Eine Schwäbin auf Weltreise

Istrien – das Camper-Paradies an der Adria

Mittwoch, 04. Oktober 2017

Strand in Istrien

Künstlerdorf Groznjan
Fotos: die Verfasserin

Von Temeswar aus ist die Adriatische Küste näher als das Schwarze Meer. Aus Belgrad gibt es Direktflüge zu fast allen kroatischen Flughäfen am Meer. Charterflüge aus Temeswar und Arad brauchen auch nur zwei Stunden bis zum Strand. Die Halbinsel Istrien ist dabei am nahesten gelegen. Istrien ist kein fünf Sterne Urlaubsziel, auch die All-inclusive Touristen sind hier die Ausnahme. Istrien ist auf Camper, Zelturlauber und Wohnmobile spezialisiert. Fast die gesamte Halbinselküste entlang reihen sich die Campingplätze aneinander. Dementsprechend groß ist die Vielfalt an Restaurants denen die Hotels und die Selbstversorger höchstens zum Frühstück Konkurrenz machen.

Ein Mietwagen lohnt sich für alle die mit dem Flugzeug anreisen, denn Istrien hat so viel zu bieten, dass es schade drum ist hier keinen Aktivurlaub zu planen. Die gesamte Gegend ist ein Karstgebiet, von unzähligen kleineren und größeren Tropfsteinhöhlen untertunnelt. Bei Regen, Strandüberdruss oder zu heißem Wetter ist ein Ausflug zu einer der vielen Höhlen eine willkommene Abwechslung. Baredine ist die spektakulärste davon. Hier hat sich eine weltweit einzigartige Spezies von blindem, farblosen Grottenmolch über die Jahrhunderte entwickelt. Abenteuerlustige können auch die für Touristen normalerweise nicht zugänglichen Teile der Höhle unser Aufsicht von Speologen mit Kletterausrüstung erkunden.

In Pazin kommen sowohl Höhlen- als auch Schlossliebhaber auf ihre Kosten, denn die sehr gut erhaltene Burg Pazin ist über einer Höhle gebaut und vom Schloss gibt es eine atemberaubende Abseilmöglichkeit über die Schlucht zur Höhle. Auch Burgen und Schlösser gibt es sehr viele in Istrien. In der Festung Svetvinčenat im gleichnamigen Dorf gibt es fast jeden Abend ein historisches Spektakel in dem die Geschichte der beiden Herrscherfamilien Morosini und Grimani nacherzählt wird, komplett mit Hexenverbrennung und Rittertournier.

Das schönste, perfekt erhaltene und seit über 50 Jahren von Künstlern bewohnte mittelalterliche Dorf ist Groznjan. Der mittelalterliche Charme und die historische Atmosphäre ist auf den engen Gassen des umfriedeten Dorfes perfekt erhalten, welches auf einer Hügelspitze erbaut wurde. Jedes Haus ist ein Künstleratelier und von jeder Terrasse bietet sich eine herrliche Aussicht über Istrien. Groznjan liegt an der istrischen Olivenöl- und Weinstraße, welche direkt an den kleinen, biologisch produzierenden Bauernhöfen vorbeiführt. Es lohnt sich wirklich eine oder mehrere Olivenöl Verkostungen mitzumachen. Je nach Olivenart, Bodenbeschaffenheit, alter der Olivenhaine und Herstellungsart sind die Öle individuell sehr unterschiedlich. Hier wird nur natives, kaltgepresstes Olivenöl hergestellt, das zu schade ist zum kochen und entweder einfach mit Brot oder zur Verfeinerung von Salaten am besten geeignet ist. Perfekt dazu passend sind die Kochlöffel aus Olivenholz die in Handarbeit seidig fein geschliffen werden. Jeder Löffel ist so einzigartig wie das Holz aus dem er hergestellt wurde und keine zwei Kochlöffel sind identisch. Die Weinbauernhöfe bieten meistens auch eine Käseverkostung zur Weinprobe mit an und einige ausgewählte sogar Kochkurse in traditioneller istrischer Küche.

Im Sommer ist das Abendprogramm hier sehr vielfältig. Fast jede Stadt hat ein Freilichtkino unter den Sternen am Meeresufer. Jeden Abend gibt es ein Straßenfest in sich abwechselnden Dörfern. In der Arena in Pula aus dem ersten Jahrhundert, vom römischen Kaiser Vespasian erbaut, wird dreimal pro Woche eine Gladiatorshow veranstaltet. Es gibt hier eine zeitgenössische Gladiatorschule in der die alte Kampfkunst erlernt werden kann. Die „Spectacvla Antiqva“ erzählt (in einem vor allem für Kinder geeigneten Format) die Geschichte der Erbauung der Arena und empfindet einen typischen römischen Gladiatorenkampf Tag nach. Hinterher kann das Publikum selber in die Arena kommen und sich mit allen Gladiatoren und sogar dem Kaiser fotografieren. Am allerschönsten sind aber die Musikkonzerte in der alten römischen Arena. Am Meer, unterm freien Sternenhimmel, mit perfekter Akustik, erklingen hier die Stimmen von Eros Ramazzotti oder Tom Jones besonders beeindruckend.

Aber natürlich ist der Sommer vor allem die Zeit zum faul am Strand liegen. Sandstrände sind hier sehr selten, also auf jeden Fall Badeschuhe einpacken. Ob man sich am Ende für das älteste FKK-Camp in Valalta entscheidet oder für die Strände von Medulin, Fazana oder Rovinj ist persönliche Geschmackssache. Schön sind sie auf jeden Fall alle, so lange der 50+ Sonnenschutz hält und die Pinienwälder am Strand ein bisschen Schatten zum ausruhen und die Seele baumeln lassen bieten.

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