Eine Reise in die Welt der illustrierten Liebe und Magie

Mădălina Andronic zeigt ihre Kunst in Casa Opt

Sonntag, 23. April 2017

Immer wieder faszinieren die Illustrationen durch Farben und Formen: Ein Selbstporträt.

„Stil ist nicht eine Tablette, die man einnimmt, und es ist nicht etwas, was einem passiert. Stil bedeutet harte Arbeit und viel Zeit“, meint die Künstlerin.

Werkstatt und Ausstellungsraum: Casa Opt befindet sich in Bukarest.

Das dritte Buch, das die Illustratorin selbstständig veröffentlicht hat, ist unlängst erschienen.

Die Künstlerin hat ein neues Material für

Illustrationen entdeckt: Keramik.

Es ist ein altes Haus, das sich in einer ruhigen Straße in der Nähe des Bukarester Cişmigiu-Parks befindet und einen gewissen Charme hat. Mit jedem Schritt auf der Wendeltreppe nähert man sich dem Kaninchenloch, das zur Welt der Künstlerin führt. Man könnte das Gefühl haben, man findet sich unter der Überwachung der weiblichen Figuren an den Wänden, die adelig wirken. Dargestellt sind sie in starken Farben und ungewöhnlichen Formen. Die märchenhafte Welt, in der Mădălina Andronic Gäste willkommen heißt, ist ihr Studio und Ausstellungsraum zugleich. Die pulsierenden Zeichnungen, die Leidenschaft, die Liebe zum Detail, die fröhliche Stimmung oder die lustige Ausdrucksweise – man kann nicht genau sagen, welcher dieser Aspekte bei einem ersten Besuch am meisten auffällt. Die Künstlerin Mădălina Andronic ist eine Idealistin, wie sie selbst sagt, die sich auf das Schöne konzentriert. Der Heiterkeit ihres Werkes ist Andronic ganz bewusst: „Die Leute sind traurig, das Leben ist schwer, wir brauchen Schönheit“, meint die Illustratorin. Dafür hat sie ihre eigene Marke geschaffen, unter deren Namen verschiedene Kunstobjekte verkauft werden, von Illustrationen und bemalter Keramik bis zu Hochzeitseinladungen.

Folklore als Inspirationsquelle

Ihre lockigen Haare hängen über einem Telefonbuch. „Aus Liebe zu Mama“: Das kleine Mädchen hat gerade eine der in der Familie populären Meerjungfrauen gezeichnet und schreibt jetzt, wem die Zeichnung gewidmet ist. Es fällt einem nicht schwer, sich vorzustellen, was für ein Kind Mădălina Andronic war – sie scheint eine gekonnte und humorvolle Erzählerin zu sein. Sie hat anfänglich an Kunstkursen in ihrer Heimatstadt Constanţa teilgenommen, wo sie Glasikonen bemalte. Nach einem Grafikdesignstudium in Bukarest stellte sie fest, dass Logos und minimalistische Formen nicht so gut zu ihr passten: „Ich hatte sehr viel zu sagen, ich zeichne so viel, wie ich spreche“, lacht sie. So hat sie sich also an die Arbeit gemacht und ein Portfolio vorbereitet: Sie integrierte Elemente aus der Folklore und aus rumänischen Märchen in ihre Illustrationen. Problemlos wurde sie für ein Masterstudienprogramm an der University of Arts in London aufgenommen. Auf diese Weise ist „Zâna Zorilor“ (Fee der Dämmerung) entstanden: Die Künstlerin hatte vollständige Freiheit für ihr Projekt und viel Zeit zur Verfügung. Sie hat sich intensiv mit dem Zeichnen beschäftigt, „mit Füchsen und Flamingos, denn alles war so grau da“, schmunzelt die Künstlerin.

