Eine Schwäbin auf Weltreise

Oman – die Vielfalt von Scheherazade´s 1001 Nacht

Dienstag, 15. August 2017

Orientalische Waren im Mutrah Souq.

Qaboos Moschee in Muscat.
Fotos: die Verfasserin

Wir leben im Zeitalter des Humanismus. Menschen, ihre Gefühle und ihr Urteilsvermögen haben größtenteils Gottesgebote ersetzt und entscheiden darüber, was gut und was schlecht ist. Demokratie, freie Marktwirtschaft und die Ästhetik der Kunst (Schönheit liegt im Auge des Betrachters) sind alles humanistische Ideale. Umso verwunderlicher ist es, dass Religion, obwohl sie heutzutage längst ihre mittelalterliche Kraft verloren hat, trotzdem vor allem in den demokratischen, westlichen Ländern so einen großen Einfluss hat über die Entscheidung wo der Urlaub hingehen soll. Bloß nicht in ein muslimisches Land! Aber wieso eigentlich nicht? Humboldts humanistisches Bildungsideal und gleichzeitig der Prototyp eines Weltbürgers was es ja „Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben. Das Bemühen soll darauf zielen, sich möglichst umfassend an der Welt abzuarbeiten und sich dadurch als Subjekt zu entfalten.“

Reisen, vor allem an die Orte die mit den größten Vorurteilen behaftet sind, ist eine ideale Art sich „an der Welt abzuarbeiten“.

Der Oman ist ein sehr gastfreundliches Land. Im Gegenzug für die Gastfreundlichkeit gibt es nur einige einfache Regeln für Touristen zu befolgen: lange Ärmel, Röcke und/oder Hosen tragen. Bei Temperaturen zwischen 30 und 40C und bis zu 13 Sonnenstunden täglich macht lange Kleidung und eine Kopfbedeckung sehr viel Sinn als Schutz gegen Sonnenbrand. Die Hauptstadt und der größte Flughafen ist Muscat. Eines der schönsten Hotels in Muscat ist das Chedi. Es verkörpert luxuriöse orientalische Quintessenz in einer für Europäer kulturell nicht entfremdlichen Form. Von hier aus sind die omanischen Sehenswürdigkeiten sehr gut erreichbar. Wenn nicht schon vor der Reiseplanung geschehen, sollte spätestens beim Concierge im Hotel nachgefragt werden ob es im Royal Opera House gerade Tickets für eine Vorstellung gibt. Falls nicht, trotzdem unbedingt besuchen und einmal Abendessen im Indus, dem Restaurant in der Oper wo der herrlich cremige Fisch in Kokossoße am leckersten schmeckt.

Die große Sultan Qaboos Moschee ist das zweite Muss auf der Liste für jeden Touristen. Sie ist für Frauen nur mit Kopfbedeckung betretbar und ausschließlich mit Blumenmuster dekoriert. Am beeindruckendsten ist der über 4.000m2 große Gebetsteppich mit fast zwei Milliarden Knoten, der über 20 Tonnen wiegt. Das Betreten des Teppichs ist außerhalb der Gebetsstunden verboten, aber allein drum herum laufen an der Absperrung entlang ist schon absolut faszinierend!

Vor allem die Damen und auch die Herren denen Feilschen Spaß macht, werden den Mutrah Souq, den größten Bazar in Muscat lieben. Er ist riesig groß, eine kleine Stadt in sich. Die engen, mit Sonnensegeln abgedeckten Straßen des Souqs sind noch nicht sehr stark von der Globalisierung betroffen. Es werden vor allem traditionelle Waren feilgeboten. Alles ist verhandelbar. An zahlreichen Ständen reihen sich Händler aneinander, die Weihrauch (essbaren und brennbaren) und die entsprechenden Behälter dafür, Aladinlampen, herrlich geschwungene Perserkannen, reich verzierte kupferne Kaffeekrüge, üppiger orientalischer Gold- und Silberschmuck, Paschminas, exotische Gewürze und nicht zuletzt leichte, wallende, arabische Seiden- und Leinengewänder anbieten. Jeder Preis wird verhandelt und kann mindestens auf die Hälfte gedrückt werden. Ein schwarzer Tee gehört zu jedem größeren Kauf gratis dazu. Tee, nicht Eistee, trotz der hohen Temperaturen. Heißer Tee kühlt überraschender Weise bei über 40C mehr und länger anhaltend als Eistee.

Die beiden Forts Al Mirani und Al Jalaili bewachen die Bucht des Hafens von Old Muscat. Beide sind für Touristen offen und erzählen die turbulente lokale Geschichte, vor allem die der Seeschlachten. Zum Erleben einer fremden Kultur gehört typisches Essen und Trinken auf jeden Fall dazu. Der Kaffee heißt hierzulande Kahwa und ist mit Kardamom gewürzt. Mashuai ist das leckerste lokale Fischgericht: am Spieß gegrillte Stachelmakrele in Zitronensoße. Sakhana ist eine schmackhafte, mit Mehl verdickte Milchsuppe mit Datteln. Datteln gibt es hier übrigens nicht nur getrocknete wie bei uns, sondern frische! Der Unterschied ist wie zwischen jedem gedörrten Obst und der frischen Variante: direkt vom Baum (oder der Dattelpalme) schmeckt Obst eben doch am besten. Das Fazit von soviel Schönheit, Vielfalt und Geschmacksknospenverwöhnung ist: nicht in muslimischen Staaten Urlaub machen zu wollen ist ein absolut unbegründetes Vorurteil.

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