Eine Schwäbin auf Weltreise

Island – unterwegs im Land aus Eis und Feuer

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Zum Touristenbus umgebauter NATO-Raketensattelschlepper auf dem Gletscher Langjökull

Der Wasserfall Aldeyjarfoss
Fotos: die Verfasserin

Island ist das vielleicht exotischste Land in Europa. Die Insel entstand erst nach dem die Saurier verschwunden sind. Das junge Land ist so schön wie eine zwanzigjährige Frau im Vergleich zur Rentnerin Europa, deren Land von Wind und Wetter bereits ein paar hundert Millionen Jahre länger erodiert wurde. Die zirka 300.000 Bewohner wohnen zu zwei Drittel in der Hauptstadt Reykjavik, in wörtlich „der Stadt“. Die restlichen zirka 100.000 Isländer leben auf kleinen, isolierten Farmen, Fahrtstunden entfernt voneinander. Das Vikingererbe ist vor allem bei den Frauen gut zu erkennen: Sie arbeiten in allen Männerberufen gleichberechtigt und auch körperlich gleich stark.

Keflavik ist mit 90 Prozent der Flüge der größte internationale Flughafen. Im Juli und August fliegen Lufthansa aus München und Wizzair aus Budapest direkt nach Keflavik. Der Flughafen ist an Reykjavik über einen Flybus gut und günstig angebunden, der Touristen bis zum jeweiligen Hotel bringt und von dort für die Rückfahrt auch wieder abholt. Die berühmte Blaue Lagune - ein Schwimmbad mit geothermalem Wasser - ist ein beliebter Zwischenstopp auf dem Weg in die Stadt gleich nach Ankunft oder vor dem Rückflug. Die Blaue Lagune ist allerdings eine ganz große Touristenfalle. Nur die Nähe zum Flughafen spricht für einen Besuch, alles andere ist das Ergebnis von ausgezeichnetem Marketing und hat nichts mit Erlebnisqualität zu tun.

Alles was Reykjavik zu bieten hat ist eine moderne Betonkirche. Dafür lohnt es sich auf keinen Fall bis hin zu fliegen. Alles wirklich beeindruckende ist weit verstreut auf der gesamten Insel. Als generelle Daumenregel gilt: Nichtrentner sollten alle Attraktionen, die auf asphaltierten Straßen von Bussen erreichbar sind, möglichst vermeiden. Die authentischste Art Island zu erkunden ist mit einem Mietwagen. Da es keine asphaltierten Straßen gibt im Landesinneren und viele ziemlich große Flüsse mitten durch die Schotterstraße fließen, muss es jedoch ein Super-Geländewagen sein. Erst wenn die Räder bis zur Hüfte reichen, dann ist das Auto groß genug. Die Alternative, im Fluss stecken bleiben, weil das Auto zu klein war, ist teurer als gleich den richtigen Mietwagen zu nehmen. Idealerweise sollte ein ortskundiger Reiseführer dabei sein, denn die GPS-Karten sind nicht gerade aktuell. Die schönsten Orte sind außerdem im Internet gar nicht zu finden oder nur auf isländischen Webseiten. 

Island hat alle Landschaftsbilder außer Wälder: Schnee, Gletscher, Wüsten (gelbe und schwarze Vulkanasche), Seen, Lagunen, Fjorde, Küsten, Hügel, Lavafelder und Berge. Das Wetter ist so vielfältig und veränderbar wie die Landschaft. Der Lieblingsspruch der Isländer lautet: „Wenn Dir das Wetter nicht gefällt, dann warte 5 Minuten!“ So schnell kann das Wetter von Regen, zu Sonne, zu Nebel, zu Sturm, zu Wind oder zu Schnee umschlagen.

Absolute Highlights in Island, die unbedingt auf die Besichtigungsliste gehören, sind u.a. Thrihnukagigur, der einzige Vulkankegel der Welt, der über einen 150 Meter in die Tiefe absteigenden Lift besichtigt werden kann; eine der Gletscherhöhlen, z.B. Langjökull; man sollte unbedingt in der geothermalen Höhle Grjotagja baden, in der die Filmserie „Game of Thrones“ gefilmt wurde; den leistungsstärken Wasserfall Europas, Dettifoss, besichtigen, wo der Spielfilm „Prometheus“ gedreht wurde oder im Lavafeld Landmannalaugar spazieren und Trolle suchen. Man darf auch folgende Sehenswürdigkeiten nicht verpassen: Aldeyjarfoss, den meiner Meinung nach wegen der Basaltkolumnen, die ihn umrahmen, der schönste Wasserfall in Island ist; einen eisigen Fluss durchqueren und zum versteckten Wasserfall Gljufrafoss ankommen; in einem geothermalen Fluss baden (Reykjadalur) und die Nordlichter bewundern. Jedes dieser Orte und Erlebnisse ist so einmalig, dass ein Vergleich unmöglich ist. Der Fußmarsch zum Vulkan Thrihnukagigur ist jeweils eine Stunde lang (hin und zurück), aber es lohnt sich auf jeden Fall! Die halbe Stunde Fahrt zur Gletscherhöhle im Langjökull in einem umgebauten NATO-Raketensattelschlepper ist ein Abenteuer in sich. Jedes dieser Abenteuer braucht mindestens eine Seite um auch nur annähernd angemessen beschrieben zu werden. Jeder Tag in Island bedeutet sehr viel Bewegung, zu Fuss gehen und Bergsteigen. Isländer lassen die Abende in den zahlreichen warmen Quellen ausklingen und Touristen tun gut daran ihrem Beispiel zu folgen.

Elfen leben in Steinen in Island, Trolle verstecken sich hinter jedem Lavafelsen und wer das nicht glaubt, muss einfach selber hinfliegen und Island hautnah erleben!

 


 

 

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