Für sie war das eine sehr produktive Zeit, die sie ausnutzte: „Was ich da gelernt habe, war, dass man den eigenen Weg finden und etwas in seiner eigenen Art und Weise sagen soll“, erinnert sie sich. Diese Zeit betrachtet Andronic als den Ausgangspunkt für die Entwicklung ihres eigenen Stils. „Jetzt mache ist nicht dasselbe, was ich früher gemacht habe. Offensichtlich gibt es Sachen, die ich immer wieder benutze – aber das Ganze verbessert sich, finde ich“,  setzt sie fort. Inspiration findet Andronic weiterhin in Folklore und lokalen Bräuchen. Dabei wird nicht nur die Form (traditionelle Muster), sondern auch der Inhalt berücksichtigt. Sie wollte Abstand von visuellen Mustern nehmen und hat sich stattdessen auf den Inhalt konzentriert: „Wir haben sehr viele Sagen, Bräuche – der Inhalt wurde von einer Generation zur anderen weitergegeben. Und das ist die Basis.“ Sie glaubt an ununterbrochene Arbeit und Hartnäckigkeit: „Keinem fällt eine Idee ein, indem man nichts macht“.

Chronologie der selbst veröffentlichten Bücher

Mădălina Andronic erklärt, dass ihre Illustrationen in mehreren Bereichen benutzt werden können, zum Beispiel in der Werbebranche, für Zeitschriften. Sie findet aber, dass sie die Projekte für Kunden als Künstlerin eingrenzen. Da sie ihrer eigenen Stimme folgen wollte, hat sie sich auch auf persönliche Projekte konzentriert. Inzwischen kann sie schon von dem dritten Buch sprechen, das sie selbst veröffentlicht hat: „Es ist interessant, da zu sein, und Entscheidungen für dich selbst zu treffen. Am Ende bist du zufrieden, dass es so ist, dass du es auf deine Art und Weise gemacht hast“.  Ihr erstes Buch war ihr Abschlussprojekt an der Uni, erinnert sich die Künstlerin. Das Buch zeigte, was Hauptfiguren aus Märchen machten, nachdem das Märchen zu Ende war. Ileana Cosânzeana, Făt-Frumos, Zmeu – jede Figur hatte eine Persönlichkeit. Ileana badete gern und benutzte Duschgel und Creme, um schön zu bleiben, Zmeu las die ganze Zeit Selbsthilfebücher und Studien zum Thema Psychologie, um Făt-Frumos zu besiegen. Făt-Frumos wollte nur fernsehen und ein Bier trinken. Der Drache mit sieben Köpfen musizierte gerne in seiner Freizeit, jeder Teil von ihm spielte ein anderes Instrument – es war eigentlich ein kleines Orchester. 2014 ist das zweite Buch, „Praf de zâne“, erschienen. Dargestellt werden neun Feen, die aus der Mythologie inspiriert wurden, wie zum Beispiel die Fee der Nacht, die Fee des Wassers, der Tiere: “Für jede Fee habe ich ein Porträt geschrieben und eine Illustration gemacht“, meint sie.

„Ce vrăji mai fac fetele/ Fate For Girls Who Can’t Wait“ (dt. Was für Zaubereien junge Frauen noch machen) ist das dritte Buch, das sie selbstständig veröffentlicht hat. Das zweisprachige Buch wurde unlängst auf den Markt gebracht, es enthält zwölf Methoden mit Text und Illustration, die junge Frauen benutzen, um ihr Schicksal zu erfahren. Viele Frauen legen zum Beispiel Basilikum am Tag des Heiligen Andreas unter das Kissen. „Meine Großmutter hatte mir erzählt, wie meine Mutter meinen Vater in einem Glas gesehen hat“, erinnert sich die Künstlerin. Sie findet es schade, dass Eltern ihren Kindern solche Sachen nicht mehr erzählen. Durch ihre Illustrationen will Mădălina Andronic Menschen erreichen: Neulich hat sie auch 15 Schablonen für Hochzeitseinladungen angefertigt, die zu verschiedenen Hochzeitsorten passen würden – am Meer, in einem Wald oder bei einem Schloss. Auch T-Shirts mit Illustrationen der Künstlerin können online gekauft werden. Was die Zukunft weiter bringt, weiß die Künstlerin noch nicht, denn sie hat immer zahlreiche Ideen. Unter www.madiandronic.com kann man die Kunst der Illustratorin bewundern und Bücher oder Keramik  bestellen. Die Werkstatt im Casa Opt kann man auch besuchen, dafür muss man vorher einen Termin mit der Künstlerin vereinbaren.

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