Eine verdichtete Realität

Hans Bergel fand sich zu einer Lesung ein

Sonntag, 28. Oktober 2012

Die Lesung von Hans Bergel (links) im Kronstädter Forumssaal wurde von Thomas Şindilariu moderiert. Foto: Dieter Drotleff

Der Schriftsteller Hans Bergel hatte am Freitag, 12. Oktober, auch eine Begegnung mit Mitgliedern des Kronstädter Jugendforums. Die im Kronstädter Forum anwesenden Jugendlichen hatten zwar keine Fragen parat, hörten jedoch aufmerksam den Erläuterungen und Erinnerungen von Hans Bergel zu. „Nutzt euren Verstand, nicht lasst euch vereinnahmen, bleibt Individuen“, könnte Bergels Ratschlag an die Jugend zusammengefasst werden. Zivilcourage als Mittel gegen Diktatur und Willkür sei auch ein guter Grund, um an die Zukunft dieses Landes zu glauben, die nun in den Händen der Jugend liegt.
Foto: Ralf Sudrigian

Zu einer Lesung traf Hans Bergel am Dienstag, dem 16. Oktober l. J., im Festsaal des Kronstädter Forums ein. Es war zugleich auch der Stichtag der vor 400 Jahren stattgefundenen Schlacht von Marienburg in der der Kronstädter Stadtrichter Michael Weiss, Studenten und Bürger ihre Vaterstadt im Kampf gegen die Truppen Bathoris verteidigten und dabei ihr Leben verloren. Punkt 17 Uhr, als die Große Glocke der Schwarzen Kirche zu deren Gedenken läutete, war auch der Vortrag des seit 1968 in Deutschland lebenden Gastes vorgesehen, moderiert von dem Historiker und Leiter des Archivs der Schwarzen Kirche, Thomas Şindilariu.

Nach einleitenden Gedanken zu diesem historischen Ereignis machte er die Verbindung zu dem Leben und Schaffen von Hans Bergel, der auf perfide Art in dem 1959 stattgefundenen Schriftstellerprozess, gemeinsam mit den anderen Literaten Georg Scherg, Andreas Birkner, Wolf von Aichelburg und Harald Siegmund, zu schweren Haftjahren und Aberkennung ihrer bürgerlichen Rechte verurteilt wurden. Diese Menschen  strahlen eine schier unbegrenzte Energie aus, besonders dann, wenn sie sich auch literarisch betätigen, betonte der Moderator. Dabei erinnerte er  an eine Anekdote, die damals unter den Securitate-Mitarbeitern zirkulierte. Auf die Frage, welches sei das härteste Material, gab der eine zur Antwort, der Stahl, der andere Granit. Das stärkste sei aber ein politischer Häftling.

Das trifft auch für Hans Bergel zu, nimmt man allein die 19 Gefängnisse und Orte in Rumänien  in  Betracht, wo Hans Bergel in den Jahren 1947/1948, 1954 und 1959 – 1964 inhaftiert oder auf Zwangsarbeit war.  Seine veröffentlichten Romane und Erzählungen sind eine verdichtete Literatur des selbst Erlebten. Allgemein haben diese autobiografischen Einschlag. Erinnert sei an die Romane „Wenn die Adler kommen“ oder „Der Tanz in Ketten“ die beide auch ins Rumänische übersetzt wurden.

Den sehr interessierten Anwesenden bei der Lesung  bot Hans Bergel Auszüge aus  dem Band  „Die Wildgans – Geschichten aus Siebenbürgen“ (2001) und aus „Am Vorabend des Taifuns – Geschichte aus einem abenteuerlichen Leben“ (2001). Der vorgetragene Text „Violeta“ bezieht sich auf seinen Aufenthalt in Bukarest, als er seine Securitate-Akte durchsah in stiller Anwesenheit einer netten, freundlichen  Mitarbeiterin der Behörde für das Studium der  Archive der Securitate (CNSAS).

Der Zufall wollte es, dass diese gerade die Tochter seines Widersachers war der ihn verhört hatte, und in dem Revolutionsjahr im Dezember 1989 gestorben war. Violeta starb nach dieser zufälligen Begegnung in einem Verkehrsunfall während ihres Aufenthaltes bei einer Tagung in den USA. Auch die anderen beiden Texte, die Hans Bergel zu Gehör brachte, „Die Novelle“– ein noch unveröffentlichter Text, wo er eine Begegnung mit einer Romafrau schildert in dem Zug  „der mehr holperte als rollte auf dem abgenutzten Gleis“ von Kronstadt bis Hermannstadt,  und die ihn eisern vor jeder Störung beschützte als sie hörte, er schreibe gerade an einer Novelle.

Abschließend bot er eine Kostprobe aus seinem Schaffen mit der Erzählung „Als ich den Weihnachtsmann zum ersten Mal sah“, eine Weihnachtsgeschichte, die 2011 erschienen ist. Als Kleinkind von seinem Vater auf die Jagd mitgenommen, glaubte er in dem tiefen Schnee den Weihnachtsmann zu sehen als ein großer Braunbär sich unweit vor ihnen aufrichtete, doch schließlich davontrottete.

Die Lesung erfreute sich großen Anklangs. Auch wurde ihm bei dem jetzigen Aufenthalt in der Heimat eine neue Ehrung zuteil u.zw. wurde er zum Ehrenbürger seines Geburtsortes Rosenau ernannt. Diese schließt sich der schon vor Jahren erwiesenen Anerkennungen an, als er zum Ehrenbürger von Kronstadt und „Der Schriftsteller Kronstadts“ ernannt worden war und seitens der Universität Bukarest zum Doctor honoris causa erklärt wurde.

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