröhnt aus Bars, mitten auf der Straße sind viele winzige Tische aus buntem Plastik aufgereiht, daneben stehen noch kleinere Stühle.

 Es sieht so aus, als ob man sich auf den Besuch von 100 Kindergartenklassen vorbereitet. Doch die Stühle und Tische sind für Erwachsene. An mehreren Tischen sitzen schon Leute, spielen Karten und trinken Bier. Zwischen den Tischen drängeln sich Rucksacktouristen, Fahhrräder, die mit Blumen bepackt sind, Zigarettenverkäufer und viele Scooter.

Wer  nicht wenigstens einmal auf einem winzigen Stuhl mitten auf der Straße gesessen ist und „Banh mi“ gegessen hat, war nie in Vietnam. „Banh mi“ ist das beste Brötchen der Welt. Das Baguette, das dafür verwendet wird, wurde während des Kolonialismus von den Franzosen in Indochina eingeführt. Im Gegensatz zum französischen Baguette ist das vietnamesische viel  luftiger und hat eine dünnere Kruste.

Gefüllt ist das Brötchen mit viel Grünzeug: Zitronengras, Salat, Koriander, dazu kommt noch Leberpastete und eine Art Wurst- und schmeckt köstlich. Dazu kostet es umgerechnet nur einen Dollar.  „Hier in Vietnam gehen wir nach dem Prinzip Ying und Yang vor. Man muss ein Gleichgewicht finden, auch beim Essen. Fisch, Meeresfrüchte und Schweinefleisch – also schwerere Speisen – müssen immer mit viel Grünzeug kombiniert werden. Besonders im Süden Vietnams wächst viel Grünzeug, es ist sehr billig. Also kann man sich den Teller immer nachfüllen lassen“, meint Vu, unser Foodtour-Führer. Während der vierstündigen Tour durch Saigon lernen wir die Ecken der Stadt kennen, die wir als Fußgänger nie gesehen hätten.

 

Von Konkubinen, Königsgräbern und Fischen, die sich in Drachen verwandeln


In einem Wohnblockviertel von Saigon halten wir an und steigen von den Scootern. Es ist Abend. Draußen spielen ein paar Kinder Fußball, ältere Leute sitzen an bunten Plastiktischen und spielen Karten, andere essen am Straßenrand oder fahren mit den Scootern hupend durch die Gegend. Mitten auf der Straße dröhnt asiatische Musik aus zwei Lautsprechern. Ein junger Mann singt dazu, mit einem Mikrophon in der Hand. Es ist eine Art Karaoke unter freiem Himmel.
Die Türen der Wohnungen stehen offen und man kann ein wenig hineinschauen. Es sind Studio-Apartments, bestehend aus einem größeren Zimmer und Küche. Am Boden sind Kacheln. Hier wohnen meistens bis zu drei Generationen zusammen. Und in allen Wohnungen ist in einer Ecke ein großer, blinkender Altar für die Ahnen aufgestellt. „Für uns ist es normal, dass wir mit den Eltern leben. Wir pflegen sie dann, wenn sie alt werden“, meint Vu, unser Reiseführer.
Vietnam gehört zu den Ländern, in der Bildung eine große Rolle spielt. „Die Universität ist aber kostenpflichtig. Und manch-mal hat die Familie nicht genügend Geld um die Uni-Gebühren für alle Kinder zu bezahlen. Mein Bruder zum Beispiel ist intelligent. Ich bin bloß gescheit. Die Entscheidung war leicht: er ging studieren,  ich blieb zu Hause und suchte einen Job. Heute arbeitet er in einem Unternehmen, er sitzt den ganzen Tag am Computer. Mein Job gefällt mir viel mehr, ich genieße die Freiheit“, meint der 31-jährige Bee, der  Touristen mit dem Jeep zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten fährt. Bee hat sich die englische Sprache selber beigebracht, aus dem Fernseher. Viele junge Leute lernen alleine Englisch. An einem Lebensmittelmarkt in Saigon lernen wir einen Teenager kennen, der Englisch mit perfekten amerikanischen Akzent spricht. Er unterhält sich mit den Touristen, um seine Sprachkenntnisse auszuweiten. Englisch hat er aus den Serien im Internet gelernt, die er täglich schaut.


Clinton-Suppe und Obama-Nudeln


Unsere Tour geht weiter durch den Blumenmarkt und durch das Seafood-District, wo sich ein Meeresfrüchte-Restaurant an das andere reiht. In einem Cafe, das seit 1975 funktioniert, essen wir ein Kokosnusseis, das nach einem geheimen Rezept zubereitet wurde. Und trinken einen vietnamesischen Kaffee. Vietnam hat eine ausgeprägte Kaffeekultur. Es gibt den traditionellen cà phê dá, der mit Eis und viel Zucker getrunken wird oder den cà phê sda dá, der mit Kondensmilch angereichert wird. Doch der leckerste ist der Kokosnusskaffee, ein Kaffee mit Kondensmilch, in den man einen Löffel Kokosnusseis hinzufügt. Alle Sorten sind am besten kalt zu genießen.


