Eine Stimme für das Kulturerbe

Cristian Ţopescu wurde „Botschafter der Kirchenburgen“

Samstag, 07. September 2013

Der bekannte Sportkommentator Cristian Ţopescu in der Honigberger Kirche Foto: Beatrice Ungar

Im Rahmen eines festlichen Orgelkonzerts der Reihe „Musica Barcensis” wurde der Sportjournalist Cristian Ţopescu am Freitag vergangener Woche in Honigberg/Hărman zum ersten „Botschafter der Kirchenburgen” gekürt. Die Verleihung des Titels ist Teil des Projekts „Entdecke die Seele Siebenbürgens”, einer Initiative der Evangelischen Kirche A.B. Rumänien. Dokumentiert wurde die aktuelle Lage der Kirchenburgen mit Fotografien des Bildhauers Peter Jakobi, die auf eine Leinwand in der Honigberger Kirche projiziert wurden. Den musikalischen Rahmen gestaltete meisterhaft der Organist Wolfgang Karius aus Aachen – er spielte auf der historischen Prause-Orgel Musik aus dem 17. und 18 Jahrhundert, gekrönt von Choralbearbeitungen von Bach.

Seitens der Gastgeber sprach Pfarrer Dr. Stefan Cosorabă einleitend von dem wertvollen materiellen, kulturellen und spirituellen Erbe der siebenbürgisch-sächsischen Sakralbauten. Er hob hervor, dass sie im Laufe der Zeit immer in Selbstverwaltung von den sächsischen Gemeinden getragen worden sind, ganz gleich, wer an der politischen Spitze des Landes regierte. Genauso sei nun Selbstverwaltung notwendig, um das Kulturgut zu erhalten und zu schützen. „Zudem haben die Kirchenburgen mehrmals im Laufe der Jahrhunderte einen maßgeblichen Wandel über sich ergehen lassen“, sagte Cosoroabă.

Nach dem Ende der Angriffe aus der osmanischen Zeit verloren sie ihre Verteidigungsfunktion und wurden zu „Gesellschaftszentren” für die Dorfbewohner. Schulen, Kindergärten, Räume der Nachbarschaften, Probesäle für Chöre, Blaskapellen und Konfirmandenunterricht wurden im Mauerring der Kirchenburgen eingerichtet.

„Nichtsdestotrotz konnten nicht alle Wehrbauten die Jahrhunderte überdauern. Heute sind es knapp 250, von denen noch höchstens 100 für Gottesdienste genutzt werden. Wir stellen uns die Frage: Was wird in zehn Jahren sein? Was wird in fünfzig Jahren sein?“ Das Projekt „Entdecke die Seele Siebenbürgens” sei ins Leben gerufen worden, um einen neuen Wandel der Kirchenburgen hin zu einem niveauvollen Kulturtourismus zu unterstützen und vor allem, um sie in der rumänischen Öffentlichkeit bekannt zu machen, so Cosoroabă. Die Schwarze Kirche in Kronstadt beispielsweise sei mit beinahe 200.000 Touristen im Jahr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Doch Kirchenburgen wie jene in Wurmloch/Valea Viilor zählen jährlich nicht mehr als eintausend Besucher, von denen die meisten nicht aus Rumänien kommen. Und dies trotz der Tatsache, dass Wurmloch UNESCO-Weltkulturerbe ist. „Fakt ist, dass die Kirchenburgen bekannter im Ausland sind als zu Hause. Das wollen wir ändern.“

Die Verleihung des Ehrentitels „Botschafter der Kirchenburgen“ ist aus der Tradition der UNICEF inspiriert, bei der berühmte Persönlichkeiten für gemeinnützige Zwecke werben. Genauso soll fortan für die Kirchenburgen geworben werden – und zwar zuallererst in der rumänischen Gesellschaft und bei jenen Menschen, die in unmittelbarer Umgebung des wertvollen Erbes leben, aber noch keinen Bezug dazu hergestellt haben.

Der Festakt der Titelverleihung an Crisian Ţopescu wurde vom Bischof der Evangelischen Kirche A.B. Rumänien, Reinhart Guib, vorgenommen. In der Urkunde heißt es: „Herr Cristian Ţopescu, geboren am 26. März 1937, erhält hiermit den Auftrag und das Recht, für unsere 170 Kirchenburgen, Wehrkirchen, Kirchen und Bauernburgen öffentlich zu sprechen und sich für ihre Zukunft einzusetzen.“ Die Wahl sei, laut Bischof Guib, auf Ţopescu gefallen, weil er eine wichtige und bekannte Persönlichkeit Rumäniens sei, gekennzeichnet von Professionalität, Gewissenhaftigkeit, Bescheidenheit und Fairness.

„Es ist für mich eine große Ehre, eine Botschaft der Evangelischen Kirche in die Öffentlichkeit zu tragen“, sagte Cristian Topescu. „Diese Botschaft wurde hierzulande bisher leider kaum wahrgenommen, doch ich möchte meinen Beitrag für die Rettung der Kirchenburgen und die Entwicklung des Kulturtourismus leisten und auch andere Persönlichkeiten der Öffentlichkeit für ein diesbezügliches Engagement begeistern.“ Der Sportjournalist ergänzte seine Ansprache mit der Erwähnung wichtiger sächsischer Persönlichkeiten und Fakten aus der Sportwelt: Stephan Ludwig Roth zum Beispiel hatte vor Jahrhunderten erstmals den Sportunterricht in den Lehrplan eingeführt; in der „Kronstädter Zeitung” erschien die erste Sportbeilage Siebenbürgens; 1880 wurde der Siebenbürgische Karpatenverein gegründet; kurz vor dem Ersten Weltkrieg startete der Flugpionier Albert Ziegler seinen historischen Flug über Zeiden. „Das Böse kann sich nicht verbreiten, wenn die guten Menschen etwas tun“, sagte abschließend der neue Botschafter der Kirchenburgen.

Kommentare zu diesem Artikel

lisaveta, 09.09 2013, 19:34
Oh ja, der Mann hat(te) grosses Charisma als Sportkommentator der Vorwendezeit, als er einem sogar die Farbe der Sportanzuege zu beschreiben wusste, da die Schwarweissfernseher in diesem Sinn wenig hergaben. In so fern scheint die Wahl legitim, zumal der Mann eine gescheite Rhetorik besitzt im Gegensatz zu den meisten Vertretern der deutschsprachigen Minderheit, denen es manchmal schwer faellt sich in einer andern Sprache entsprechend zu artikulieren. Als Kulturmensch muesste er ebenfalls qualifiziert sein fuer diesen Job, also wollen wir ihm und den Kirchenburgen schon einmal viel Erfolg wuenschen!

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