Eine Schwäbin auf Weltreise

Porto – von einem Weinkeller zum nächsten

Dienstag, 12. September 2017

Ribeira, das Flussufer in Porto

Führung durch den Weinkeller von Sandeman
Fotos: die Verfasserin

O Porto bedeutet auf Portugiesisch „der Hafen“, eine sehr treffende Beschreibung für Porto, dessen Wohlstand auf den beiden Standbeinen Handel und Hafen aufgebaut wurde. Die größte Stadt im Norden Portugals liegt an der Atlantikmündung des Flusses Douro. Die Ponte Dom Luís I Bogenbrücke verbindet das von Touristen wimmelnde Großstadttreiben mit Vila Nova de Gaia am anderen Ufer. Gaia ist die Stadt der Portweinkeller, das Zentrum der Portweinproduktion.

Porto ist eine Barockstadt. Die Ribeira, das Flussufer, ist der bekannteste, belebteste und beliebteste Teil der Altstadt. Von hier aus starten zahlreiche traditionelle Rabelos (Portweinbote), die optisch eine gewisse Ähnlichkeit haben mit den Gondolen aus Venedig, ihre Rundfahrten mit Touristen. Die beiden Prachtstraßen Avenida dos Aliados und Rua de Santa Catarina sind herrlich zum flanieren geeignet, vor allem im Nachmittagsschatten. Zahlreiche Cafés und Restaurants reihen sich eng aneinander, aber am Ende des Tages lenken sie nur vom Hauptbesuchsgrund ab: der Portweinverkostung.

Die Dom Luis Brücke ist im unteren Teil für Fußgänger geöffnet. Im gegenüberliegenden Gaia, das den Namen Dorf nicht wirklich verdient reiht sich ein Portweinkeller an den anderen. Die Fässer wirken wie Perlenketten. Die Keller der verschiedenen Caves (Weingüter) sind Mauer an Mauer gebaut und laden alle zu einer Portweinverkostung ein, viele mit Käse- oder Schokoladenbegleitung. Caves Ferreira verzaubert mit der Old Bar, einem Weinverkostungsraum vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Caves Croft bietet was ganz Spezielles an: Blindverkostung. Caves Offley und Sandeman beherbergen in ihren Granitbauten antike Portweinsammlungen, wo über hundert Jahre alte Portweine feilgeboten werden (zu einem entsprechenden Preis). Real Companhia Velha ist eines der ältesten Portweingüter Gaias und sein Vintage Museum stellt die vielleicht ältesten (unverkäuflichen) Portweinflaschen der Stadt aus. Espaço Porto Cruz bietet eine sehr moderne Portweinverkostung inklusive einem Schokopralinenkurs: wie stellt man die perfekt passende Schokopraline für einen bestimmten Portwein selber her. Caves Graham’s und Churchill's bieten die beste Aussicht über den Douro bei der Portweinprobe und bei Caves Cálem gibt’s Fadokonzerte im Weinkeller.

Die Portweintour und Verkostung läuft im Prinzip aber überall gleich ab. Zuerst erfährt der neugierige Besucher was die idealen Wetterbedingungen sind damit ein guter Weinjahrgang heranreifen kann. Die perfekten Jahrgänge sind selten und dementsprechend teuer. Das letzte perfekte Jahr war 2011. Aus allen anderen, mittelmäßigen Jahrgängen wird Ruby Portwein hergestellt. Ruby ist ein rubinroter, junger Portwein der nur zwei-drei Jahre im Fass verbleibt und schnell getrunken wird. Etwas bessere Jahrgänge werden nach den ersten Jahren in kleinere Fässer (Pipen) umgefüllt, wo sie nochmal so lange gelagert werden. Old Tawny wird 10, 20, 30 oder 40 Jahre in den kleinen Pipenfässer gelagert. Die aber Jahresangabe ist jeweils der Altersdurchschnitt, also ein 20jähriger Old Tawny kann ein Gemisch aus einer 10 und einer 30jährigen Lagerung sein. Colheitas oder Jahrgangs-Tawnies werden genau sieben Jahre in Pipenfässer gelagert und dann mit Angabe des Erntejahres abgefüllt.

Am allerbesten sind allerdings die Vintage-Ports aus den Jahrgängen in denen ganz spezielle, seltene Wetterbedingungen den Trauben die perfekten Reifungsbedingungen geboten haben. Diese Portweine werden sofort in Flaschen abgefüllt und reifen in der Flasche. Erst nach mindestens einem Jahrzehnt sind sie trinkreif. Die Reifung in der Flasche führt dazu, dass sich ein Depot bildet, weswegen diese Weine vor dem Trinken dekantiert werden müssen.

Porto ist aber nicht nur ein Reiseziel für Liebhaber von süßem Portwein. Das „World of Discoveries“ ist ein Abenteuerpark der die Geschichte der portugiesischen Welteroberer erzählt. Die Entdeckungsreisen von Magellan, Vasco da Gama, Bartolomeu Dias werden auch kulinarisch untermalt mit verschiedenen exotischen Gerichten aus allen ehemaligen portugiesischen Überseekolonien. Wer ein bischen mehr als ein Wochenende Zeit hat, kann sich auch einen Tagesausflug entlang des Douro Tals gönnen. Der Portwein und die mit Portwein gefüllten Schokopralinen dürfen als Souvenir nicht fehlen, aber auch Korkprodukte und bunte, farbige Fliesen die zu Kühlschrankmagneten verarbeitet wurden sind ein schönes anderen an eine Stadt in der man sich so wunderschön im leichten Dauerschwipszustand von Portweinkeller zu Portweinkeller, von Fass zu Fass rollen kann.

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