Dann führt unsere Tour vorbei am Suppenlokal Pho 2000, das Weltruhm errang, nachdem der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton dort gegessen hat. Die USA und Vietnam hatten 1995 wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Fünf Jahre danach, im Jahr 2000, hat der damalige Präsident zusammen mit seiner Tochter Chelsea Clinton Vietnam besucht. Es war der erste amerikanische Präsident, der nach Ende des Krieges nach Vietnam kam. In Saigon besuchte Clinton das Restaurant Pho 2000. Fotos, die an den Wänden des Lokals hängen, zeugen auch heute von dem Besuch.


Doch nicht nur dieses Restaurant hat Kultstatus erlangt, sondern auch ein anderes bescheidenes Lokal, diesmal aus der Hauptstadt Hanoi, wo niemand anderes als Barack Obama zu Gast war. Bei einem Staatsbesuch im Mai 2016 hat Obama zusammen mit dem Fernsehkoch Anthony Burdain die Nudelküche „Bun Cha Huong Lien” in Hanois Altstadt besucht. Heute ist der blaue Plastiktisch, an dem Obama gesessen ist, hinter Glas gestellt wie ein Museums-Objekt. Angeblich soll der ehemalige Präsident der USA Nudeln mit gegrilltem Schweinefleisch gegessen haben, dazu eine Brühe, Kräuter und Chili. Der Preis lag damals bei umgerechnet etwa 5 Dollar. Laut Angaben im Internet soll es im berühmt gewordenen Lokal schon seit längerer Zeit ein Obama-Menü geben. Wir fahren weiter, vorbei am Präsidentenpalast, dessen Erstürmung am 30. April 1975 durch Panzer der nordvietnamesischen Streitkräfte das Ende des Vietnamkrieges und der Teilung des Landes in Nord- und Südvietnam bedeutete.


Die Dachterrasse der Kriegskorrespondenten


Ein paar Straßen weiter verabschieden wir uns von unseren Reiseführern. Wir wollen einen Cocktail auf der Dachterrasse des Rex-Hotels ausprobieren, am Ort, wo während des Vietnamkrieges die täglichen Pressekonferenzen der Amerikaner stattfanden und der als Treffpunkt der Kriegskorrespondenten galt. Die Terrasse mit hohen Pflanzen, glühenden Lampen und zwei riesigen Elefantenstatuen, von der man eine schöne Aussicht auf die bunten Straßen der Stadt genießen kann, hat viel spannendere Zeiten hinter sich. Heute werden hier die besten und teuersten Mojitos der Stadt gemixt, in den Wirren des Krieges wurde hier Geschichte geschrieben. Die täglich um 17 Uhr stattfindenden Pressekonferenzen wurden von den zynisch gewordenen Kriegsreportern als „five o´ clock follies“ (verrückte Aufführungen um 5 Uhr) bezeichnet.


Auch heute gibt es die „five o´ clock follies“, doch als Cocktail. Ende des Krieges zogen die Reporter und amerikanischen Soldaten aus den Räumen weg, doch gleich danach quartierten sich die Kommunisten ein und verkündeten 1976 aus dem Hotel heraus die Wiedervereinigung Vietnams. Auch das nahe gelegene Hotel Continental hat vieles erlebt. Das Zimmer Nummer 214 ist berühmt, weil der Schriftsteller Graham Greene hier den größten Teil seines Weltbestsellers „Der stille Amerikaner“ geschrieben hat. Der Roman wird nun auf der Straße vor dem Hotel als Souvenir verkauft.


Das Museum der Kriegsopfer


Der Vietnamkrieg endete vor mehr als vier Jahrzehnten, doch seine Folgen sind noch heute sichtbar. Viele Gebiete sind vermint, immer noch explodieren unentdeckte Bomben und Menschen werden getötet. Auch das von den USA eingesetzte Gift „Agent Orange“ führt noch immer zu organischen Missbildungen, auch in der dritten Generation. Von allen Gräueltaten des Krieges zeugen Exponate im Kriegsopfermuseum in Saigon. Der Besuch des Museums, für den man bis zu drei Stunden brauchen kann, ist keine leichte Sache. In erschütternden Bildern und Exponaten werden die Schrecken des Krieges dokumentiert. Unten im Hof sind von den Amerikanern zurückgelassene Panzer, Hubschrauber, Kampfbomber und Artilleriegeschütze aufgestellt.


