Eine Stadt, mit der ganzen Welt verbunden

Genf: hohe Lebensqualität, hohe Lebenshaltungskosten

Donnerstag, 21. Januar 2016

Die 140 Meter hohe Wasserfontäne am Genfer-See ist ein Wahrzeichen der Stadt. Dahinter ist bei gutem Wetter rechts der Mont Blanc zu sehen.

Sitz der Organisation des Internationalen Roten Kreuzes.

Die Allee, die zum Sitz der Vereinten Nationen führt, wird von den Flaggen der UN-Mitgliedsstaaten gesäumt.

Die Basilika Notre Dame de Geneve.
Fotos: Dieter Drotleff

Durch die tägliche Medienberichterstattung über Genf und die dort befindlichen zahlreichen internationalen Organisationen hat man fast den Eindruck, diese Stadt schon zu kennen. Besucht man sie aber erst, wird man von dieser, von ihren Bewohnern, von der umliegenden Landschaft fasziniert. Zwar ist Genf mit seinen weniger als 200.000 Einwohnern keine Großstadt im wahrsten Sinne des Wortes, doch hat man schon bei der Ankunft den Eindruck, Gast in einer Weltstadt zu sein. Dies vor allem durch die zahlreichen öffentlichen Gebäude, meistens Prachtbauten, die Sitze von internationalen Organisationen sind.

Der vierte Hauptsitz der Vereinten Nationen (UNO) - nach denen von New York, Wien und Nairobi - befindet sich in Genf. Die Hauptallee wird von den Flaggen aller UN-Mitgliedstaaten gesäumt. Auf anderen Gebäuden sind die Fahnen der jeweiligen internationalen Organisationen hochgezogen, an den Zugängen sind Tafeln mit den Namen angebracht. In Genf befindet sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Welthandelsorganisation (WTO), die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN), der Ökumenische Rat der Kirchen (WCC), die Internationale Organisation für Migration (IOM), die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), um nur einige zu nennen. Vielleicht auch durch diese Anhäufung an Diplomaten und Beamten aus aller Welt gilt Genf nach Zürich als eine der Städte weltweit mit der höchsten Lebensqualität, aber auch den höchsten Lebenshaltungskosten. Über 28.000 Menschen arbeiten direkt für die in der Stadt befindlichen 30 internationalen Organisationen und 172 akkreditierten Missionen. Als Tourist merkt man das sehr schnell an den hohen Preisen - besonders wenn man aus Osteuropa kommt.

Multikulturelle Stadt

In Genf - der Stadt, die schweizerdeutsch auch Gänf, französisch Geneve, italienisch Ginevra, rätoramanisch Genevra, genannt wird, also in den vier offiziellen Sprachen der Schweiz, merkt man auf Schritt und Tritt Multikulturalität. Man kann sich in allen vier Sprachen, natürlich auch in Englisch, verständigen, doch meist erhält man die Antwort doch auf Französisch, das dort mehrheitlich gesprochen wird. Genf ist Vorort des gleichnamigen Kantons, ist keine Städtepartnerschaft mit einer Stadt eines anderen Landes eingegangen, da sie sich als mit der ganzen Welt verbunden erklärt, eben durch diese zahlreichen internationalen Organisationen. Eingeteilt ist die Stadt in vier Stadtviertel, die wiederum in „Quartiers“ untergliedert sind. Alle in der Stadt lebenden großjährigen Schweizer Bürger, wie auch jene Ausländer, die seit über acht Jahren in der Schweiz wohnhaft sind, erfreuen sich des Wahlrechtes.

Wandert man durch die Stadt, werden die Blicke besonders von den unzähligen Vitrinen angezogen, in denen Schweizer Uhren ausgestellt sind und zum Verkauf angeboten werden. Die Preise reichen je nach Hersteller von einigen Hunderten Schweizer Franken bis zu Tausenden. Genf ist die wichtigste Uhrenstadt der Welt. Dort befindet sich auch der Hauptsitz des Luxusherstellers Rolex. Natürlich gibt es auch eine riesige Blumenuhr in der Stadt. Kein Wunder also, dass in Genf die weltweite Messe für Luxusuhren organisiert wird. Aber auch weitere Messen, wie die Luftfahrtmesse, der Internationale Autosalon oder die internationale Messe der Erfindungen ziehen bei jeder Auflage Tausende Besucher aus der ganzen Welt an.

Umgeben von Gipfeln der Alpen und dem Höhenzug des Juras liegt Genf in der Bucht des Genfer Sees, wo die Rhone diesen verlässt. Die 140 Meter hohe Wasserfontäne ist einer der wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen und Fotografen. Bei schönem Wetter kann man dahinter in der Ferne auch den Mont Blanc ausmachen. Am rechten Ufer befinden sich die großen Hotels der Stadt, am linken Ufer liegt die Altstadt und das Einkaufs- und Geschäftsviertel. Mehrere Seepromenaden, zahlreiche Parkanlagen – 20 Prozent des Stadtgebietes sind Grünflächen -, die Gassen der Altstadt und elegante Geschäfte laden zum Bummeln und Schmökern ein. So kann man von früh bis spät abends die Stadt kennenlernen.

Der Genfer See

Eine Schifffahrt auf dem Genfer See sollte man sich nicht entgehen lassen. Nach dem Platten-See in Ungarn ist dieser der zweitgrößte See in Mitteleuropa. 372 Meter über dem Meeresspiegel gelegen hat der Genfer See eine Fläche von 580,03 Quadratkilometer, davon gehören 345,29 zu der Schweiz und 234,74 zu Frankreich. An seiner tiefsten Stelle misst er 310 Meter.

Würde man Wochen in der Stadt am Genfer See verbringen, wäre selbst das nicht ausreichend, um alle Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Außer der schon erwähnten Fontäne, zu der einen fast unwillkürlich jeden Tag die Schritte führen, sollte man sich mehrere Stunden Zeit für den botanischen Garten mit seiner vielfältigen Pflanzenwelt reservieren, aber auch für einige der wichtigsten Bauten in der Stadt, etwa die Kathedrale Saint Pierre, die die Altstadt überragt, die Basilika Notre Dame de Geneve oder den Völkerbundpalast.

Jeweils mehrere Stunden benötigt man auch für das ein oder andere Museum der Stadt - diesbezüglich ist die Auswahl sehr groß. Das Kunst- und Geschichtsmuseum bietet Einblicke in die Geschichte der Stadt, die um 120 v. Chr. unter der Herrschaft der Römer entstand. Von 400 bis 1536 war sie Bischofssitz, im 5. und 9. Jahrhundert Sitz der burgundischen Könige. 1814 wurde Genf als Stadtrepublik ausgerufen. Weiters sollte man sich das Völkerkundemuseum, das naturhistorische Museum, das Keramik- und Glasmuseum sowie auch das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum nicht entgehen lassen. Weil im Jahr 2017 das 500- jährige Jubiläum der Reformation gefeiert wird, ist das Museum der Reformation in letzter Zeit ebenfalls zu einem großen Anziehungspunkt geworden. Genf ist aber auch eine bekannte Universitätsstadt: Johannes Calvin gründete 1559 die Universität Genf als theologische und humanistische Akademie. Heute umfasst diese neun Fakultäten.

Es lohnt sich, die Reise nach Genf mit dem Wagen anzutreten, damit man bereits die Alpenlandschaft in Österreich und der Schweiz genießen kann, die zu jeder Jahreszeit ein bleibendes Erlebnis bietet.

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