Eine Schwäbin auf Weltreise

Peloponnes – antikes Olympia hautnah erleben

Mittwoch, 10. Mai 2017

Ruinen im Antiken Olympia
Foto: die Verfasserin

Der Peloponnes ist eine griechische Halbinsel östlich von Attika, nur eine kurze Fahrtzeit von Athen entfernt. Urlaub in Griechenland wird vor allem mit den griechischen Inseln in Verbindung gebracht. Aber die tiefen geschichtlichen Wurzeln Griechenlands sind auf den Halbinseln des Festlands zu finden. Von Athen aus ist ein Mietwagen die beste Möglichkeit den Peloponnes zu entdecken. Die Halbinsel ist von Festland durch den Kanal von Korinth getrennt. Die zahlreichen Brücken über den Kanal sind zu jeder Tageszeit vollgepackt mit schaulustigen „Selfiecapatzi“. Eigentlich ist der Kanal von Korinth nichts Anderes als eine schnurgerade, über sechs Kilometer lange, zirka 30 Meter breite, navigierbare Seestraße die von 100m hohen Steilwänden begrenzt ist. Das wirklich beeindruckende ist, dass sie 1881 erbaut wurde, ein ganzes Jahrhundert bevor die moderne Technik erfunden wurde die einen solchen Bau heute zwar noch immer herausfordernd, aber nicht mehr an den Rande der Unmöglichkeit schieben würde. Die Brücken sind rechts und links von Gedenktafeln gesäumt an all jene die während des Baus ihr Leben verloren. Der Kanal war damals eine bedeutende Errungenschaft für die Seefahrt. Er ermöglichte es die gefährliche, 400km lange Peloponnes-Umsegelung auf etwas mehr als 6 gerade Kilometer durch den Isthmus von Korinth zu verkürzen. Der Wind weht sehr heftig auf den Brücken, alles was nicht festgebunden ist fliegt weg. Natürlich bieten sich die Brücken als Bungee-Absprungpunkt an, wofür es bei jeder der fünf Hochbrücken gleich mehrere Anbieter gibt. Die Stadt Korinth selber ist so unscheinbar und unattraktiv, dass ein Abstecher hierher nur zur Not zum Volltanken überhaupt Sinn macht.
Pylos und Methoni sind hingegen viel schönere Städte zum Besuchen und Verweilen. Über Pylos am Golf von Navarino thront die fünfeckige Burg Neokastro die Spuren der Baukunst vieler verschiedener Eroberer der Halbinsel trägt. Das venezianische Schloss von Methoni ist fast schon eine Insel im Meer und ist mit den selben roten Granitsäulen erbaut die auch in Venedig stehen. Beide sind nicht nur perfekte Fotogelegenheiten, sondern strahlen auch lebendige Geschichte aus. Griechische Oliven sind normalerweise viel saurer als spanische oder italienische, aber hier auf dem Peloponnes gibt es eine Ausnahme: die Kalamata-Oliven. Zusammen mit Hackbrettern aus Olivenholz sind sie auch das perfekte Souvenir.
Das nächste sinnvolle Ziel auf einer Peloponnes-Rundreise ist Olympia, die Geburtsstädte der Olympischen Spiele. Heute ist Olympia ein Dorf, das ausschließlich vom Tourismus und der glorreichen Vergangenheit lebt. Die reine Bergluft erinnert ein bisschen an das Banater Wolfsberg, aber die sonnigen Olivenhaine sind unverwechselbar griechisch. Das antike Olympia ist riesig, für einen Spaziergang ist gut mehr als eine Stunde notwendig. Es ist absolut beeindruckend, dass die Tradition der antiken Olympischen Spiele über ein Jahrtausend überdauert hat. Nur Männer waren als Wettkämpfer zugelassen, in zwei Kategorien: Knaben (ohne Bart) und Männer. Für Frauen gab es die Heraia als sportlichen Wettkampf, um zwei Jahre zeitversetzt zwischen den Olympischen Spielen. Die athletischen Wettkämpfe wurden nackt (gymnos) ausgetragen. Die Sportler mussten sich schon Monate vor den Spielen im Trainingslager einfinden, wie so spezielle Sportnahrung bekamen und Sportmassagen. Sie wurden von Trainern und Priestern betreut. Körperliche und mentale Fitness, so wie religiöse Rituale waren Teil der Vorbereitungszeit. Von dem Hera und dem Zeus Tempel ist leider nicht viel übrig geblieben. Die Restaurierung einzelner Säulen ist vor allem deutschen Archäologen und Restauratoren zu verdanken, deren Interesse an Olympia im Zuge der nationalsozialistischen Vereinnahmung der Olympischen Sommerspiele 1936 entfachte und im Zuge derer der Fackellauf der modernen Olympischen Spiele erstmals eingeführt wurde.
Auf der Rückreise von Olympia bietet die Inlandsroute eine willkommene Abwechslung zur Hinfahrt an der Küste entlang. Die kühle, hügelige Landschaft verwandelt sich zunehmendst in hohe Berge mit verträumten Bergdörfern die wie Bergziegen an steigen Klippen hängen. Die Kirchen erinnern sehr an die Bergklöster im Norden Griechenlands und die Tavernen laden mit Tsatsiki und frischem Griechischen Salat zum Verweilen ein. Restaurants sind übrigens nur was für Touristen. Das gute Essen gibt nur in den Tavernen. Der Feta-Käse ist nirgends so gut wie in Griechenland und es lohnt sich welchen mit nach Hause zu nehmen. Wer allerdings zu Hause leckeres griechisches Tsatsiki nachmachen will, muss unbedingt griechischen Joghurt dafür nehmen. Die Gewürze dafür gibt es übrigens auch in brieftauglicher Form verpackt zum verschicken an die Lieben zu Hause.

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