Im Inneren des Museums werden auf drei Stockwerken die Geschichte und die Folgen des Vietnamkrieges dargestellt - anhand vieler Fotografien, Dokumenten und Kriegsrelikten. Gleich im ersten Raum entdecken wir eine vertraute Fotografie –  es ist das Bild des nackten Mädchens, das schreiend vor den Rauchschwaden der Napalmbomben flüchtet. Die ganze Welt kennt dieses Foto. Es wurde zu einem Symbol des Vietnamkrieges. Ein ganzes Abteil des Museums ist dem Thema „Agent Orange“ gewidmet. Es handelt sich um die militärische Bezeichnung eines chemischen Entlaubungsmittels, dass die USA im Krieg großflächig zur Entlaubung von Wäldern und zur Zerstörung von Pflanzen von Hubschraubern versprühten, um die Tarnung der Vietcong durch den dichten Dschungel zu erschweren und deren Nahrungsversorgung zu stören. Doch das Herbizid zerstörte nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschenleben. Tausende von Bewohnern der betroffenen Gebiete und auch tausende von US-Soldaten erkrankten. Ein anderer Raum ist dem Massaker von My Lai gewidmet, das im März 1968 von US-Amerikanischen Soldaten an 504 Zivilisten begangen wurde und zuerst von der Armee vertuscht wurde. Durch die Recherchen des investigativen Journalisten Seymour Hersh gelangte das Geschehen an die Öffentlichkeit, wobei die Veröffentlichung maßgeblich zum Wandel der öffentlichen Meinung über den Krieg beitrug.


Die Stadt des Parfümflusses, der Drachenboote und Königsgräber


Wir verlassen Saigon und fliegen gegen Norden nach Hue, der ehemaligen Hauptstadt des Landes während der Nguyen-Dynastie (1805-1945). Der Flughafenbus bringt uns in die Stadt und die Straße, auf der wir fahren, erinnert an eine Landstraße im Süden Rumäniens: Hühner am Straßenrand, bunte Reklametafeln auf den Häusern, Plastiktische und Coca-Cola-Schirme. Wir erwarten eine etwas langweilige Provinzstadt, doch das Zentrum von Hue überrascht uns: es ist bunt, quirlig und größer als wir erwartet haben. Der Parfümfluss schlängelt sich durch die Stadt, an seinem Ufer stehen Drachenboote, elegant gekleidete Asiatinnen, die ein Selfie nach dem anderen machen, alte Frauen, die Mangos und Drachenfrüchte verkaufen und viele ausgebreitete Decken, auf denen es glänzt und glitzert: Ohrringe in Katzenform, goldene Turnschuhe, singende Plastikhunde und Buddhas in allen Größen werden von den Verkäufern angeboten.  


Zum Ursprung des Namens „Parfümfluss“ (Perfume River) gibt es verschiedene Theorien: eine verweist auf die Pollen und Blüten, die im Frühjahr auf dem Wasser treiben, eine andere auf die wohlriechenden Edelhölzer, die auf dem Fluss transportiert wurden.  


Wer die Königsgräber in Hue besuchen will, die etwas außerhalb des Zentrums liegen, sollte auf jeden Fall eine geführte Tour buchen. Unserer Reiseleiter heißt Mister Hua und führt uns als erstes zur Pagode der Himmlischen Frau. Die Legende erzählt, dass nachts auf dem Hügel am Parfümfluss eine alte Frau gefunden wurde, die ein langes, rotes Kleid und grüne Hosen trug und behauptete, dass dieser Ort einer Gottheit gehört. Sie verlangte, dass im Namen dieser Gottheit eine Pagode gebaut werden müsse, woraufhin sie in einer Wolke verschwand. Neben der Pagode können wir eine riesige Schildkröte aus Stein anfassen. Dabei dürfen wir sie entweder bitten, uns ein langes Leben zu schenken, oder viel Bildung. Dann fahren wir mit einem Drachenboot auf dem Parfümfluss zu einigen der sieben Kaisergräber, die im Süden der Stadt liegen und zum UNESCO-Welterbe gehören. Die Grabstätten stammen aus dem späten 19. Jahrhundert oder frühen 20. Jahrhundert, als die Kaiser unter der französischen Kolonialherrschaft Galionsfiguren waren. Die Gräber von Kaiser Tu Duc, Minh Mang und Khai Dinh sind wahre Kunstwerke. Auch in die Verbotene Stadt gelangen wir. Mr. Hoa erzählt uns von den vielen Konkubinen der Kaiser, die hier abgeschnitten von der Außenwelt leben mussten. Dauernd mussten sie in der Nähe des Kaisers sein und ihm abends eines der über 50 verschiedenen Gerichte reichen.


In einem Teich schwimmen hunderte von orangefarbenen Fischen. „Einem von ihnen, das wissen wir, gelingt es, über das Drachentor zu springen. Er wird sich dann in einen wunderschönen Drachen verwandeln und davonfliegen“, sagt Mister Hoa. Daran wird fest geglaubt.


Am nächsten Vormittag wartet ein Militär-Jeep vor unserem Hotel. Es wurde von den Amerikanern im Krieg eingesetzt und blieb in Vietnam. Hunderte von solchen Fahrzeugen gibt es noch, sie werden jetzt im Tourismus eingesetzt. Auf uns wartet eine siebenstündige Fahrt durch den Hai van Pass an der Küste des Südchinesischen Meers entlang bis nach Hoi An, der vielleicht schönsten Stadt in Vietnam.

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