Eine riesige Geschichte

Erfolgreiche Premiere an der deutschen Abteilung des Kinder- und Jugendtheaters „Gong“

Mittwoch, 30. Januar 2013

Sophiechen und Gurie bei der Königin von England.

Sogar die Schatten der bösen Riesen jagten den Kindern große Angst ein. Fotos: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Als kleine Kinder wussten wir alle, dass die Dunkelheit ihre Geheimnisse hat, gefährliche Geheimnisse. Am vergangenen Wochenende erfuhren zahlreiche Kinder im Gong-Theater, wer sich im Schatten verbirgt. Das lustige Gruselmärchen „Sophiechen und der Riese“ nach dem gleichnamigen Buch des englischen Autors Roald Dahl hat sie nicht nur erschreckt und amüsiert, sondern am Ende auch beruhigt, denn die Geschichte ist gut ausgegangen. Aber, der Reihe nach ...

Die deutsche Abteilung des Kinder- und Jugendtheaters „Gong“ brachte die erste Premiere im neuen Jahr in Zusammenarbeit mit der deutschen Abteilung des Radu-Stanca-Theaters auf die Bühne. Regie führte der Luxemburger Daniel Plier vom „Erwachsenen“-Theater. Die Auswahl des Stückes war sozusagen vorbestimmt: „Das Buch scheint dafür bestimmt zu sein, für Puppentheater angepasst zu werden. Man kann mit verschiedenen Größen spielen und die verschiedenen Welten fordern dazu auf, die diversen Formen des animierten Theaters anzunehmen“, erklärte Plier seine Entscheidung.

Die Vorpremiere am Donnerstag erfreute sich eines großen Zulaufs von kleinen Zuschauern. Der Saal war voller Kinder von der Null- bis zur fünften Klasse. Doch schlichen sich auch viele Erwachsene hinein und setzten sich etwas verschämt in die letzten Reihen. Eigentlich hat das Stück keine Altersbegrenzung: „Die Vorstellung wird für ein Publikum im Alter zwischen fünf und 80 Jahren empfohlen“, hieß es in der Einladung. Tatsächlich können nicht nur die Kleinen etwas mit dem Stück anfangen. Es geht darin um allgemeine Werte wie Freundschaft, Akzeptanz, Widerstehen dem Gruppenzwang und, was wahrscheinlich am Wichtigsten ist, um die Fähigkeit das Gute vom Bösen zu unterscheiden.

Am Anfang der Geschichte lernt man das kleine Sophiechen kennen, das in einem sehr unfreundlichen Waisenhaus lebt. Ihr Aufenthalt an diesem traurigen Ort nimmt jedoch ein abruptes Ende. Sie wird von einem Riesen entführt, weil sie ihn aus dem Fenster gesehen hat. Sophiechen hat aber Glück, der Riese ist gut: er heißt nicht vergebens Gurie, d.h. guter Riese. Im Unterschied zu den anderen Riesen, die nichts lieber tun, als kleine Kinder aufzufressen, ernährt sich Gurie von den ekelhaft schmeckenden Kotzgurken. Er weiß nämlich, dass das Fressen von Kindern falsch ist. Wegen seiner Einstellung wird er von den anderen, viel größeren Riesen geächtet und gehänselt. Gurie ist lustig und spricht eine ganz komische Sprache: „Was ich sage und was ich meine, sind zwei verschiedene Sachen“, behauptet er. In der Menschenwelt sorgt er mit seiner Traum-Trompete dafür, dass „menschliche Leberwesen“ schöne oder spannende Träume haben. Sophiechens anfängliche Angst vor dem acht Meter hohen Riesen verflüchtig sich bald und die beiden freunden sich an. Sie gehen auf Träumefang und amüsieren sich köstlich.

Die Lage ändert sich, als die neuen Freunde erfahren, dass die anderen Riesen auf Kinderjagd gehen wollen. Sophiechen überredet Gurie dazu, etwas dagegen zu unternehmen. Wie es ihnen gelingt, die bösen Riesen zu besiegen, will ich nicht erzählen. Ich verrate nur, dass sie bis zur englischen Königin kommen, die Gurie vor lauter Respekt und zur Belustigung der Kinder „Eure Mayonnaise“ betitelt.

Bei der Inszenierung kombiniert der Regisseur Darstellungselemente aus dem Erwachsenen- und dem Puppentheater. Der Riese Gurie wird von Jenö Major gespielt, das Sophiechen am Anfang der Geschichte von Claudia Stühler, die sich nach der Entführung jedoch in eine Puppe verwandelt, um den Größenunterschied zu Gurie zu verdeutlichen. Die anderen Riesen tauchen meistens als Schatten und einmal als fluoreszierende Riesenpuppen auf – und erschrecken die Kinder. Die verschiedenen Techniken machen die Vorstellung abwechslungsreich und lassen keine Langeweile aufkommen.

Auf einige Szenen aus dem Buch musste der Regisseur Plier wegen der kurzen Dauer der Vorstellung verzichten. Dies wurde nach der Aufführung von manchen Zuschauern bemängelt. So bemerkten einige von ihnen das Fehlen von „lustigen Furzelbäumen“. Plier wusste wahrscheinlich nicht, dass die meisten Zuschauer von der Schule Nr. 2 kamen, wo das Buch im Unterricht durchgenommen wurde. Die kleinen Zuschauer waren dennoch fasziniert: Sie lachten und weinten sogar erschreckt. Nach der Vorstellung standen sie Schlange um Autogramme von den Schauspielern zu erhalten.

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